Elrid Pasbrig (SPD):
Frau Präsidentin! Herr Fraktionsvorsitzender Heuer!
(Lachen bei der CDU)
Wir müssen hier feststellen: Zucker ist ein Problem,
(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)
auch wenn er per se nicht krank macht. Das Problem - das sagte Minister Richter auch gerade - ist: Wir essen einfach zu viel davon.
(Zuruf von Dr. Katja Pähle, SPD - Guido Heuer, CDU: Das ist aber eine individuelle Entscheidung!)
Statistisch betrachtet verzehrt jeder und jede von uns 93 g bis 100 g Zucker pro Tag. Die Empfehlung lautet: maximal 50 g.
(Dr. Katja Pähle, SPD: Ja!)
Das heißt also, statistisch gesehen, es gibt disziplinierte Menschen.
(Cornelia Lüddemann, GRÜNE, und Dr. Katja Pähle, SPD, lachen)
Dafür essen dann offensichtlich andere Menschen täglich noch mehr davon.
Das ist auch kein Geheimnis: Zu viel Zucker verursacht Übergewicht, Diabetes Typ 2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Jedes Jahr erkranken mehr als eine halbe Million Menschen in Deutschland an Diabetes, 90 % davon sind Diabetes-Typ-2-Fälle. Das kostet unser Gesundheitssystem Milliarden Euro jedes Jahr.
(Beifall bei der SPD - Dr. Katja Pähle, SPD: Ja!)
Wir als Sozialdemokraten achten auch auf
(Guido Heuer, CDU: Gesundheit!)
Gerechtigkeit bei diesem Thema. Leider ist es so, dass Erkrankungen und Einkommen korrelieren. Es ist bekannt, dass vor allem Menschen mit geringem Einkommen und Kinder auf hochverarbeitete und zuckerreiche Lebensmittel zurückgreifen, weil - es ist leider so - diese besonders preisgünstig sind.
(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN - Dr. Katja Pähle, SPD: Richtig!)
In einer idealen Welt würden wir unseren Kindern sagen: „Lasst das mal mit dem Cola trinken und mit dem Brause trinken; denn das ist doch sehr ungesund“, und sie würden auf uns hören.
(Lachen bei den GRÜNEN - Olaf Meister, GRÜNE, lachend: Sehr theoretisch!)
Das alles wissen wir. Aber wir sind nicht in einer idealen Welt, also müssen wir darüber reden, wie wir unter Umständen politisch einwirken könnten.
(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN - Zurufe: Warum?)
- Warum? Weil es in der Tat Erfolgsgeschichten gibt;
(Konstantin Pott, FDP: Aber es gibt auch gegenteilige Beispiele!)
ich interpretiere sie vielleicht anders als Kollegin Frederking. - Aber jetzt führe ich weiter aus. Gleichzeitig ist für uns in Sachsen-Anhalt aber auch klar, dass Zucker ein landwirtschaftliches Produkt ist,
(Guido Kosmehl, FDP: Aha!)
dass er gerade in Sachsen-Anhalt zu einer unserer Hauptanbaukulturen gehört,
(Guido Kosmehl, FDP: Aha! - Guido Heuer, CDU: Ich komme aus der Börde!)
dass Zuckerrüben hier zur Wertschöpfung beitragen und zu Arbeitsplätzen im ländlichen Raum. Bei uns wurden im Jahr 2024 auf mehr als 54 000 ha Zuckerrüben angebaut -
(Zustimmung von Guido Heuer, CDU)
viermal so viel wie in Thüringen, dreimal so viel wie in Sachsen.
(Cornelia Lüddemann, GRÜNE: Nur für dich, Guido, nur für dich!)
Meine Redezeit ist leider schon zu Ende. Aber ich wollte sagen: Schauen Sie einmal bei den Zuckerverbänden nach. Sie beschreiben wunderbare Alternativen, was aus Zuckerrüben alles hergestellt werden kann,
(Dr. Katja Pähle, SPD: Richtig!)
nämlich Düngemittel, Gründünger, Bioethanol,
(Christian Albrecht, CDU: Milchschnitten!)
biogenes CO₂, Verpackungsmaterial, Biochemikalien, grüner Wasserstoff. Ich zitiere jetzt von der Homepage der Zuckerverbände:
„Auch künftig werden Zuckerrüben vor allem für die Herstellung von Lebensmitteln genutzt. Aber die Beispiele zeigen: Der nachwachsende Rohstoff Zuckerrübe hat das Potenzial, viele Industrie- und Lebensmittelbereiche nachhaltiger zu gestalten. Die deutsche Zuckerindustrie treibt Innovationen voran, um diese Potenziale zu nutzen. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Defossilisierung des Landes und zum Erreichen der ehrgeizigen Nachhaltigkeitsziele.“
(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Frau Pasbrig?
Elrid Pasbrig (SPD):
Lassen Sie uns also schauen, wie Zuckerrüben zukünftig innovativ genutzt werden können. Wenn wir sicherstellen können, dass sie weiter angebaut werden, dann reden wir noch einmal über die Erfolgsstory, wie man über Anreize bzw. über die Androhung von Steuern
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
So, Frau Pasbrig, jetzt wirklich.
Elrid Pasbrig (SPD):
den Zuckergehalt in Lebensmitteln senken kann.
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Jetzt hilft auch nicht die Verschärfung des Redetempos.
Elrid Pasbrig (SPD):
Vielen Dank.

