Положение о конфиденциальности
Plenarsitzung

Transkript

Monika Hohmann (Die Linke):

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Nun ist es so weit: Es ist die letzte.

(Zuruf: Oh!)

Jetzt kommen wir aber erst einmal zum Thema.

(Stefan Gebhardt, Die Linke, und Olaf Meister, GRÜNE, lachen)

Endometriose stellt eine ernst zu nehmende chronische Erkrankung dar, die umfassende Forschungs- und Betreuungsmaßnahmen erfordert; das haben wir schon mehrfach gehört. Durch verbesserte Diagnostik, innovative Behandlungsmethoden, spezialisierte Versorgungsstrukturen sowie eine verstärkte Patientenorientierung könnten die Lebensumstände der Betroffenen nachhaltig verbessert werden. Im Sozialausschuss   das haben wir vorhin auch schon gehört   fand hierzu bereits eine Anhörung statt, die viele wertvolle Erkenntnisse lieferte.

Denn Endometriose betrifft schätzungsweise 10 % bis 15 % aller gebärfähigen Frauen. In Deutschland sind es etwa 2 Millionen Menschen, die betroffen sind. Laut der Barmer gibt es in Sachsen-Anhalt ungefähr 11 000 behandelte Patientinnen. Doch die tatsächliche Zahl liegt vermutlich zwischen 44 000 und 65 000 Frauen. Davon sollen rund 7 500 Frauen in der Landeshauptstadt Magdeburg leben. Es sind schon interessante Zahlen.

Da Endometriose bislang nicht heilbar ist, erfolgt die Diagnose häufig erst nach sechs bis zehn Jahren. Dies ist zum einen auf unzureichend geschultes medizinisches Personal zurückzuführen, das Symptome später erkennt oder nicht ernst nimmt. Zum anderen nehmen Betroffene wegen der mangelnden gesellschaftlichen Akzeptanz von Menstruationsbeschwerden oft erst spät ärztliche Hilfe in Anspruch.

Sehr geehrte Damen und Herren! Vor welchen Herausforderungen steht nun Sachsen-Anhalt? Unser Bundesland weist wie andere Regionen   an dieser Stelle widerspreche ich den Aussagen der Ministerin   deutliche strukturelle Defizite auf.

Es existieren zwar Endometriose-Zentren   auch in Sachsen-Anhalt gibt es ein Reha-Zentrum  , dennoch   so war es in der Anhörung im Ausschuss zu hören   reicht die Anzahl angesichts der Patientenzahlen nicht aus. Es herrschen   so war es zumindest auch zu hören   lange Wartezeiten in gynäkologischen Praxen. Eine angemessene Vergütung -  auch das war ein Schwerpunkt   in den ärztlichen Praxen ist ebenfalls noch nicht ausreichend gewährleistet.

Wir benötigen dringend, wie auch in der Anhörung betont wurde, zentrale politische und strukturelle Maßnahmen, bspw. die Einrichtung eines Endometriose-Registers zur zentralen Datenerfassung. Ideal wäre zudem eine Landesstelle Endometriose als Anlaufstelle für Information, Beratung und Koordination zwischen Gesundheits-, Sozial- und Bildungsbereich. Ich glaube, davon war in dem Antrag nicht ganz so viel zu lesen. Aber da das in der nächsten Wahlperiode ohnehin noch einmal auf der Tagesordnung stehen wird, denke ich, dass man das auf alle Fälle mit einbeziehen sollte.

Sehr geehrte Damen und Herren! Im Ausschuss haben wir auch erfahren, dass es einen Innovationsfonds geben sollte, der ab 1. September 2025 mit 6 Millionen € hätte gespeist werden sollen. Dessen Ziel ist es, die Versorgung von Frauen mit Endometriose in Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg neu zu gestalten. Auch hierzu wäre es spannend zu erfahren, ob dieser Fonds angelaufen ist, wie die Situation momentan ist, ob es Anlaufschwierigkeiten gab oder ob es top läuft. Das wird aber wahrscheinlich in der nächsten Legislaturperiode beredet werden.

Als Fraktion befürworten wir den Koalitionsantrag. Das Thema liegt auch uns wirklich sehr am Herzen. Deshalb gilt ein Dank den Koalitionsfraktionen, darunter der FDP-Fraktion, die das Thema eingebracht hat.

(Beifall bei der FDP - Zustimmung von Stefan Gebhardt, Die Linke)

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der Linken)

So, jetzt habe ich noch ein bisschen Zeit übrig, Herr Präsident. Darf ich? - Ach, liebe Kolleginnen und Kollegen, jetzt ist es das letzte Mal hier vorn. Ich glaube, so richtig begreifen werde ich es erst dann, wenn die neue Wahlperiode anfängt und ich dann nicht mehr hier stehen werde.

(Angela Gorr, CDU, lacht)

Nach 15 Jahren im Landtag von Sachsen-Anhalt kann ich sagen: Es war für mich wirklich eine erfüllende Zeit, die doch sehr intensiv war. Wir hatten viele spannende Debatten, auch gemeinsame Erfolge,

(Angela Gorr, CDU: Ja!)

auch wenn es oftmals nicht gleich geklappt hat. Aber aus der Opposition gab es doch sicherlich den einen oder anderen richtigen Impuls, den man hat umsetzen können; das denke ich schon.

(Beifall bei der Linken - Zustimmung von Guido Heuer, CDU, von Alexander Räuscher, CDU, und von Maximilian Gludau, FDP)

Auch ich als diejenige, die 15 Jahre lang in der Opposition war, habe manchmal gesagt: Mein Gott, es hängt nicht immer nur alles an Bürokratie oder so, sondern manchmal auch am politischen Willen. Ein Beispiel nur: Ich erinnere mich noch an den Flächenfaktor für die Kinder- und Jugendarbeit: Zehn Jahre lang haben wir darauf gewartet, zehn Jahre, bis der der Flächenfaktor eingeführt wurde. Es gibt Prozesse, die so lang dauern. Manchmal wünschte ich mir, dass Politik schneller reagieren könnte.

Nichtsdestotrotz muss ich sagen, ich habe das Glück gehabt, wirklich das Glück gehabt, dass ich in meinem beruflichen Werdegang, also, in der Zeit als Lehrerin, mit Herzblut dabei war. Ich bin mit Leib und Seele Lehrerin. Auch das hier im Landtag, in der Politik, habe ich mit Herzblut gemacht. Zu sehen, wie man etwas verändern kann   das Beste ist im Petitionsausschuss immer, wo man die Erfolge doch noch besser anfassen kann, und zwar immer im Interesse der Bürgerinnen und Bürger des Landes   war mir eigentlich immer wichtig.

Ich denke, Politik ist mehr als nur Paragrafen und Sitzungen, die man hier abhält. Sie bedeutet Verantwortung für Menschen zu übernehmen und gemeinsam an einer besseren Zukunft zu arbeiten. Aber   jetzt kommt das Aber   auch wenn mein Kapitel als Abgeordnete hier endet, bleibt mein Engagement für Sachsen-Anhalt erhalten.

(Beifall bei der Linken, bei der CDU, bei der SPD, bei der FDP und bei den GRÜNEN)

Vielleicht habe ich die Chance, in der nächsten Wahlperiode, zwar nicht als Abgeordnete, aber als Vertretung einer anderen Institution,

(Cornelia Lüddemann, GRÜNE: Als Sachverständige! - Zuruf: Minister! Minister!)

hier zu sprechen.

(Dr. Falko Grube, SPD: Wir führen sachkundige Einwohner ein!)

Aber als Abgeordnete war das definitiv meine letzte Rede. Ich wünsche Ihnen allen natürlich weiterhin viel Erfolg und viel Leidenschaft für die Aufgaben, die vor uns liegen. Sie werden nicht einfacher. Und jetzt mache ich Schluss. - Vielen Dank.