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Plenarsitzung

VER|FOLGT – Leben in Wort und Bild

Die Gräueltaten der NS-Diktatur in Deutschland, der nationalsozialistische Terror, aber auch der Widerstand dagegen sind in vielfältiger Weise durch Wissenschaft und Forschung be­arbeitet und dokumentiert worden. Darunter befinden sich auch Arbeiten zur Verfolgung von Parlamentariern. Wer sich aber mit der Geschichte des Parlamentarismus in der Region des heutigen Sachsen-Anhalt befassen will, findet hier nur wenige Informationen in ver­streuten Quellen.

Da die Würdigung und das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus seit vielen Jahren fester Bestandteil der Erinnerungs- und Gedenkarbeit des Landtags von Sachsen-Anhalt sind, entstand die Idee, auch die ehemaligen Abgeordneten aus dem Gebiet des heutigen Landes Sachsen-Anhalt zu würdigen, die Opfer nationalsozialistischer Verfolgungsmaßnah­men geworden sind. Eine genauere Prüfung dieses Vorhabens ergab jedoch, dass es bislang keine wissenschaftlich fundierte Arbeit gibt, die möglichst umfassende Informationen über das Schicksal aller während der nationalsozialistischen Diktatur verfolgten Parlamentarier aus Sachsen-Anhalt und über ihre Lebenswege zu geben vermag.

Eingerahmt von historischem Treppenhaus und moderner Kunst empfängt die Gedenktafel fortan die Besucher/innen des Landtags. Foto: Stefan Müller

Als Beitrag zur Erinnerungskultur und zur Identitätsstiftung des Landes Sachsen-Anhalt und seiner demokratischen Traditionen will der Landtag die Schicksale der frei gewählten Volksvertreter*innen sichtbar machen, ihrem Leben und Leiden ein Gesicht geben. Deshalb entschloss sich der Landtag, durch Recherchen in Archiven des Bundes und der Länder sowie in bestehenden Dokumentationen, unter anderem des Reichstags und des Preußischen Landtags, sowie der Auswertung ergänzender biographischer Quellen eine möglichst vollständige und wissenschaftlich fundierte Gesamtübersicht der Mitglieder der Vorgängerparlamente erarbeiten zu lassen.

Wissenschaftliche Dokumentation VER|FOLGT

Mit dem ausgewiesenen Landeshistoriker Prof. Dr. Mathias Tullner wurde ein Forschungsvorhaben entwickelt, in welchem Studierende im Rahmen eines Seminars an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg die notwendigen Vorarbeiten in Archiven und Bibliotheken durchführten. Im Ergebnis entstand die wissenschaftliche Dokumentation VER|FOLGT, die auf 148 Seiten Auskunft über das Wirken und die Verfolgung von 11 Frauen und 78 Männern gibt.

Die wissenschaftliche Dokumentation VER|FOLGT informiert über Abgeordnete aus der Region des heutigen Sachsen-Anhalt, die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur von 1933 bis 1945 in Deutschland wurden. Foto: Titelbild der Broschüre

Die Verfolgtenbiographien bilden eine wesentliche Grundlage für die weitere Gedenkarbeit des Landtags. So wird seit Januar 2020 in einem Gedenkort im Foyer des Landtagsgebäudes 87 von den insgesamt 89 in der Dokumentation aufgenommenen Parlamentariern aus der Region des heutigen Sachsen-Anhalt gedacht, die während der nationalsozialistischen Diktatur von 1933 bis 1945 verfolgt wurden. Die dreigeteilte Gedenktafel besteht im unteren Teil aus drei gebrochenen Hölzern als Symbole für die „gebrochenen Leben“ durch Verfolgung, Demütigung und Tod. Mit der Verwendung unterschiedlicher Holzarten wird die Unterschiedlichkeit der Lebenswege und der individuellen Schicksale verdeutlicht.