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Plenarsitzung

Transkript

Elrid Pasbrig (SPD):

Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Mit diesem Antrag sprechen wir über die Zukunft unserer Wälder. Die Wahrheit ist: Unsere Wälder stehen unter Druck, und das massiv. Das sehen wir alle oder besser fast alle. Es gibt immer noch welche, die irgendwie darüber reden, dass einen „angeblich“ menschengemachten Klimawandel gäbe. Man könnte darüber lächeln, wenn es nicht so traurig und irrsinnig wäre.

Die Dürrejahre seit 2018 haben tiefe Spuren hinterlassen. Hitze, Trockenheit und Schädlinge haben vielen Bäumen zugesetzt. Ganze Waldbestände haben sich verändert. Deswegen müssen wir uns fragen: Wie schützen wir unsere Wälder in Zukunft?

(Christian Hecht, AfD: Nicht durch CO₂-Einsparungen!)

Reicht es, an Regeln festzuhalten, die für ein anderes Klima gemacht wurden? Wir glauben, nein. Naturschutz darf nicht bedeuten, die Realität auszublenden. Die Realität ist: Das Klima verändert sich, und zwar schneller, als sich viele Baumarten anpassen können. Genau deshalb wollen wir mit unserem Antrag die Bewirtschaftungsvorgaben für FFH-Wälder weiterentwickeln, nicht um den Naturschutz zu schwächen, nein, sondern um ihn zu stärken.

Auch Frau Tarricone nahm gerade schon Bezug darauf. Die Forschungsergebnisse, etwa der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt, zeigen klar, welche Möglichkeiten wir haben. Was nützt die schönste Vorschrift, wenn am Ende der Wald verschwindet?

(Zustimmung von Guido Kosmehl, FDP)

Schauen wir auf die Buche. Sie prägt viele unserer geschützten Wälder. Lange galt sie als Gewinnerin des Klimawandels. Heute wissen wir, dass das so nicht mehr stimmt. Gerade auf trockenen Standorten gerät sie immer stärker unter Stress. Auch die Eiche ist widerstandsfähig, aber keine Wunderwaffe. Die Esche zeigt uns, wie schnell eine Baumart in Schwierigkeiten geraten kann. Deshalb brauchen wir mehr Vielfalt im Wald. Wir brauchen stabile Mischwälder. Wir sollten auch Baumarten nutzen dürfen, die in anderen Teilen Europas längst mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen, z. B. die Flaumeiche, die Zerreiche oder die Esskastanie.

(Zustimmung bei der SPD - Zuruf von Sandra Hietel-Heuer, CDU)

- Super. - Diese Arten sind keine Exoten. Sie gehören zu Europa und sie könnten unseren Wäldern helfen, besser durch die kommenden Jahrzehnte zu kommen. Für mich ist die entscheidende Frage nicht: Steht jeder Baum noch genau dort, wie vor 100 Jahren? Die entscheidende Frage ist doch: Bleibt der Wald als Lebensraum erhalten? Gibt es weiterhin Tiere und Pflanzen? Bleiben die Böden geschützt? Kann der Wald weiterhin Wasser speichern, CO₂ binden und Menschen Erholung bieten? Genau darum geht es.

Wir wollen die Wälder nicht aufgeben, wir wollen sie erhalten. Aber dafür müssen wir ihnen die Chance geben, sich an neue Bedingungen anzupassen. Wer unsere Wälder wirklich schützen will, der darf nicht nur zurückschauen, er muss auch nach vorn schauen. Genau dafür legen wir diesen Antrag vor. - Vielen Dank.