Anlässlich des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus fand am 27. Januar 2026 eine gemeinsame Gedenkstunde des Landtags von Sachsen-Anhalt und der Landesregierung im Plenarsaal des Landtags in Magdeburg statt. Im Mittelpunkt des diesjährigen Gedenkens standen Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Mit ihrem Mut, ihrer Haltung und ihrem Einsatz gegen Unrecht und Gewaltherrschaft sowie für Menschlichkeit sollten sie in besonderer Weise gewürdigt und an sie erinnert werden.
„Ein Tag, um Haltung zu zeigen“
„Gemeinsam erinnern wir heute an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945“, sagte Landtagspräsident Dr. Gunnar Schellenberger. Man gedenke des unermesslichen Leids der Opfer. „Dieser Gedenktag ist ein Tag, um Haltung zu zeigen gegen Rassismus und Antisemitismus und für Freiheit und Demokratie“, betonte der Landtagspräsident. Frauen und Mädchen hätten bisher nur am Rande der Geschichtsschreibung um den Widerstand gegen den Nationalsozialismus gestanden, dabei seien ihr Mut, ihre Entschlossenheit und Opferbereitschaft außerordentlich gewesen. Mit der Gedenkstunde soll diesen Frauen ein Gesicht und eine Stimme zurückgegeben werden. „Bildung, Herkunft und Alter sind keine Voraussetzungen für Mut. Mut heißt nicht, keine Angst zu haben, sondern Verantwortung zu übernehmen“, betonte der Landtagspräsident.
© ltlsa/smü© ltlsa/smüAnmerkung:Landtagspräsident Dr. Gunnar Schellenberger spricht während der Gedenkstunde zum Holocaustgedenktag im Plenarsaal des Landtags von Sachsen-Anhalt.
© ltlsa/smü© ltlsa/smüAnmerkung:Historikerin Dr. Frauke Geyken spricht während der Gedenkstunde zum Holocaustgedenktag im Plenarsaal des Landtags von Sachsen-Anhalt.
© ltlsa/smü© ltlsa/smüAnmerkung:Blumen und Plakat bei der Gedenkveranstaltung am Holocaustgedenktag im Landtag von Sachsen-Anhalt.
© ltlsa/smü© ltlsa/smüAnmerkung:Kammersängerin Undine Dreißig und Jan Michael Horstmann gestalteten die musikalische Umrahmung der Gedenkveranstaltung.
Gedenkrede: Frauen im Widerstand
Warum leisteten Menschen Widerstand?, fragte die Historikerin Dr. Frauke Geyken zu Beginn ihrer Gedenkrede am Holocaustgedenktag. Die Antwort könne ganz einfach sein, wie etwa die der Magdeburger Studienrätin und Sozialistin Erna Blencke: „Ich wollte ein anständiger Mensch bleiben.“ Widerstand zu leisten, heiße, den Kampf gegen ein totalitäres Unrechtsregime aufzunehmen, selbst wenn es dich das Leben kosten kann, stellte Geyken fest.
„Die Zahl der Menschen, die sich als Widerstandskämpfer und -kämpferinnen in der Zeit des Nationalsozialismus heute noch nachweisen lassen, lag zwar im einstelligen Prozentbereich, ging aber in absoluten Zahlen doch in die Hundertausende – man schätzt sie auf ca. 500 000 Menschen.“ Diese Menschen hätten gesehen, dass das, was seit dem 31. Januar 1933, dem ersten Tag der Machtausübung der Nationalsozialisten in Deutschland geschah, Unrecht gewesen sei.
Zu Widerstand gehöre Mut: „Es ist nicht einfach und es bedarf einer bewussten Entscheidung, gegen den Strom zu schwimmen.“ Dabei leisteten Männer und Frauen nicht grundsätzlich anders Widerstand. Die Handlungsspielräume seien allerdings aufgrund der Struktur des NS-Staats unterschiedlich gewesen. So sei es nicht verwunderlich, dass der Widerstand von Frauen zumeist im privaten Bereich stattgefunden habe – als sogenannter Rettungswiderstand. Der Historiker Detlef Peukert habe es durch seine Analysearbeit ermöglicht, Handlungen im Alltag als Widerstand zu würdigen und damit auch die Rolle der Frauen im Widerstand anerkennen zu können. Geyken nannte beispielhaft die Frauen des Kreisauer Kreises und der „Roten Kapelle“, aber auch einzelne heimliche Aktivistinnen. Iris Albrecht und Johannes Stermann vom Theater Magdeburg rezitierten Originalschriften.
In der Gemeinsamkeit der Frauen Stärke zu finden, das habe sogar den Diktator geängstigt. Geyken fragte: „Warum sonst sollten sie Ehefrauen ins Gefängnis werfen, Brotverkäuferinnen mit dem Tode bedrohen, Frauen, die Flugblätter verfassen und tippen, Radio hören oder Postkarten schreiben, ermorden? Weil sie wissen, dass jede Einzelne von ihnen letztlich ihr Unrechtsregime zu Fall bringen kann, damals wie heute.“

