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Plenarsitzung

Mehr Freiräume für Schulen ermöglichen

24. Feb. 2022

Die Fraktionen von CDU, SPD und FDP wollen den Schulen mehr Freiräume bei der Gestalung und Konzeption des Unterrichts geben und neue Modelle der Unterrichtsorganisation erproben. Grund ist der stetig wachsende Personalmangel an den Schulen. Dazu haben sie einen entsprechenden Antrag in den Landtag eingebracht. Mit den größeren Freiräumen sollen die vorhandenen Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen bestmöglich eingesetzt werden können. Die Landesregierung soll gebeten werden, begleitet durch das Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung neue Unterrichtsorganisationsmodelle an ausgewählten allgemeinbildenden Schulen zu erproben.

Schultafel mit Aufschrift "Lehrer gesucht!"

Sachsen-Anhalt sucht weiterhin dringend Lehrernachwuchs.

„80+10-Minuten-Unterrichtsmodell“

Carsten Borchert (CDU) erklärte, der Antrag stamme nicht aus der Politik oder dem Landeschulamt, sondern von den Lehrern vor Ort. Sie seien es nämlich, die unter schwierigsten Bedingungen versuchten, den Unterricht aufrechtzuerhalten. Fakt sei, dass „wir uns keine Lehrer backen können“, es ginge nun darum, flexible Lösungen für jede einzelne Schule zu finden. Wenn man neue Wege gehen wolle, sei es wichtig, den Lehrern vor Ort ausreichend Vertrauen zu schenken. Eine Idee könnte beispielsweise ein „80+10-Minuten-Unterrichtsmodell“ sein, so Borchert.

Bildungsministerin Eva Feußner (CDU) erklärte, das Ministerium unternehme schon große Anstrengungen, um die Unterrichtsversorgung zu verbessern. Bereits jetzt würden verschiedene Modelle erprobt. Zwei davon seien in der jüngsten Anhörung des Bildungsausschusses (Link) thematisiert und diskutiert worden. Alle neuen Konzepte müssten von einem pädagogisch-didaktischen Konzept begleitet werden und „auf keinen Fall soll die Unterrichtsqualität leiden“. Grundsätzlich unterstütze sie das Ansinnen des Antrags. Entscheidend sei immer die Akzeptanz für die jeweiligen Modelle vor Ort.

Unterschiedliche Interpretation des Antrags

Das Problem der fehlenden Lehrer sei nicht plötzlich über das Land hereingebrochen, stattdessen hätte die Landesregierung seit Jahren bei diesem Thema versagt, kritisierte Gordon Köhler (AfD). Einen AfD-Antrag, pensionierte Lehrer bei der Unterrichtsversorgung einzubeziehen, wurde bislang abgelehnt. Egal welche neuen Organisationsmodelle eingesetzt würden, das grundsätzliche Problem des Lehrermangels würde so nicht gelöst werden, meinte Köhler. Der AfD-Abgeordnete erinnerte daran, dass es im Ausschuss seitens einiger Verbände auch Kritik gegeben habe.

Dr. Katja Pähle (SPD) freut sich, dass der Antrag positive Gestaltungsmöglichkeiten biete und „von unten“ komme. Der Vorschlag sei modelloffen und „stärkt die Eigenverantwortung vor Ort“. Es ginge nicht um das Stopfen von Lücken, sondern darum, neue Freiräume zu schaffen, die in den letzten Jahren verlorengegangen seien. Sie stellte klar: „Die neuen Organisationsmodelle sind kein Patentrezept zur Mobilisierung letzter Ressourcen.“

Mehrarbeit für Lehrer oder Chance für Veränderung?

Wenn es den Antragstellern nur um pädagogische Experimente ginge, wäre dafür keine Entscheidung im Landtag nötig, kritisierte Thomas Lippmann (DIE LINKE). Am Ende ginge es eben doch darum, dass die Lehrer mehr arbeiten sollten, um die Lücken zu stopfen. In den Arbeitsverträgen gebe es keine Experimentierklausel für die Länge einer Unterrichtsstunde. Der Antrag ignoriere elementare Rechte des Vertrags- und Tarifrechts. Lippmann sagte: „Hören Sie auf, die verbliebenen Lehrer immer weiter auszuquetschen!“ Zudem verstoße man mit 40-Minuten-Stunden gegen Vereinbarungen der Kultusministerkonferenz.

Jörg Bernstein (FDP) unterstrich: „Es gibt für das Problem keine kurzfristige Lösung.“ Daher bedürfe es aus seiner Sicht unkonventioneller und kreativer Lösungen. Schul- und arbeitsrechtliche Fragen müssten natürlich geprüft werden, er gehe jedoch nicht davon aus, dass man mit dem Antrag und dessen Ansinnen gegen Arbeitsrecht verstoße. Es handle sich eben nicht, wie von den Linken behauptet, um eine „Arbeitszeiterhöhung durch die Hintertür“. Das klassische 45-Minuten-Modell sei in der Praxis schon an einigen Orten ein Auslaufmodell.

Susan Sziborra-Seidlitz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) ist überzeugt, dass der Antrag nicht geeignet sei, um wirklich neue und moderne Wege im Bildungssystem zu gehen. Die Anhörung habe gezeigt, dass es noch viele offene Fragen gebe. Der Antrag wolle vor allem Symptome bekämpfen. Um das Problem langfristig zu bekämpfen, brauche es vor allem bessere Arbeitsbedingungen für die Lehrerinnen und Lehrer. „Wir Grünen sind bereit, neue Wege zu gehen“, diesem Antrag könne man jedoch so nicht zustimmen. Sie schlug vor, zunächst in den Ausschüssen weiter darüber zu beraten.

Am Ende der Debatte wurde der Antrag mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen von CDU, SPD und FDP beschlossen.