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Plenarsitzung

Transkript

Wolfgang Aldag (GRÜNE):

Vielen Dank, Herr Präsident. - Sehr geehrte Abgeordnete! Die Pandemie stellt uns gerade im Bildungsbereich vor besondere Herausforderungen und Aufgaben. Dass die Kinder und Jugendlichen in Sachsen-Anhalt diese Zeit gut überstehen, sollte in unseren politischen Entscheidungen oberste Priorität haben. Kein Kind darf in dieser Krise abgehängt werden. Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit müssen gerade jetzt mehr denn je gewährleistet werden.

Zum zweiten Mal waren die Schulen für lange Zeit geschlossen. Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte haben lange auf die Öffnungen warten müssen. Natürlich freuen sich alle, wenn nun ein kleiner Teil der alten Normalität wieder zurückkehren kann. Doch wenn die Schulen geöffnet werden sollen und Unterricht in Pandemiezeiten ermöglicht werden soll, dann muss jede Option, jedes Instrument genutzt werden, um Schule für alle pandemiefest zu machen, und das, meine Damen und Herren, bevor die Schulen öffnen.

Meine Fraktion wiederholt deshalb seit Wochen gebetsmühlenartig die Notwendigkeit von regelmäßigen Schnelltests für alle am Schulleben Beteiligten. Antigenselbsttests, die zweimal wöchentlich angewendet werden, sind meiner Meinung nach und auch nach Auffassung der Wissenschaft ein elementarer Baustein, um den Schulbesuch für jeden und jede sicherer zu machen. Da wäre schon längst Handeln angesagt gewesen.

Viele andere Bundesländer haben sich bereits auf den Weg gemacht und bereiten seit Wochen den Einsatz von Antigenselbsttests in Schulen vor. Warum das hier in Sachsen-Anhalt nicht geschieht, ist mir schleierhaft. In der Pandemie ist für Abwarten und Bürokratie kein Platz. In der Pandemie ist Handeln angesagt, und zwar schnelles Handeln.

(Beifall)

Meine Damen und Herren! Weil wir zusätzlich zur Pandemie sowieso schon vor der ganz besonderen Herausforderung stehen, die so notwendige Bildungsgerechtigkeit im Land sicherzustellen, um eben kein Kind aus den Augen zu verlieren, sehe ich den Wechselunterricht als die beste Unterrichtsform in der Krise. Im Wechselunterricht ist es möglich, alle Kinder - losgelöst von technischen Abhängigkeiten - regelmäßig zu erreichen und sie dennoch keinen unnötigen Gesundheitsrisiken auszusetzen. Je nach Inzidenz vor Ort kann der Modus des Wechselunterrichts dann angepasst werden.

Was heißt das, einen sicheren und reibungslosen Wechselunterricht sicherzustellen? - Wir brauchen gut ausgebildete Lehrkräfte besonders darin, Lehr- und Lernplattformen sowie die Kommunikationsplattform zu beherrschen. Wir brauchen geeignete, flexible Organisationsstrukturen. Wir brauchen umfassende Digitalität an den Schulen und vor allem in den Haushalten. Diese Punkte müssen handlungsleitend sein, um unser Bildungssystem heute und in Zukunft krisenfest zu gestalten.

Mich ärgert maßlos, dass wir seit fast fünf Jahren über einige der angesprochenen Dinge hier im Plenum und in den Ausschüssen diskutiert haben und es in vielen Bereichen nur schleppend vorangeht. Jetzt, in der Krise, werden die Versäumnisse der letzten Jahre mehr als deutlich. Es ist klar, dass es jetzt schwerfällt, schnell umzusteuern.

Aber aus den Versäumnissen kann man lernen, ja, man muss lernen. Daher bitte ich den Bildungsminister eindringlich, stets und noch mehr den Austausch mit den Koalitionspartnern zu suchen und verstärkt deren Ideen auch einmal aufzugreifen und umzusetzen.

Ebenso wichtig erscheint mir, den regelmäßigen Austausch mit Schüler-, Lehrer- und Elternverbänden zu suchen. Von diesem Expertenwissen können wir nur profitieren. Solche Gespräche im Vorfeld von Entscheidungen zu führen ist immens wichtig, gerade um auch sicherzustellen, dass bestimmte Entscheidungen und Maßgaben gezielt wirken.

Schauen wir aber nach vorne. Die nächste Herausforderung besteht nun darin, die Lernstandsdefizite der Schülerinnen und Schüler zu ermitteln und Strukturen zu organisieren, um diese wieder abbauen zu können. Auch hier plädiere ich dafür, vor weiteren Entscheidungen erst einmal die betroffenen Gruppen zu hören und sie nach deren Einschätzung zu fragen. Diese Unterstützung muss bereits jetzt vorbereitet und angeschoben werden.

Meine Fraktion führt regelmäßig viele Gespräche. Das werden wir auch weiterhin tun. Ich empfehle dies auch dem Bildungsministerium. Nicht nur an den Schulen selbst, sondern auch bei den Schülerinnen und Schülern herrscht im Moment eine große Unsicherheit. Unsere Aufgabe ist es, durch unser Handeln ein größtmögliches Maß an Sicherheit und Verlässlichkeit zu gewährleisten. Da, meine Damen und Herren, ist noch eine Menge Luft nach oben.

Lassen Sie mich zum Schluss noch erwähnen - ich habe noch 30 Sekunden Zeit -: Ich bin den Koalitionspartnern außerordentlich dankbar - der Minister hat es erwähnt -, dass wir unseren Änderungsantrag in dieser Woche noch zustande gebracht haben. Das war anfangs nicht ganz absehbar. Daher herzlichen Dank an die Koalitionspartner, insbesondere an den Kollegen Borchert und an die Kollegin Feußner, die auf mein Ansinnen hin den Antrag durchgegangen ist und entsprechend Änderungen vorgenommen hat, damit wir heute diesen Änderungsantrag vorlegen können. - Vielen Dank.

(Beifall)

Vizepräsident Wulf Gallert:

Danke, Herr Aldag. Ich gehe einmal davon aus, dass Sie mit Änderungsantrag den Alternativantrag meinen.

(Zuruf von Wolfgang Aldag, GRÜNE)

Ich finde es bemerkenswert, dass Sie die Alternativanträge der Koalition mit der Kollegin Frau Feußner abstimmen.