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Dienstag, 19.11.2019

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16:30 Uhr Datum: 19.11.2019

Teilnahme der Landtagspräsidentin an der Verleihung des Demografiepreises 2019

Festsaal Palais am Fürstenwall, Hegelstraße 42, 39104 Magdeburg

Plenarsitzung

Ernährungsausschuss vor Ort unterwegs

Knapp fünf Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Sachsen-Anhalt werden derzeit ökologisch bewirtschaftet. Welche Probleme und Potenziale es für den ökologischen Landbau gibt, darüber informierte sich am Mittwoch, 5. Oktober 2016, der Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bei einem Arbeitsfrühstück mit Vertretern des Agrarpolitischen Arbeitskreises Ökologischer Landbau in Sachsen-Anhalt (APÖL) auf einem Biobauernhof in Altenweddingen (Landkreis Börde). Im Anschluss besuchten die Abgeordneten gemeinsam mit der Agrarmarketinggesellschaft Sachsen-Anhalt noch die Magdeburger Mühlenwerke und die neue Brauerei im Magdeburger Stadtteil Sudenburg.

Symbolbild: Bunte Gemüsemischung.
Knapp 400 Betriebe gibt es derzeit in Sachsen-Anhalt, die ökologische Landwirtschaft betreiben, Tendenz steigend. Foto: Hans Heindl/pixelio.de

Etwas mehr als 57 000 Hektar (4,9 Prozent der Gesamtfläche) werden derzeit in Sachsen-Anhalt ökologisch bewirtschaftet, konkret seien dies 387 Landwirtschaftsbetriebe (9,1 Prozent der Betriebe), bei einer Durchschnittsgröße von 147 Hektar (Stand: 31. Dezember 2015), erläuterte Dirk Werner, Sprecher des APÖL. Bereits die Durchschnittsgröße der Betriebe zeige, dass es bisher wenig Direktvermarktung gebe. Momentan gebe es 169 Unternehmen im Land, die ökologisch angebaute Produkte verarbeiteten. Aufgrund der kontinuierlichen Entwicklung in den vergangenen Jahren geht Werner davon aus, dass Ende 2016 über 60 000 Hektar ökologisch bewirtschaftet werden.

Fortschritte erkennbar, Herausforderungen bleiben

„Vor zehn Jahren musste ich den Kunden erklären, was Bio überhaupt ist, heute wollen sie wissen, welche Unterschiede es gibt“, sagte Klaus Feick, geschäftsführender Vorstand von Bioland Ost. Er könne durchaus Fortschritte erkennen, es gebe jedoch schwierige Rahmenbedingungen im Land. Eine große Herausforderung sieht er darin, dass es weite Entfernungen vom Produzenten im ländlichen Raum bis zum Verbraucher in den Ballungszentren gebe. Dazu käme ein großes Einkommensgefälle, sodass sich hochpreisige Produkte nur schwer vermarkten ließen. Außerdem solle man nicht verkennen, dass die Direktvermarktung äußerst anspruchsvoll sei.

Hygieneauflagen äußerst komplex

Die kleineren Strukturen, die nach der Wende verloren gegangen seien, würden der ökologischen Landwirtschaft jetzt fehlen, sagte Feick weiter. Viele Landwirte würde eine Produktion aufbauen, fänden dann aber keine Anknüpfungspunkte. Außerdem hätten kleine Handwerksbetriebe immer mehr Probleme, die Hygieneauflagen zu erfüllen, große Verarbeitungsbetriebe seien für kleine Biobauern nicht interessant. Seiner Ansicht nach wäre es ein guter Schritt, wenn es gelänge, einen Teil der Handwerksbetriebe für die Ökolandwirtschaft zu begeistern. Damit könnte den Landwirten und den Handwerkern geholfen werden.

Hans-Jürgen Schulz, Abteilungsleiter Landwirtschaft, Gentechnik, Berufliche Bildung und Veterinärmedizin im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie (MULE) regte an, die Europäische Hygienerichtlinie in eine Art Leitfaden zu übersetzen. Dies würde es für Betriebe vielleicht leichterer machen und „sie würden konkret etwas in die Hand bekommen“. Die Richtlinie sei derzeit so komplex, dass Betriebe allein aus diesem Grunde davor zurückschreckten, ökologisch angebaute Produkte weiterzuverarbeiten, dies könne nicht sein.

APÖL plant Potenzialstudie

Für das nächste Jahr habe sich der Arbeitskreis vorgenommen, eine Potenzialstudie zu erstellen, um die Möglichkeiten in der Region noch besser ausloten zu können, ergänzte APÖL-Sprecher Werner. Dabei solle geklärt werden, welche Handwerker (Bäcker, Fleischer usw.) regionale ökologische Produkte verarbeiten könnten, welche Strukturen bereits vorhanden seien und wo es Nachbesserungsbedarf gebe. Auch die Zusammenarbeit mit den großen Supermarktketten müsste in den Blick genommen werden, so Werner.

Klaus Feick fügte hinzu, dass die großen Einkaufsketten mittlerweile von Bioland und Naturland beliefert würden, dass aber jeder Biolandwirt eigentlich froh sei, „wenn er ohne die großen Ketten auskommt“. Grundsätzlich seien die Erfahrungen mit den großen Märkten sehr unterschiedlich. Nach Meinung von Feick müssten auch die Märkte umlernen und realisieren, was es bedeute, Ökoprodukte anzubieten. Die Verbände aus dem Arbeitskreis hätten aufgrund der hohen Qualität der Produkte einen guten Ruf in den Supermärkten.

Landesregierung hat Öko-Förderung erhöht

Im Koalitionsvertrag hätten sich CDU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN deutlich zum Ausbau des Ökolandbau bekannt, betonte Klaus Rehda, Staatssekretär im MULE. Erst im Sommer sei beschlossen worden, die Öko-Förderung deutlich anzuheben. Langfristig sei es Ziel der Landesregierung, dass 20 Prozent der Fläche mit Öko-Landbau bewirtschaftet würden. Es werde jedoch immer deutlicher, dass es dafür nicht nur eines Flächenausbaus bedürfe, sondern dass viele Faktoren den Erfolg beeinflussten, so Rehda.

Abschließend wiesen die Mitglieder des APÖL noch auf drei weitere Probleme hin, die ihnen besonders am Herzen liegen. Dirk Werner erklärte, er sehe den Ökolandbau in Natura-2000-Gebieten gefährdet, falls es wie geplant zu einem generellen Verbot von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln in diesen Gebieten kommen sollte. Kein neues, aber ein weiterhin schwelendes Problem sei die aktuelle Bodenmarktpolitik. Hier bestehe dringend Handlungsbedarf, betonte Klaus Feick. Daneben kritisierte sein Kollege Peter Warlich von Naturland e. V. die Bildungsangebote über die Ökolandwirtschaft (noch nicht vielfältig genug), konkret auch in der Ausbildung zum Landwirt.

Daldrup: Potenzial bei Absatz und Vermarktung

Während des Gesprächs sei deutlich geworden, dass gerade bei den Themen Absatz und Vermarktung zukünftig noch mehr getan werden müsse, sagte der Vorsitzende des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bernhard Daldrup. Es sei jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass Sachsen-Anhalt als Flächenland auch zukünftig immer mehr Ökoprodukte produzieren werde, als es im eigenen Land absetzen könne. Daldrup sagte weiter, sowohl die ökologische, als auch die konventionelle Landwirtschaft hätten ihre Berechtigung und müssten ihren Platz auf dem Markt finden. Dabei hätten sowohl die Erzeuger als auch das Land eine Verantwortung.

Im Rahmen der Haushaltsberatungen werde sich der Ausschuss in einer seiner nächsten Sitzungen erneut mit dem Thema beschäftigen. Daldrup sei gespannt, wie sich die Ziele zum Ausbau der ökologischen Landwirtschaft im Haushaltsplan niederspiegeln. Aufgabe des Ausschusses ist es dann, darüber zu beraten und letztendlich auch zu entscheiden.

Besuch in Mühlenwerk und Brauerei