Jedes Jahr am 20. Juli wird an das Attentat auf Adolf Hitler im Jahr 1944 erinnert. Geplant und umgesetzt wurde es vonseiten des Militärs. Forcierende Kraft war der in Magdeburg geborene Henning von Tresckow. In diesem Jahr wurde die Gedenkveranstaltung noch um mehrere Gäste bereichert: Henning von Tresckows Enkel Konrad war mit seiner Familie aus den USA nach Magdeburg gekommen.
Mit einer Bombe versuchte eine Gruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg und Henning von Tresckow, Deutschlands Diktator auszuschalten. Der Umsturzversuch endete jedoch erfolglos, aber nicht folgenlos. Noch in derselben Nacht waren einige der Verschwörer im Berliner Bendlerblock hingerichtet worden. In der Folgezeit wurden etwa 200 Menschen im Zusammenhang mit dem Attentat hingerichtet oder in den Tod getrieben.
© ltlsa/smü© ltlsa/smüAnmerkung:Gedenken am 20. Juli 2026 an das Attentat auf Hitler im Jahr 1944.
© ltlsa/smü© ltlsa/smüAnmerkung:Henning von Tresckows Enkel Konrad (r.) mit seiner Familie an der Gedenkstele.
© ltlsa/smü© ltlsa/smüAnmerkung:Gedenken am 20. Juli 2026.
© ltlsa/smü© ltlsa/smüAnmerkung:Gedenken am 20. Juli 2026.
© ltlsa/smü© ltlsa/smüAnmerkung:Gedenken am 20. Juli 2026.
© ltlsa/smü© ltlsa/smüAnmerkung:Gedenken am 20. Juli 2026.
© ltlsa/smü© ltlsa/smüAnmerkung:Gedenken am 20. Juli 2026.
© ltlsa/smü© ltlsa/smüAnmerkung:Kranzniederlegung und Gedenkminute am 20. Juli 2026.
Zentrales Gedenken in Magdeburg
82 Jahre später fand das zentrale Gedenken in Sachsen-Anhalt, an dem Vertreterinnen und Vertreter des Landtags, der Landesregierung, der Stadt Magdeburg, der Kirchen, der Bundeswehr und des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge teilnahmen, am Montag, 20. Juli 2026, an der Gedenkstele für den in Magdeburg geborenen Militär Henning von Tresckow im Nordpark der Landeshauptstadt statt.
Von Tresckow hatte maßgeblich zum Verschwörerkreis gehört und beging nach dem misslungenen Attentat und der Zerschlagung des Kreises am Folgetag Selbstmord an der Front im Osten. Er war bereits spätestens 1938 in (innere) Opposition zu den Zielen und Handlungsweise des NS-Staates gerückt und lebte bis zum gescheiterten Attentat in einer Position zwischen Erhalt des eigenen (militärischen und politischen) Einflusses und der Ablehnung des NS-Regimes und der in dessen Namen begangenen Gräueltaten.
Orientierung geben, Verantwortung übernehmen
Einen verbrecherischen Diktator zu beseitigen und den Krieg zu beenden, sei das Ziel der Verschwörer des „20. Juli“ gewesen, erinnerte Oberst Thorsten Alme vom Bundeswehr-Landeskommando Sachsen-Anhalt. Das Attentat habe bis heute eine große ethische und moralische Bedeutung, es eigne sich nicht für politische Propaganda. Man gedenke der Leben und Opfer der an der Verschwörung Beteiligten. „Das Erinnern an die Gräueltaten des Krieges und den Widerstand dagegen ist heute wichtiger denn je“, sagte Alme. Es gelte, in Zeiten des immer rauer werdenden Miteinanders „Orientierung zu geben und Verantwortung zu übernehmen“.
Besondere Symbolik
Geschichte werde durch das sehr persönliche Gedenken an den in Magdeburg geborenen Henning von Tresckow in die Gegenwart geholt, sagte Sandra Yvonne Stieger, Beigeordnete der Stadt Magdeburg. Der Widerstand gegen das NS-Regime habe einige Tausend Gesichter gehabt, Einzelpersonen und Gruppen. Die Verschwörer des „20. Juli“ seien zu Schlüsselfiguren der deutschen Geschichte geworden, auch wenn die von ihnen angestrebte Wende nicht erreicht worden sei. Bedeutend sei dennoch die Symbolik: das persönliche Handeln für das Gemeinwohl und die Freiheit aller einzusetzen.
„Erinnern eine Aufforderung an alle“
„Widerspruch zum NS-Regime war lebensgefährlich“, verdeutlichte Anne-Marie Keding, Vizepräsidentin des Landtags von Sachsen-Anhalt. Die am Umsturzversuch Beteiligten hätten diese Verantwortung für sich und ihre Familien übernommen. Keding erinnerte in diesem Zusammenhang an die Frauen hinter den Militärs: „Sie trugen die Last des Wissens, ohne sie mit jemandem teilen zu können, sie boten den nötigen Rückhalt für die Aktionen.“ Heute müsse in Deutschland niemand eine solch existenzielle Entscheidung mehr treffen. Das „laute Erinnern“ sei indes kein Ritual, „sondern eine Aufforderung an alle, sich für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit einzusetzen“. Demokratie werde nicht allein durch Institutionen geschützt, sondern durch jeden einzelnen Menschen.
„Keine Sehnsucht nach Heldentum“
Die Beteiligten des „20. Juli“ hätten in der Summe ihrem Gewissen mehr gehorcht als dem deutschen NS-Unrechtsregime. Das Attentat sei der Versuch gewesen, Deutschland wieder an Recht, Freiheit und die Gemeinschaft der Völker heranzuführen, betonte Andreas Arnsfeld vom Landesverband Sachsen-Anhalt im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Henning von Tresckow sei eine prägende Figur im militärischen Widerstand geworden, als ihm gewahr geworden sei, dass Entrechtung, Verbrechen und millionenfacher Mord sich gegen Recht und Menschlichkeit erhoben hatten. Die Verschwörer hätten dabei „keine Sehnsucht nach Heldentum“ verspürt, sondern den Wunsch, das moralisch Gebotene zu tun. „Verantwortung beginnt auch heute im Alltag unseres Gemeinwesens“, so Arnsfeld.
Würde im Angesicht des Bösen
Der katholische Militärdekan Sebastian Schmidt erinnerte an die tiefe Verbundenheit Henning von Tresckows mit seinem evangelischen Glauben. Man sehe an seinem Beispiel, dass der Mensch selbst im Angesicht des Bösen nicht die Sehnsucht verliert, für die Würde und Gerechtigkeit der anderen einzutreten. Der Militär ‒ sich ob des möglichen Scheiterns des Attentats bewusst ‒ sei sich sicher gewesen, mit gutem Gewissen vor den göttlichen Richterstuhl treten zu können, so Schmidt.
Im Anschluss an die Redebeiträge wurden Kränze niedergelegt und in einer Schweigeminute des Attentats und seiner daraus folgenden etwa 200 Opfer gedacht.

