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Plenarsitzung

Transkript

Nadine Koppehel (AfD):

Danke. - Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Wir sprechen heute über eine Krankheit, die viel zu lange im Schatten stand: Endometriose - eine Krankheit, die nicht selten jahrelang verkannt wird; eine Krankheit, die Frauen aus dem Alltag, aus Schule, Ausbildung, Beruf, Familie reißt und eine Krankheit, bei der die Sätze wie „Das ist normal“, „Die Schmerzen sind nicht so schlimm“ oder „Hör auf, zu jammern“, für viele Betroffene der Anfang einer langen Leidensgeschichte ist.

Nein, starke Schmerzen sind nicht normal. Nein, jahrelanges Warten auf eine Diagnose ist kein akzeptabler Zustand. Und nein, es reicht nicht, dass die Politik Betroffenheit zeigt, während die Versorgung vor Ort lückenhaft bleibt.

Der Antrag stellt zutreffend fest: Endometriose betrifft einen erheblichen Teil der Frauen im gebärfähigen Alter. Sie kann starke Schmerzen verursachen, die Lebensqualität massiv einschränken und im schlimmsten Fall auch mit unerfülltem Kinderwunsch verbunden sein. Zugleich sind Ursachen und Heilungsmöglichkeiten nicht ausreichend geklärt. Gerade deshalb brauchen wir Forschung, Versorgung und Aufklärung, aber nicht als Schaufensterpolitik, sondern als handfeste Daseinsvorsorge.

Wir sagen ganz klar: Gesundheitspolitik muss bei den Menschen anfangen - nicht bei Schlagworten, nicht bei Kampagnen und nicht bei Modethemen, sondern bei den Patienten, die Hilfe brauchen. Wer monatlich unter massiven Schmerzen leidet, wer von Arzt zu Arzt geschickt wird, wer privat, beruflich und familiär kaum noch belastbar ist, dem hilft keine Symbolpolitik. Dem helfen Ärzte, die Bescheid wissen. Dem helfen klare Versorgungspfade. Dem helfen Zentren, die erreichbar sind. Dem hilft Forschung, die am Ende tatsächlich in Diagnostik und in Therapie ankommt.

Deshalb ist es richtig, dass die Landesregierung zunächst im Sozialausschuss berichten soll. Welche Strukturen gibt es in Sachsen-Anhalt? Welche Maßnahmen wurden bereits ergriffen? Welche Fortbildungen bestehen für Gynäkologie, Urologie, Pädiatrie und Allgemeinmedizin? Welche Aufklärungsangebote gibt es im schulischen Bereich, damit junge Mädchen nicht jahrelang glauben, stärkste Schmerzen seien zu ertragen? Aber Berichte allein helfen niemanden. Entscheidend ist, was danach passiert.

Erstens. Wir brauchen eine ehrliche Bestandsaufnahme. Wo in Sachsen-Anhalt bekommen Betroffene Frauen zeitnah Termine? Wo gibt es lange Wartezeiten? Welche Regionen sind unterversorgt? Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Frauenärzten, Schmerzmedizin, Urologie, Reproduktionsmedizin, Psychosomatik und spezialisierten Zentren? Gerade im Flächenland Sachsen-Anhalt darf Versorgung nicht nur in Halle und in Magdeburg stattfinden. Der ländliche Raum darf nicht wieder das Nachsehen haben.

Zweitens. Wir brauchen Fortbildung, die in der Praxis ankommt. Die Hausarztpraxis, die Kinder- und Jugendmedizin, die Frauenarztpraxis - sie alle können entscheidend sein, wenn junge Frauen früh ernst genommen werden. Eine gute Diagnostik braucht Wissen.

Drittens ist ein abgestuftes Versorgungskonzept sinnvoll: Primärversorgung für Früherkennung und Erstdiagnostik, Sekundärversorgung für strukturierte Abklärung und Therapie, Tertiärversorgung für komplexe Fälle in spezialisierten Zentren. Genau das ist der richtige Weg - wohnortnah beginnen, spezialisiertes Wissen gezielt einbinden, schwere Verläufe interdisziplinär behandeln.

Viertens. Wir müssen bei den Zentren genau hinschauen. Magdeburg verfügt bereits über ein EuroEndoCert-zertifiziertes Endometriose-Zentrum. Das ist gut, aber der Antrag spricht zusätzlich QuEndo an, also Patientinnenorientierung und Selbsthilfefreundlichkeit. Dann muss die Landesregierung auch sagen: Was fehlt noch? Welche Hürden gibt es? Welche Unterstützung brauchen die Universitätskliniken, damit medizinische Qualität und Betroffenenperspektive zusammenkommen?

Fünftens, die Forschung. Sachsen-Anhalt verfolgt mit ENDO-EVE in Halle einen wichtigen Ansatz. Dieses Projekt darf nicht irgendwo in wissenschaftlichen Berichten verschwinden. Es muss genutzt werden, um echte Verbesserungen für Sachsen-Anhalt abzuleiten: schnellere Diagnose, bessere Überweisungswege, digitale Begleitung, mehr Daten über Versorgungsdefizite und mehr Wissen über den Alltag der Betroffenen.

Sehr geehrte Damen und Herren! Wir werden diesen Antrag daran messen, ob er mehr ist als ein wohlklingender Text. Wir unterstützen alles, was Patienten konkret hilft: bessere Diagnostik, bessere Fortbildung, bessere Versorgung, bessere Forschung. Aber wir werden auch genau nachfragen, ob die Landesregierung liefert oder ob sie nur prüft, berichtet und vertagt.

Betroffene Frauen in Sachsen-Anhalt brauchen Hilfe. Sie brauchen ernsthafte Medizin. Sie brauchen Forschung mit Ergebnis. Und, sie brauchen einen Staat, der bei seiner Kernaufgabe, der gesundheitlichen Versorgung seiner Bürger, funktioniert. Aus diesen Gründen werden wir dem von der Koalition vorgelegten Antrag zustimmen. - Danke.