Der Landtag von Sachsen-Anhalt war auch 2026 Gastgeber des Landesfinales von„Jugend debattiert“. In der Schlussrunde debattierten am Montag, 14. April 2026, jeweils vier Jugendliche der Sekundarstufen I und II um den Landestitel. Debattiert wurde auf verschiedenen Ebenen: Vom Schul- über den Regional- bis zum Landeswettbewerb. Der Bundeswettbewerb (12./13. Juni 2026), bei dem jedes Jahr die besten Debattantinnen und Debattanten aus ganz Deutschland in Berlin aufeinandertreffen, bildet den Abschluss des Wettbewerbs.

Die beiden Erstplatzierten ihrer Altersgruppe, Pia Matticka und Kilian Norden, erhielten ihre Urkunden von Landtagspräsident Dr. Gunnar Schellenberger, Bildungsminister Jan Riedel und Dr. Jan-Jonathan Bock.
Sek. I: Pflicht für ein Politik-Praktikum?
In den ersten Wettstreit – die Positionen stehen dabei im Vorfeld fest und spiegeln nicht die wirkliche Meinung der Jugendlichen wider – traten Pia Matticka (Gymnasium Carolinum Bernburg), Aron Baumann (CJD Christophorusschule Droyßig), Nina Heier (Europaschule Gymnasium Stephaneum Aschersleben) und Jonas Behrendt (Burg-Gymnasium Wettin). Sie hatten sich vor den Augen und Ohren der Jury und der Zuschauenden mit dem Thema „Soll ein verpflichtendes Politikpraktikum für Schülerinnen und Schüler eingeführt werden?“ auseinanderzusetzen.
Die Pro-Seite warb für diese Maßnahme in der 9./10. Klassenstufe, könne sie doch der allgemeinen Politikverdrossenheit vorbeugen und zum Verstehen politischer Prozesse beitragen. So sollte die erste von zwei Wochen im direkten Politikbereich, die zweite Woche bei einer NGO abgeleistet werden. Schülerinnen und Schüler würden erkennen, wie nah sie eigentlich an politischen Prozessen und Entscheidungen seien.
Die Kontra-Seite brachte zunächst logistische Probleme aufs Tapet. Wie sollen die vielen Schülerinnen und Schüler überhaupt bei den politischen Institutionen untergebracht werden? Politikverdrossenheit könne als Argument nicht angebracht werden, da sich heute so viele Jugendliche wie nie für politische Themen interessierten. Die politische Neutralität könne schülerseitig nicht gewährleistet werden.
Landessiegerin wurde schließlich Pia Matticka, gefolgt von Nina Heier, Platz drei ging an Aron Baumann, Viertbester des Landes wurde Jonas Behrendt.
Sek. II: Mandathöchstzahl für Abgeordnete?
Thema Nr. 2 war im Plenarsaal des Landtags bestens aufgehoben: „Soll für Mandatszeiten der Abgeordneten unseres Landesparlaments eine Höchstgrenze gelten?“ Auf der Pro-Seite diskutierten Iven-Lennard Scharnowski (Gymnasium „Werner von Siemens“ Magdeburg) und Amelie Bier (Domgymnasium Naumburg), das Kontra deckten Kilian Norden (Ökumenisches Domgymnasium Magdeburg) und Emma-Luise Knall (Europaschule Gymnasium Stephaneum Aschersleben) ab.
Sei jemand zu lange Abgeordnete/r, könne schon mal der Bezug zur Lebensrealität verlorengehen, so die Befürworter der „Sperre“. Um Altersdiskriminierung zu umgehen, sei statt eines Höchstalters lieber eine Mandatshöchstzahl einzuführen. Das Kontra kam sogleich: Das Mandat werde durch Wahl ja nur für fünf Jahre erworben, es liege in der parteiinternen Verantwortung, auch jüngere Menschen ins Parlament zu bringen.
Am Ende der Debatte wurde tatsächlich ein Beschluss gefasst, allerdings nicht von den Debattierenden oder vom Publikum, sondern von der Jury, zu der auch Landtagspräsident Dr. Gunnar Schellenberger gehörte. Landessieger wurde Kilian Norden vor Emma-Luise Knall, auf Platz drei gelangte Amelie Bier, Viertbester wurde Iven-Lennard Scharnowski.
Was ist „Jugend debattiert“?
„Jugend debattiert“ verbindet das Training im Unterricht mit einem bundesweiten Wettbewerb um das Finden und Performen der besten Argumente in einer Diskussion. Ob im schulinternen Wettbewerb oder auf Bundesebene – alle gewinnen. Denn die Teilnehmenden lernen auf besondere Weise, was Leistung, Fairness und Ausdauer bedeuten, wie wichtig und letztlich doch relativ Erfolge sind, und dass es vor allem um eines geht: dabei zu sein, dran zu bleiben und eigene Grenzen zu überschreiten.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist Schirmherr von „Jugend debattiert“. Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung und die Heinz-Nixdorf-Stiftung unterstützen den bundesweiten Wettbewerb. Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend fungiert zudem als Förderer. Als Medienpartner ist in Sachsen-Anhalt der Mitteldeutsche Rundfunk dabei.

