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Plenarsitzung

Transkript

Tagesordnungspunkt 10

Beratung

Gesundheitsversorgung für Kinder und Jugendliche sicherstellen

Antrag Fraktionen CDU, SPD und FDP - Drs. 8/7140


Herr Teßmann steht schon in den Startlöchern und er hat das Wort. - Bitte sehr.

(Zustimmung bei der CDU)


Tim Teßmann (CDU):

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir über die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen sprechen, dann ist diese Debatte selten eine rein sachliche Diskussion; sie ist immer auch mit viel Emotion verbunden. Diese Emotionen nehmen noch einmal zu, wenn wir zusätzlich über die Geburtshilfe sprechen, also über die ersten und vielleicht wichtigsten Momente im Leben eines Menschen.

Als Vater und auch als jemand, der zumindest bei zwei Geburten anwesend war, kann ich diese Sorgen und diese Gefühle sehr gut nachvollziehen. Jeder von uns möchte, dass die Menschen, die uns am nächsten stehen, gut versorgt sind. Wir möchten, dass unsere Kinder im Krankheitsfall schnell und kompetent behandelt werden. Wir möchten ebenso, dass Mütter und Kinder während einer Geburt sicher begleitet werden. Wir möchten, dass im Notfall die Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird, und das rechtzeitig.

Insbesondere im ländlichen Raum erleben viele Menschen die Herausforderungen der medizinischen Versorgung gerade unmittelbar. Viele kennen die Situation vom Hörensagen oder auch aus dem eigenen Erleben: Wenn eine Praxis geschlossen ist oder ein Notfall außerhalb der regulären Zeit eintritt, bedeutet das häufig lange Wege. Man fährt viele Kilometer, wartet teilweise mehrere Stunden und hofft, dann die notwendige Versorgung zu erlangen.

Umso wichtiger ist es, an dieser Stelle einmal ausdrücklich den Ärztinnen und Ärzten in der Kinder- und Jugendmedizin sowie allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in diesem Bereich zu danken.

(Zustimmung bei der CDU)

Sie leisten jeden Tag eine anspruchsvolle Arbeit. Sie müssen häufig und unter schwierigen Bedingungen Entscheidungen treffen, bewahren dabei Professionalität und Ruhe. Vor allem sorgen sie mit großem Engagement dafür, dass unsere Kinder und Jugendlichen die bestmögliche medizinische Betreuung erhalten. Dafür gebühren ihnen unser Dank und unsere Anerkennung.

(Zustimmung bei der CDU und bei den GRÜNEN)

Wir im Landtag müssen über die Herausforderungen der Versorgungssicherheit diskutieren und zwei Perspektiven zusammenbringen: die Bedürfnisse der Patientinnen und der Patienten und die Arbeitsbedingungen des medizinischen Personals. Die zentrale Frage lautet dabei: Wie schaffen wir es Qualität, Erreichbarkeit und Wirtschaftlichkeit miteinander zu verbinden?

Wir stehen dabei vor besonderen Herausforderungen. Eine davon ist die aktuelle Entwicklung unserer Geburtenzahl. Die sinkende Zahl an Geburten hat mehrere Auswirkungen. Natürlich verändert sich dadurch langfristig auch die Anzahl der jungen Patientinnen und Patienten. Aber wir müssen genauso berücksichtigen: Wenn weniger Kinder geboren werden, bedeutet das perspektivisch auch, dass sich weniger Menschen für medizinische Berufe ausbilden lassen können. Der Fachkräftemangel löst sich also nicht automatisch durch die wenigeren Patienten auf. Deshalb ist es aus der Sicht der Koalition entscheidend, jetzt die richtigen Weichen zu stellen.

Als Koalition bitten wir die Landesregierung, sich beim Bund weiterhin für bessere Rahmenbedingungen bei der Weiterbildung von Kinderärztinnen und Kinderärzten einzusetzen, um insbesondere die ambulanten Versorgungsbedarfe sicherstellen zu können. Dazu muss die zugesagte Ausweitung der Weiterbildungsplätze durch den Bund eingehalten werden.

Die Fachrichtung Pädiatrie verliert anhaltend an Attraktivität für den ärztlichen Nachwuchs. Wesentliche Gründe, die dazu führen, dass sich junge Ärztinnen und Ärzte häufiger gegen diese Fachrichtung entscheiden, sind oftmals die kleinen Versorgungseinheiten mit begrenzter medizinischer Breite und einer hohen Belastung durch Sicherstellung der Bereitschaftsdienste und die Absicherung der Arbeitszeiten.

Meine Kollegin Frau Dr. Schneider und auch der Kollege Krull weisen dabei zu Recht immer wieder darauf hin, dass wir auch im Kinder- und Jugendbereich über spezialisierte Versorgungsstrukturen sprechen und zentrale Ausbildungsmöglichkeiten stärken müssen. Mehr Ärztinnen und Ärzte können Belastungen für die vorhandenen Ärzte besser verteilen und abfedern. Deshalb darf eine sinkende Geburtenrate für uns nicht bedeuten, dass wir weniger Kinderärztinnen und Kinderärzte ausbilden - im Gegenteil. Gerade jetzt brauchen wir eine vorausschauende Planung.

Dabei dürfen wir aber nicht nur auf bestehende Strukturen schauen. Wir müssen auch bereit sein, neue Wege zu gehen. Dazu gehört, dass wir uns mit neuen Versorgungsmodellen auseinandersetzen und bestehende Konzepte regelmäßig überprüfen. Was funktioniert? Wo gibt es Verbesserungsbedarf? Welche Modelle können wir auf andere Regionen übertragen? Das sind die Fragen, die wir uns stellen müssen, damit wir, wie z. B. in Gardelegen, wo es aktuell keine stationäre Pädiatrie gibt, vielleicht wieder ein Versorgungsmodell schaffen können,

(Zustimmung von Sandra Hietel-Heuer, CDU)

für das sich auch meine Kollegin Sandra Hietel-Heuer immer stark eingesetzt hat. Das sollte selbstverständlich gemeinsam mit den relevanten Partnern erfolgen, mit der Kassenärztlichen Vereinigung, den Krankenhäusern, den Fachverbänden und natürlich auch mit denjenigen, die täglich in der Versorgung arbeiten. Denn gute Lösungen entstehen nicht am Schreibtisch allein, sondern gemeinsam mit der Praxis.

Ein weiterer Punkt ist die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Standorten. Kooperationen zwischen Krankenhäusern können dabei helfen, die Versorgung langfristig zu sichern. Gerade im ländlichen Raum spielt das eine wichtige Rolle.

Wir müssen moderne Möglichkeiten selbstverständlicher nutzen. Telemedizin und digitale Konzepte können Ärztinnen und Ärzte nicht ersetzen, aber sie können unterstützen, Wege verkürzen und Versorgung sicherstellen.

Darüber hinaus bitten wir die Landesregierung, bei der Zuweisung der Leistungsgruppen im Rahmen der Krankenhausreform die bestehenden Möglichkeiten von Ermessensentscheidungen verantwortungsvoll zu nutzen.

(Zustimmung bei der CDU)

Krankenhausplanung darf nicht nur den starren Zahlen folgen, sie muss und wird auch regionale Besonderheiten berücksichtigen. Die Versorgung der Menschen vor Ort muss ein entscheidender Maßstab bleiben.

(Zustimmung von Sandra Hietel-Heuer, CDU)

Mit dieser Beschlussvorlage machen wir einen wichtigen Schritt. Eines ist aber auch klar: Dieses Thema wird uns über die jetzige Legislaturperiode hinaus beschäftigen. Die Herausforderungen werden nicht kleiner. Insbesondere die schon genannten niedrigen Geburtenzahlen werden uns auch hier vor Aufgaben stellen.

Wir brauchen gute Konzepte, wir brauchen Mut, neue Wege zu gehen und wir werden auch darüber sprechen müssen, was wir an finanziellen Mitteln brauchen. Denn am Ende geht es um eine zentrale Frage: Wie wichtig ist uns die medizinische Versorgung unserer Kinder? Meine Antwort und die meiner Fraktion darauf ist klar: Sie muss uns sehr wichtig sein; denn die Kinder und Jugendlichen sind nicht nur die Patientinnen und Patienten von heute, sie sind auch Teil der Gesellschaft von morgen. Eine gute Versorgung unserer jüngsten Generation ist eine Investition in unsere gemeinsame Zukunft. - Vielen Dank.