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Freitag, 23.10.2020

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Plenarsitzung

Reformationsjubiläum mit Leben füllen

Das Reformationsjubiläum im nächsten Jahr soll der Höhepunkt einer ganzen Reformationsdekade sein. Vor diesem Hintergrund hatte die Fraktion DIE LINKE eine Aktuelle Debatte initiiert, die Gelegenheit gab, die Position der Landesregierung und der im Landtag vertretenen Fraktionen darzustellen, wie das Reformationsjubiläum im Interesse aller Menschen in Sachsen-Anhalt gestaltet werden könnte.

Um ihn dreht sich alles im nächsten Jahr: Martin Luther. Hier eine Standbild des Reformators in Erfurt. Foto: Michael Löper/pixelio.de

Welche gesellschaftlichen Debatten werden geführt?

Es gehe um historische Dimensionen, die in dieser Aktuellen Debatte behandelt werden sollen, erklärte Wulf Gallert (DIE LINKE). Es gehe um weit mehr als um die Schaffung einer neuen christlichen Kirche; die Reformationszeit sei eine Zeit schwerer Krisen, aber auch eine Zeit neuer Aufbrüche in der Gesellschaft gewesen. Daher sei das Jubiläum auch nicht nur Teil einer innerkirchlichen Debatte, sondern auch der Gesellschaft.

Über die Reformationsdekade sei allerdings im Landtag nur im Finanzausschuss gesprochen worden – als es um die Vergabe von öffentlichen Mitteln in Millionenhöhe gegangen sei. Über die eigentlichen Inhalte und wie sie in die Gesellschaft getragen werden könnten, sei jedoch nicht diskutiert worden. „Welche gesellschaftlichen Debatten führen wir, damit die über 80 Prozent im Land, die konfessionell nicht gebunden sind, in die Belange des Jubiläums eingeschlossen werden können?“, fragte Gallert.

Der Linken-Politiker bemängelte, dass bisher im Zuge des Reformationsjubiläums sämtliche kritischen Debatten zu Luther ausgeblieben seien. So werde völlig ausgeblendet, dass Luther stark antisemitisch gewesen sei und sich gegen die soziale Befreiungsbewegung gestellt habe. Am Ende des Jubiläums müsse daher mehr stehen als eine Auflistung von Übernachtungszahlen und verkauften Erinnerungsstücken.

Entsprechenden Rahmen geschaffen

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) sprach stellvertretend für Kultusminister Rainer Robra, der für die Sitzung wegen anderer Termine entschuldigt war. Nach zehn Jahren Vorlauf sei das Reformationsjubiläum ganz nah herangerückt. Erhebliche öffentliche Ressourcen seien in die Vorbereitungen geflossen. Daher müsse sichergestellt werden, dass die Ergebnisse auch bei großen Teilen der Gesellschaft ankämen. Sachsen-Anhalt habe die Jahrhundertchance, für ein ganzes Jahr im internationalen Fokus zu stehen und viele Menschen ins Land zu locken.

Das Land sei allerdings nicht für die Inhalte eines kirchlichen Jubiläums verantwortlich, es könne nur für die Schaffung eines entsprechenden Rahmens verantwortlich zeichnen, so Tullner weiter. Es gebe jedoch nicht nur ein christliches Programm, sondern Angebote, die sich an alle Menschen richteten. Die begonnenen Anstrengungen sollen nun zum Ziel geführt werden, so Tullner abschließend.

Reformationsorte mit Leben füllen

Die Reformation sei für alle da, erklärte Katrin Budde (SPD). Es handele sich nicht nur um ein nationales Jubiläum, sondern um ein Ereignis von Weltrang, das seinen Anfang in einer heutigen Kleinstadt in Sachsen-Anhalt genommen habe. Und natürlich sei die Reformation ein wichtiges religiöses Ereignis. Und gleichsam ein gesellschaftliches, denn in die Reformationszeit sei die Übersetzung der Bibel ins Deutsche gefallen, und diese habe einen wichtigen Einfluss auf die Sprachentwicklung genommen.

Sachsen-Anhalt verfüge über zwei Ursprungsorte der Reformation (Wittenberg und Eisleben), auch hier sei im Zuge des Jubiläums „Geld in Stein“ gegeben worden. Budde rief dazu auf, diese Orte mit Leben zu erfüllen – mit vielen Gesprächsrunden und anderen öffentlichen Veranstaltungen, die weit über die Kirche hinausgingen und die Menschen aus aller Welt nach Sachsen-Anhalt riefen. Eines der Sinnbilder der Reformation solle fortgelebt werden: Das Neue aufnehmen und es in die Welt tragen, so Budde.

Luther ein „Streiter für das Abendland“

Matthias Lieschke (AfD) erinnerte an die Veröffentlichung von Luthers Thesen vor 500 Jahren und stellte den Reformator als „Streiter für das abendländische Christentum“ dar, der sich schon vor 500 Jahren gegen Multikulturalismus ausgesprochen habe – eine Position der AfD, so Lieschke. Demnach war Luther nicht nur Antisemit, sondern habe sich auch deutlich gegen den Islam gewandt.

Die Kommunen seien nicht so umfänglich mit Mitteln ausgestattet, als dass sie die Angebote des Reformationsjubiläums finanzieren oder nach den Feierlichkeiten aufrechterhalten könnten, kritisierte Lieschke. Der AfD-Politiker mahnte eine erhöhte Sicherheitsgefahr an, der mit mehr Einsatzkräften begegnet werden müsse.

Freiheit des Denkens und Wirkens

Reformation bedeute, die Welt zu hinterfragen – und das sei damals wie heute aktuell und könne zu Unsicherheiten führen, sagte Cornelia Lüddemann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN). Luthers Lehre bedeute, dass niemand zwischen Gott und den Menschen stehen und jeder seinen eigenen Erkenntnisweg gehen solle. Luther habe von der Verantwortung des Einzelnen für die Gesellschaft gesprochen. Die Freiheit des eigenen Denkens und Wirkens sei nach Luther immer in Beziehung zur Freiheit des anderen zu setzen.

Lüddemann lobte die für das kommende Jahr geplanten Angebote, bei denen im Rahmen der Ökumene gemeinsam Themen des Glaubens und der Gesellschaft angesprochen würden. Die Grünen-Politikerin wies auf drei nationale Sonderausstellungen hin, die miteinander in Verbindung stehen. Das Jubiläum sei eine große Chance für den Tourismus im Land. Die Investitionen in Gebäude und Inhalte seien nachhaltig getätigt worden.

Identifikationsstätten werden erhalten

Die Reformation sei eines der zentralen Ereignisse der deutschen Geschichte. Es habe die Entwicklung eines neuen Menschenbildes geschürt, in dem die Gewissensentscheidung des Einzelnen und die Menschenrechte zentrale Positionen einnähmen, erklärte Andreas Schumann (CDU). 800 Millionen Protestanten gebe es auf der Welt – das biete für Sachsen-Anhalt eine große Chance, sich zu präsentieren.

Ohne die Reformation wäre das Leben heute ein völlig anderes, sie habe Einfluss auf alle Bereiche des Lebens genommen, so Schumann. Die Reformation sei Ausgangspunkt gesellschaftlicher Veränderungen gewesen, die für alle Menschen, unabhängig ihrer Konfession oder Nicht-Konfession, von Bedeutung seien. Durch die Investitionen in den letzten Jahren würden echte Identifikationsstätten in Sachsen-Anhalt erhalten und saniert, so beispielsweise die Schlosskirche in Wittenberg.

Beschlüsse wurden am Ende der Aktuellen Debatte nicht gefasst.

Mehr zum Reformationsjubiläum auf luther2017.de.