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Plenarsitzung

Transkript


Andreas Silbersack (FDP):

Die Olympischen Winterspiele in Cortina und Mailand liegen hinter uns. Auf der einen Seite können wir als Deutschland mit sieben Goldmedaillen insgesamt nicht ganz zufrieden sein. Auf der anderen Seite können wir als Sachsen-Anhalt feststellen, dass wir gerade in der Rinne, was die Bobsportler betrifft, außerordentlich erfolgreich waren, und, insbesondere Thorsten Margis und Alexander Schüller, einmal Gold und zweimal Silber zu verzeichnen haben.

Das ist ganz herausragend. Das ist natürlich auch auf die aus Sachsen-Anhalt stammende Erfindung zurückzuführen, die Anschieber im Bobsport bei den Zehnkämpfern mittrainieren zu lassen. Ich glaube, das ist das Erfolgsrezept, das deutschlandweit und darüber hinaus wirkt.

Deshalb würde ich die Landesregierung gern fragen, wie sie die Olympischen Spiele und die Erfolge unserer Sportlerinnen und Sportler bei den Winterspielen einordnet und einschätzt.


Präsident Dr. Gunnar Schellenberger:

Danke. - Bitte noch einmal Frau Zieschang.


Dr. Tamara Zieschang (Ministerin für Inneres und Sport):

Herr Abg. Silbersack, Sie haben einen Teil Ihrer Fragen schon fast selbst beantwortet.

(Lachen und Beifall im ganzen Hause)

Aber das zeigt nur, dass wir in sportlichen Fragen in einem guten Miteinander sind und ähnliche Einschätzungen vornehmen.

Sie haben bewusst eine Differenzierung vorgenommen zwischen der Auswertung, wie sie der Bund vornehmen muss, und der Auswertung, die wir hier in Sachsen-Anhalt vornehmen können. In Bezug auf den Bund würde ich sagen: Ich war in der letzten Woche beim Jahresempfang des Deutschen Olympischen Sportbundes, und ich fand es schon ein wenig dünn, auf die vielen 4. Plätze zu verweisen. Ich sage das deswegen, weil für jemanden, der nach Mailand oder Cortina gefahren ist, da er hoffte, unter den ersten zehn zu sein, der 4. Platz ein toller Erfolg ist.

(Beifall bei der FDP)

Aber mit Blick auf diejenigen, die eigentlich angetreten sind, um auf dem Treppchen zu stehen, müssen wir uns fragen, ob wir diesen Sportlern für ihre Vorbereitungen die optimalen Rahmenbedingungen gegeben haben, damit sie auf dem Treppchen stehen. Ich glaube, das muss auf Bundesebene noch einmal kritischer ausgewertet und beleuchtet werden; denn für eine Sportnation wie Deutschland sind die Ergebnisse natürlich nicht zufriedenstellend, gerade wenn wir uns überlegen, wo wir in früheren Jahren im Medaillenspiegel standen. Wir sehen auch, dass andere Länder - wenn wir einmal zu den Holländern gucken - sehr gezielt Maßnahmen ergriffen haben. Ich glaube, wir sind auf der Bundesebene, aber auch im Bereich des organisierten Sportes, im Deutschen Olympischen Sportbund, noch nicht dort, wo wir sein sollten, auch in der Reflexion und in der Auswertung.

In Bezug auf Sachsen-Anhalt können wir wirklich sagen, wir sind Bobsportland. Wir sind ja mit vier Sportlern aus Sachsen-Anhalt nach Mailand gefahren. Es freut mich ganz besonders, dass Talea Prepens, die sehr jung ist, die noch Herr Haseloff und ich gemeinsam verabschiedet haben - mit dem neuen Ministerpräsidenten werden wir natürlich alle Teilnehmer nach der Rückkehr begrüßen; jetzt sind die meisten erst einmal im Urlaub, deswegen mussten wir den Termin verschieben  , bei ihren ersten Olympischen Spielen auf den 4. Platz gefahren ist. Das ist wirklich grandios; das ist in dem Fall ein wirklich beeindruckender 4. Platz.

(Zustimmung bei den GRÜNEN - Beifall bei der FDP)

Tim Becker, auch ein ganz junger Sportler, ist als Ersatzmann mitgefahren; er kam leider nicht zum Einsatz. Aber ich sage: Erste olympische Erfahrungen, die er in so jungen Jahren gesammelt hat, wird er bei weiteren Olympischen Spielen, an denen er ganz sicher teilnehmen wird, gewinnbringend einsetzen.

Dann die - ich sage es einmal so - alten Schlachtschiffe Thorsten Margis und Alexander Schüller: Thorsten Margis ist wieder mit einer Goldmedaille zurückgekommen, der erfolgreichste Bobanschieber Deutschlands, ein ganz toller Erfolg. Auch dass Alexander Schüller mit zweimal Silber, im Zweier- und im Viererbob, nach Hause gekommen ist, ist etwas, das wir erhofft haben und das tatsächlich eingetreten ist.

Da es immer für Verwirrung sorgt: Das sind eben die Sportler, die für Vereine aus Sachsen-Anhalt antreten. Trotzdem waren natürlich auch noch Sachsen-Anhalter, die für Vereine in anderen Bundesländern antreten, mit am Start: Georg Fleischhauer aus Halberstadt mit zweimal Gold; Christoph Grotheer aus Wernigerode, Skeletonfahrer, mit zweimal Bronze; oder auch Toni Eggert, der im Zweifelsfall einer ist, der mit dem 4. Platz nicht zufrieden ist - obwohl ich es trotzdem eindrucksvoll finde, dass er zum ersten Mal mit einem völlig neuen, sozusagen zweiten Bobfahrer angetreten und trotzdem schon auf den 4. Platz gefahren ist. Das finde ich eindrucksvoll, auch wenn ich weiß, dass er mit anderen Erwartungen hingefahren ist.

Was können wir in der Summe, auch für Sachsen-Anhalt, daraus mitnehmen? - Es war eine gute Investition, dass wir die Bobanschubstrecke in Magdeburg gebaut haben; denn das ist ein wichtiger Ort, um zu trainieren. Da haben wir im Augenblick wirklich optimale Vorbereitungsmöglichkeiten, auch auf die Olympischen Spiele.

Ich glaube, es ist auch richtig, dass wir sehr frühzeitig darauf gesetzt haben, dass Bobsportler nicht als solche geboren sein müssen, sondern auch aus anderen Sportarten kommen können, bspw. aus der Leichtathletik - wie wir es bei uns auch sehen. Umso wichtiger ist jetzt die neue Investition in die Laufhalle in Halle;

(Beifall bei der FDP)

denn genau da werden auch die Leichtathleten trainiert. Aber ich freue mich wirklich, dass wir nicht nur die Alten, Erfahrenen haben, sondern dass wir auch sehen, wir haben jetzt tollen Nachwuchs mit Talea Prepens, Tim Becker und hoffentlich noch vielen weiteren. Für Sachsen-Anhalt können wir also eine positive Bilanz ziehen.