Wolfgang Aldag (GRÜNE):
Vielen Dank, Herr Präsident. - Meine Damen und Herren! Hurra, es ist vollbracht. Die Koalition hat es geschafft. Der Wolf ist im Jagdgesetz.
(Zustimmung bei der CDU)
Durch die Jagdzimmer schallt ein fröhliches Hallali, durchladen, anlegen, Schuss frei.
(Guido Kosmehl, FDP: Herr Aldag! - Weitere Zurufe von der CDU, von der FDP und von der AfD)
Genau das versucht die Koalition den Jägerinnen und Jägern jetzt weiszumachen und packt das Gesetz heute in den Prio-Block. Aber meine Damen und Herren, so wird es nicht sein. Ja, der Wolf mag im Gesetz stehen, aber erst einmal ändert sich doch gar nichts.
(Zuruf von Marco Tullner, CDU)
Nun braucht es Managementpläne, es braucht zig Verordnungen, um Details zu regeln. Ja, Glückwunsch, liebe Koalition, ich dachte, man wollte hier irgendetwas mit Bürokratieabbau machen.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Nein, stattdessen kommt eine Regelung im Gesetz und nichts ist klar. Der politische Angriff auf den Natur- und Artenschutz hat funktioniert. Wir lehnen diesen Gesetzentwurf heute ab und ich sage Ihnen auch gleich, warum.
Er ist in Bezug auf den Wolf fachlich unnötig und lenkt von wirklich wirksamen Lösungen ab. Sie verkaufen das Gesetz als notwendig zum Schutz der Weidetiere, aber das sage ich Ihnen voraus die Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter werden mit dieser Gesetzänderung keinen besseren Schutz für ihre Tiere gewinnen. Denn die Jagd auf Wölfe gefährdet den Herdenschutz, da sie den Blick nicht mehr auf wirksame Präventionsmaßnahmen wie Zäune und Beratung richtet.
(Elrid Pasbrig, SPD: Ach, Quatsch! - Weitere Zurufe)
Statt stabile Rudelstrukturen zu erhalten, die Konflikte zu reduzieren, riskieren sie durch Zerstörung von Rudelstrukturen noch mehr Konflikte.
Wir, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bekennen uns zu einem flächendeckenden Herdenschutz: schnell, unbürokratisch und vor dem ersten Schaden. Eine Förderung für wolfsabweisende Zäune, mobile Schutzsysteme und Herdenschutzhunde ist wirksamer als die Jagd.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Das wurde auch in der Anhörung deutlich.
Wir stehen für schnelle Ausgleichszahlungen ohne bürokratische Hürden, eine praxisnahe Beratung und langfristige Förderprogramme. Ja, wir sagen auch ganz klar: Die Entnahme von Wölfen ist notwendig, wenn diese nachgewiesen Probleme bereiten. Die bisherigen Regelungen dazu sind klar und völlig ausreichend, um den Schutz von Mensch und Tier zu gewährleisten.
Dieses Gesetz, meine Damen und Herren, zielt einseitig auf die Bejagung des Wolfes, ohne ein schlüssiges Gesamtkonzept zu Herdenschutz, Vergrämung, Entnahme und Monitoring zu bieten. Es ignoriert fundierte Einwände aus Wissenschaft und Praxis.
Es fehlen verbindliche und konkrete Anforderungen an Inhalt und Qualität der Managementpläne. Im Zusammenspiel mit dem Bundesjagdgesetz bleibt somit völlig ungeregelt, wie die regionalen Managementpläne bundesweit überwacht, der Gesamtumfang der Abschüsse koordiniert und damit der günstige Erhaltungszustand gewährleistet werden soll.
Das Gesetz öffnet Tür und Tor für Missbrauch und anlasslose Bejagung ohne Kontrolle.
(Zustimmung bei den GRÜNEN)
Die Bundesregierung hält ihre schützende Hand darüber. Sie hat erst im Oktober 2025 entgegen der fachlichen Einschätzung aus dem Bundesamt für Naturschutz einen günstigen Erhaltungszustand für den Wolf gemeldet. Das, meine Damen und Herren, lässt nichts Gutes hoffen.
Und während wir hier um den Schutz einer streng geschützten Art ringen, hat die AfD ihr Zielfernrohr schon auf den Goldschakal gerichtet. Der Wolf fällt zuerst, andere Tierarten werden folgen.
(Zuruf von Guido Kosmehl, FDP)
Wir haben das befürchtet.
Wir als BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN lehnen diese Änderung des Landesjagdgesetzes auch wenn es darin viele gute Dinge gibt, die geregelt werden entschieden ab. Wir setzen auf Herdenschutz statt auf Jagd, auf Kooperation statt Konfrontation und einen starken Artenschutz für Sachsen-Anhalt. - Herzlichen Dank.
(Beifall bei den GRÜNEN)
Vizepräsident Wulf Gallert:
Jetzt kommt Herr Feuerborn noch mit der abschließenden
(Zuruf)
- Das habe ich nicht gesehen. - Herr Aldag, es gibt noch eine Intervention.
Wolfgang Aldag (GRÜNE):
Ja, kann er machen.
Vizepräsident Wulf Gallert:
Herr Lizureck, Sie haben das Wort, bitte.
Frank Otto Lizureck (AfD):
Vielleicht, Herr Aldag, kann ich Sie doch noch überreden anzuerkennen, dass die Wolfsbestände oder die Wolfsdichte etwas mit den Angriffen auf Schafe zu tun haben. Ich habe vier Jahre in Norwegen gewohnt. Dort treiben die Schafhalter ihre Tiere im Frühjahr hoch in die Berge oder überhaupt in die Natur und holen diese im Herbst wieder herein. Sie haben dort keine großen Risse. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die Wolfsdichte im dicht besiedelten Deutschland viel, viel höher ist als in Norwegen. Machen Sie sich darauf einmal einen Reim.
(Zustimmung bei der AfD)
Vizepräsident Wulf Gallert:
Das scheint er nicht zu wollen. Demzufolge sind wir am Ende dieses Redebeitrags und Herr Feuerborn hat nunmehr das Wort.

