Dorothea Frederking (GRÜNE):
Vielen Dank, Herr Präsident. - Sehr geehrte Abgeordnete! Ich glaube, ich konnte deutlich machen,
(Mehrere Zurufe: Nein!)
dass Wildtiere in ihre natürlichen Lebensräume gehören und nicht ins Wohnzimmer.
(Zustimmung bei den GRÜNEN und bei der Linken)
Mit einer Positivliste für die private Tierhaltung schützen wir die Tiere von nicht artgerechter Haltung. Wir bewahren die biologische Vielfalt und erhöhen die Sicherheit für die Menschen in unserem Land.
Wir haben bundes- und europaweit keine ausreichenden Regelungen für die Heimtierhaltung. Darum geht es: die Tiere zu schützen, aber auch die Menschen zu schützen. Deshalb sollten wir unsere Verantwortung in Sachsen-Anhalt wahrnehmen und eine Positivliste auf den Weg bringen, die alle Tiere aufführt, die für die Haustierhaltung geeignet und zulässig sind.
(Guido Kosmehl, FDP: Alle?)
Diese Liste kann natürlich fortgeschrieben werden; das haben wir auch in unserem Antrag beschrieben.
Zu der Frage, wer das bestimmen soll. Ich würde mich nicht so weit als Fachfrau deklarieren, dass ich das tun würde. Das machen Fachleute, die sich mit Tieren auskennen. Sie bestimmen, wer auf die Liste kommt. Das ist ausdrücklich kein Verbot, sondern umgekehrt positiv.
Die Leute bekommen Rechtssicherheit: Was ist möglich? Was ist nicht möglich? Damit haben es die Behörden, wenn sie zu Hause prüfen, auch einfacher. Sie werden nicht mehr so oft mit Haltungsbedingungen konfrontiert, die nicht gut sind.
(Zustimmung bei den GRÜNEN)
Die Koalition hat ausgeführt, dass sie freundlich überweisen wollen. Wir hatten als BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gehofft, Sie würden diesen stichhaltigen Argumenten zustimmen können
(Guido Kosmehl, FDP: Das ist doch nicht stichhaltig!)
und dem Antrag zustimmen. Weil Sie so freundlich sind, werden wir so freundlich sein, nicht gegen die Überweisung zu stimmen und uns der Stimme zu enthalten.
Herr Präsident, nun ist es auch bei mir so weit, meine letzte Rede. Ich denke, es ist eine Gelegenheit, um offen gebliebene Fragen zu beantworten.
Mehrere Menschen haben mich angesprochen, von mehreren Seiten wurde ich gefragt, was Herr Heuer und ich in seinem Auto im Wald zu suchen hatten.
(Lachen und Zustimmung bei den GRÜNEN, bei der CDU, bei der Linken, bei der SPD und bei der FDP - Nadine Koppehel, AfD, und Margret Wendt, AfD, lachen - Christian Hecht, AfD: Frau Frederking, das ist Ihre private Angelegenheit! Das können Sie ruhig so machen wie Sie wollen! - Oliver Kirchner, AfD: Das wollen wir nicht wissen! - Christian Hecht, AfD: Wir wollen das nicht wissen! - Weitere Zurufe)
Um ehrlich zu sein
(Ulrich Thomas, CDU: Sind Sie sonst nicht ehrlich?)
um ehrlich zu sein , wir waren gar nicht im Wald.
(Lachen bei den GRÜNEN, bei der CDU, bei der Linken, bei der SPD und bei der FDP - Nadine Koppehel, AfD, und Margret Wendt, AfD, lachen)
Tatsächlich waren wir nämlich bei der Hähnchenschlachterei von Wiesenhof in Möckern. Ich glaube, nun muss sich Herr Heuer erklären.
(Lachen bei den GRÜNEN, bei der CDU, bei der Linken, bei der SPD und bei der FDP)
Das vielleicht in fünf Jahren. Ich bin jedenfalls weg. In diesem Sinne möchte ich mich bei allen bedanken, die mich in ihrem Auto mitgenommen haben.
(Lachen und Zustimmung bei den GRÜNEN, bei der CDU, bei der Linken, bei der SPD und bei der FDP - Lachen bei der AfD)
Sie haben es mir ermöglicht, immer mit dem ÖPNV unterwegs sein zu können.
(Lachen bei den GRÜNEN, bei der CDU, bei der Linken, bei der SPD und bei der FDP - Guido Heuer, CDU: In Möckern war Bernhard Daldrup Zeuge!)
Bei den Leuten, die mich mitgenommen haben, war selbst Herr Silbersack dabei,
(Lachen und Zustimmung bei den GRÜNEN, bei der CDU, bei der SPD und bei der FDP - Zurufe von der FDP: Oh!)
sonst eher zurückhaltend,
(Lachen bei den GRÜNEN, bei der CDU, bei der SPD und bei der FDP)
was Wohltaten für die GRÜNEN angeht.
Aber nicht nur während dieser Autofahrten ergaben sich interessante Gespräche und Sichtweisen. Besonders dankbar bin ich für die vielfältigen Begegnungen mit Menschen, die ich, ohne Abgeordnete zu sein, gar nicht kennengelernt hätte.
(Zustimmung bei den GRÜNEN, bei der CDU, bei der Linken, bei der SPD, bei der FDP, von Nadine Koppehel, AfD, und von Margret Wendt, AfD)
Als Abgeordnete stehen uns alle Türen offen. Das ist schon etwas Besonderes. Eintauchen zu dürfen in die Lebenswirklichkeiten von Menschen, das habe ich in den vergangenen 15 Jahren immer als wirklich sehr hohes Privileg angesehen. Ich war überrascht und begeistert von dem Engagement und habe wirklich Hochachtung vor den Menschen. Es hat mir auch viel bedeutet, wenn sie oder Bürgerinitiativen oder auch Verbände mir ihr Vertrauen entgegengebracht und mich gebeten haben, ihnen bei der Durchsetzung ihrer Anliegen zu helfen.
Es war mir eine Ehre, dass ich 15 Jahre lang Mitglied in diesem Parlament sein durfte. Ihnen und euch, denjenigen, die bleiben, wünsche ich alles Gute, gute Entscheidungen zum Wohle der Menschen in diesem Land, aber eben auch für die Natur und nicht zuletzt für die Tiere.
(Beifall bei den GRÜNEN, bei der SPD und bei der FDP - Zustimmung bei der CDU und bei der Linken)
Denjenigen, die gehen, wünsche ich das Beste. Ich bin zuversichtlich, dass auch wir ein sinnstiftendes Leben außerhalb des Parlaments führen werden.
(Lachen und Zustimmung bei den GRÜNEN, bei der CDU und bei der SPD)
Vielen Dank an alle, auch an die Mitarbeitenden in den Fraktionen, in den Regionalbüros. Vielen Dank an die Landtagsverwaltung. Vielen Dank für das Miteinander und für die Zusammenarbeit.
(Starker, lang anhaltender Beifall bei den GRÜNEN, bei der SPD und bei der FDP - Zustimmung bei der CDU, bei der Linken, von Nadine Koppehel, AfD, und von Margret Wendt, AfD)
Vizepräsident Wulf Gallert:
Jetzt könnte Frau Tarricone noch ihre Intervention machen. - Frau Tarricone, Sie haben das Wort. Bitte.
Kathrin Tarricone (FDP):
Vielen Dank, Frau Frederking. Also, ich muss erst einmal sagen, jetzt haben Sie mich fast so weit gebracht, dass ich auf meine Frage verzichtet hätte. Das haben Sie wirklich sehr schön gesagt, alles. Auch wenn wir uns inhaltlich meistens streiten, bringe ich Ihnen meine Hochachtung entgegen, weil Sie sich wirklich ganz intensiv um die Dinge kümmern, nicht auf einem Weg, den wir verfolgen, aber es kann Ihnen tatsächlich niemand absprechen, dass Sie sich nicht wirklich mit Verve für die Dinge einsetzen.
(Beifall bei der FDP, bei der SPD und bei der GRÜNEN - Zustimmung bei der CDU, bei der Linken, von Nadine Koppehel, AfD, und von Margret Wendt, AfD)
Jetzt aber doch noch meine Frage, weil Sie mich zuvor mit der Freiheit gequält haben, die wir so vehement verträten. Das werden wir auch weiterhin tun. Von mir aus soll sie rhetorisch sein. Wie halten Sie es denn mit der Freiheit der Tiere? Wenn das Ihr Anliegen ist und das war ja zu spüren , dann dürfte die Positivliste relativ kurz werden.
Vizepräsident Wulf Gallert:
Bitte, Sie können antworten.
Dorothea Frederking (GRÜNE):
Ja, wie ich schon ausführte, die Katze, der Hund, das Meerschweinchen, die werden natürlich auf diese Liste kommen, und auch einige Arten, von denen man sagen kann, es ist grundsätzlich möglich, sie zu Hause zu halten. Ja, möglicherweise ist diese Liste übersichtlich. Das ist auch durchaus gewollt.
(Kathrin Tarricone, FDP: Aha!)
Das erleichtert den Kontrollbehörden auch ihre Arbeit.

