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Plenarsitzung

Transkript

Matthias Redlich (CDU):

Vielen Dank, Herr Präsident. - Wir als Parlament haben im letzten Jahr die Novellierung des Schulgesetzes vorangebracht. Wir hatten von den Schulen viele Infos bekommen, gerade zum Modellprojekt „Praxislerntag“. Das haben wir jetzt rechtlich so verankert, dass es unabhängig von dem Modellprojekt möglich ist. Deswegen geht meine Frage an den Bildungsminister: Wie hat sich das denn bewährt? Wie geht es weiter? Und welche Entwicklungen wollen Sie denn beim Praxislerntag voranbringen?


Jan Riedel (Minister für Bildung):

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Abg. Redlich, Sie haben es schon gesagt: Im Sommer des letzten Jahres wurde infolge der Novellierung des Schulgesetzes der Praxislerntag auf feste gesetzliche Füße gestellt. In den Sekundar- und den Gemeinschaftsschulen unseres Landes soll er weiter ausgebaut werden.

Zuvor war es so, dass es ein Modellprojekt dazu gegeben hat, an dem ca. 60 Schulen teilgenommen haben. Das Projekt wurde evaluiert. Dabei kam heraus, dass die Schulen bei den Befragungen mit einer Skala von eins bis fünf - fünf ist „sehr gut“, eins ist „braucht man nicht, kann weg“ - mehrheitlich mit „vier“ bis „fünf“ geantwortet haben, und zwar sowohl die Eltern und die Schüler als auch die Lehrkräfte. Das war letzten Endes der Anlass, dieses erfolgreiche Modellprojekt zu verstetigen.

Sie fragen danach, wie wir dieses Projekt jetzt angehen. Natürlich werden wir jetzt auf untergesetzlicher Ebene - wir sind schon dabei - Verordnungen als auch Erlasslagen herstellen, die auch schon geeint sind, auch in unserem Haus und mit anderen Stellen. Diese bewirken, dass alle Sekundar- und Gemeinschaftsschulen in diesem Land den Praxislerntag durchführen können.

Sie haben durch die Kommunikation der letzten Monate, sowohl des Ministerpräsidenten als auch von meiner Seite, mitbekommen, dass wir uns das wünschen und alle Hindernisse aus dem Weg räumen wollen, damit die Schulen diesen Praxislerntag anbieten können.

Warum tun wir das? - Weil wir überzeugt sind, dass dieser Praxislerntag gerade in den Sekundar- und den Gemeinschaftsschulen eine Art Gamechanger sein kann. Wir haben es dort sehr häufig mit Schulen in herausfordernden Lagen und mit Schülerinnen und Schülern zu tun, denen der Weg nicht immer so geebnet ist, wie vielleicht in anderen Schulformen. Gerade diese Schülerinnen und Schüler brauchen einen Anreiz, eine Perspektive, Zukunftsaussichten und Praxisnähe, um zu verstehen, warum sie an diesem Ort lernen, warum sie an diesem Ort ihren Abschluss machen sollen.

Dazu gibt es sehr gute Geschichten, die ich an der einen oder anderen Stelle auch schon einmal zum Besten gegeben habe, von Schülern, die nicht regelmäßig zur Schule gekommen sind, die versetzungsgefährdet gewesen sind, die Klassen wiederholt haben. Sie haben gerade durch den Praxislerntag gemerkt: Mensch, ich kann etwas, ich werde gebraucht, ich werde anerkannt, diesen Weg will ich gehen. - Vielleicht haben sie sogar schon einen Ausbildungsvertrag in Aussicht, wenn sie den Schulabschluss erfolgreich absolvieren.

Das ist für uns als Landesregierung Motivation genug, um zu sagen: Lasst uns dieses Projekt regelhaft auf die Straße bringen! Wir sind gerade dabei, das zu tun, und dazu gehören noch ein paar Parameter, die ich ihnen, wenn Sie erlauben, erklären möchte.

Wir haben im letzten Jahr die pädagogischen Unterrichtshilfen ausgeschrieben. 200 Stellen waren ausgeschrieben, weit über 60 sind derzeit schon besetzt. Wir gehen jetzt in die nächste Ausschreibungsrunde und hoffen, dass wir diese 200 pädagogischen Unterrichtshilfestellen besetzen können; denn das sind die Personen, die gerade diesen Praxislerntag vorrangig betreuen sollen. Die pädagogischen Unterrichtshilfen sind keine pädagogischen Mitarbeiter im eigentlichen Sinne, sondern sie haben auch ca. 15 Stunden Unterrichtsverpflichtung. Diese Unterrichtsverpflichtung kann auch durch die Begleitung, Organisation, Betreuung des Praxislerntags abgegolten werden.

Sie haben mich noch auf einen anderen Punkt gebracht: Ganz oft verwechselt man den Praxislerntag mit anderen Maßnahmen der Berufsorientierung. Der Praxislerntag soll natürlich der beruflichen Orientierung dienen, aber er ist zuvorderst eine Unterrichtsorganisation an einem anderen Ort.

(Zustimmung von Angela Gorr, CDU)

Das heißt, wir haben auch Unterrichtsinhalte. Es ist ganz wichtig, das zu sagen, weil man es sonst in den falschen Hals bekommt. Wir haben häufig die 4-plus-1-Diskussion nach dem Motto: Da fällt jetzt einen Tag etwas weg. - Nein, wir haben uns vielmehr dezidiert Gedanken darüber gemacht, wie wir Unterrichtsinhalte aus den verschiedensten Fächern, Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die wir unseren Schülerinnen und Schülern beibringen sollen, konstruktiv in diesen Praxistag einbringen. Deswegen muss er auch begleitet werden. Das ist kein Abschieben von Verantwortung, wie man das manchmal hört und in den Kommentarspalten liest, sondern es ist ein bewusstes Zusammenwirken, verantwortet sowohl von Wirtschaft als auch von Schule zum Bildungserfolg unserer Schülerinnen und Schüler.

Dazu kommen noch die pädagogischen Unterrichtshilfen. Es gibt eine Koordinationsstelle im Landesinstitut, die mit sehr hoher Expertise besetzt ist, mit einer Kollegin, die das schon viele Jahre betreut, die an der Universität gewesen und jetzt wieder zurückgekommen ist. Sie hat wirklich sehr gute Kontakte in die Wirtschaft, in die Betriebe, aber auch zu den Schulen.

Wir erhoffen uns, dass wir hierdurch einen Unterschied an den Sekundar- und Gemeinschaftsschulen machen können. Wir hören aus vielen Sekundar- und Gemeinschaftsschulen, dass sie dem Aufruf des Ministerpräsidenten und auch meinem Aufruf folgen und planen, im nächsten oder im darauffolgenden Jahr den Praxislerntag einzuführen. Für uns ist das wirklich eine Erfolgsgeschichte.

Vielleicht noch ein Punkt zum Schluss: Ein wichtiger Unterschied, den wir jetzt gerade machen wollen, ist, dass wir die Handwerkskammer, die Industrie- und Handelskammer, den Arbeitgeberverband, die Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaft noch enger an den Tisch bekommen wollen. Dazu wird eine Steuergruppe eingerichtet, an der sich diese Vertreter bereit erklärt haben teilzunehmen und diesen Praxislerntag quasi zu begleiten und zu evaluieren.

Es wird gerade ein Letter of Intent - ein Anglizismus, okay  , ein Bekenntnis der Wirtschaft und des Bildungsministeriums zu diesem Praxislerntag vorbereitet, weil wir gewährleisten wollen, dass die Betriebe gut von ihren Interessensvertretern beraten werden und dass es eine grundlegende Bereitschaft gibt, an diesem Praxislerntag mitzuwirken.

Es geht um die Zukunft unserer Schülerinnen und Schüler, und es geht darum, sie jetzt und frühzeitig auf das Berufsleben vorzubereiten und ihnen Perspektiven zu geben; denn - das ist ja klar - in Sachsen-Anhalt gibt es wunderbare berufliche Perspektiven in der dualen Ausbildung für unsere jungen Menschen. Das muss wirklich jedem klar werden. Wir können es uns nicht leisten, auch nur einen an der Schnittstelle Schulabschluss/Übergang in die Berufsausbildung zu verlieren, und deswegen gibt es diese Maßnahmen und diese Aktivitäten.

(Zustimmung von Christian Albrecht, CDU)


Präsident Dr. Gunnar Schellenberger:

Danke, Herr Minister. - Wir setzen fort mit der Fraktion AfD. - Herr Kirchner.


Oliver Kirchner (AfD):

Herr Präsident, wir verzichten.

(Zurufe von CDU und von der AfD)


Präsident Dr. Gunnar Schellenberger:

Okay.