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Plenarsitzung

Transkript

Dr. Anja Schneider (CDU):

Vielen Dank. - Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Da mein Kollege Herr Pott so ausführlich und dezidiert zu diesem Thema gesprochen hat, was dem auch angemessen ist, werden Sie leider nicht drumherum kommen, das eine oder andere zwei- oder dreimal zu hören. Aber, dann bleibt vielleicht auch einiges hängen.

(Alexander Räuscher, CDU, lacht)

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Unser Land steht vor großen Herausforderungen. Wir müssen Antworten finden, und zwar auf wirtschaftliche Fragen, auf die Frage nach der Zukunft unserer Sozialsysteme und auf die Frage nach der Sicherstellung einer guten medizinischen Versorgung. Aber auch wenn die großen Themen gerade im Mittelpunkt stehen, was richtig ist, dürfen wir nicht die aus dem Blick verlieren, die für viele Menschen ganz konkret im Alltag entscheidend sind. Endometriose ist für Frauen nun einmal genau so ein Thema.

Stellen Sie sich vor, Schmerzen kommen immer wieder, und zwar keine kleinen Beschwerden, quasi es ist ein bisschen unangenehm, sondern Schmerzen, die den Alltag bestimmen, die Schule, Ausbildung, Beruf, Partnerschaft und auch die Familie beeinflussen. Dann beginnt die Suche nach Hilfe. Doch die Ursache bleibt oft lange unerkannt, und zwar, wie bereits mehrfach erwähnt, sehr oft über mehrere Jahre hinweg. Genau das ist die Realität vieler Frauen, die unerkannt mit dieser Erkrankung und den Symptomen leben müssen.

Diese ernsthafte chronische Erkrankung betrifft mehr Frauen   auch das wurde erwähnt   als viele von uns denken. Auch in Sachsen-Anhalt sind mehrere Tausend Frauen betroffen.

Der Antrag der Regierungskoalition setzt an den entscheidenden Punkten an. Da bin ich ganz bei der FDP: Forschung ist eines der wichtigsten Dinge,

(Zustimmung von Kerstin Godenrath, CDU und bei der FDP)

Versorgung, Aufklärung und eine bessere medizinische Qualifikation. Wir brauchen die Forschung, die zu besseren Diagnoseverfahren und wirksamen Therapien führt. Und, wir brauchen Strukturen, die gewährleisten, dass Frauen schneller an Hilfen, und zwar auch an die richtigen Hilfen, kommen.

Hier setzt auch die Fort- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten an. In der Gynäkologie, aber auch in der Allgemeinmedizin, Urologie und Pädiatrie müssen Kenntnisse über Endometriose weiter vertieft werden.

Ebenso wichtig ist ein Versorgungskonzept von der ersten Anlaufstelle beim niedergelassenen Arzt über spezialisierte Diagnostik bis hin zu entsprechenden Zentren für komplexe Krankheitsverläufe. Dabei können wir, wie bereits erwähnt, auf bestehende Strukturen im Land aufbauen. Die Projekte und Forschungsvorhaben an den Universitätskliniken in Magdeburg und in Halle zeigen, dass in Sachsen-Anhalt bereits wichtige Arbeit geleistet wird. Diese Ansätze müssen wir unbedingt unterstützen und weiterentwickeln.

Doch medizinische Versorgung allein reicht nicht aus. Auch gesellschaftlich muss sich hierbei etwas ändern. Viele Mädchen lernen noch immer, Schmerzen während der Periode gehören nun einmal einfach dazu, sind normal. Wir müssen deshalb frühzeitig informieren in Schulen, in der medizinischen Ausbildung und in der Öffentlichkeit. Aufklärung bedeutet nicht nur Wissen, sondern es ist auch ein wichtiger Schritt gegen Stigmatisierung.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Gesundheitspolitik zeigt sich nicht nur bei den großen Schlagzeilen. Sie zeigt sich auch dort, wo Menschen im Alltag Unterstützung brauchen. Endometriose betrifft Frauen mitten im Leben, junge Frauen in der Schule, Frauen in Ausbildung, im Beruf, Frauen mit Kinderwunsch, Frauen mit Familie.

Dieser Antrag ist deshalb ein wichtiger Schritt für mehr Forschung, für bessere Versorgung, für mehr Bewusstsein und vor allem   das ist mir auch persönlich sehr wichtig   für mehr Wertschätzung von Frauengesundheit. Deshalb bin ich für die Initiative der FDP sehr dankbar. Wir bitten daher um Zustimmung zum Antrag der Regierungskoalition. - Vielen Dank.