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Plenarsitzung

Transkript

Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen (SPD):

Vielen Dank, Herr Präsident. - Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Es waren sehr unterschiedliche Einbringungsreden. Die AfD-Fraktion bestreitet, dass Schulschließungen tatsächlich notwendig gewesen sind, und DIE LINKE setzt auf Impfen, wohlwissend, dass der Impfstoff, den wir uns alle wünschen, noch nicht da ist und dass in einigen Landkreisen, in denen Impfstoff verfügbar ist, die Möglichkeit bereits genutzt wird, um Lehrkräfte zu impfen. Wir sind also schon auf einem guten Weg. Ich bin ganz optimistisch, dass nach der Änderung der Impfverordnung die Lehrerinnen und Lehrer sowie die anderen pädagogischen Kräfte auch eine andere Impfpriorität haben.

Grundsätzlich bin ich erst einmal froh, dass nach monatelangem Distanzlernen nunmehr seit zwei Wochen die Schulen wieder in den Wechselbetrieb gehen. Ich glaube, von Normalität kann noch immer nicht die Rede sein. Ja, wir haben noch immer jeden Tag - das gilt nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, sondern auch für die Lehrkräfte - einen Balanceakt zu leisten zwischen Hygieneregeln, Kontaktregeln und dem Aufholen von Lernrückständen.

Es macht uns Sorge zu sehen, dass das Distanzlernen die Unterschiede im Hinblick auf die Lernbedingungen vergrößert hat. Es gab viele Schüler, die kein Endgerät hatten. Bei einigen hat es an der Internetverbindung gehapert. Auch die Angebote im Distanzlernen waren sehr unterschiedlich. Das heißt, bei einigen gab es nur Aufgaben zum Selbstlernen, in anderen Fällen gab aber auch echte Unterrichtsangebote in digitaler Form.

Wir müssen jetzt herausfinden, welche Lernrückstände es konkret, individuell, bezogen auf einzelne Schüler gibt. Dann müssen wir auch individuelle Lösungen finden, um Angebote zu machen. Das darf auch nicht als Strafe für die Betreffenden vermittelt werden. Wir dürfen ihnen nicht das Gefühl vermitteln, dass sie selbst daran schuld seien, dass sie jetzt Lernrückstände haben. Insoweit brauchen wir zum Teil neue niedrigschwellige Angebote. Ich bin aber ganz optimistisch, dass uns das gelingt. Wir haben mit dem Alternativantrag der Koalitionsfraktionen konkrete Vorschläge gemacht.

Lassen Sie mich noch zwei Punkte ausdrücklich ansprechen, mit denen wir in Sachsen-Anhalt gute Erfahrungen gemacht haben. Es gibt bestehende Netzwerke, die auch in solchen schwierigen Situationen greifen.

Wir haben die Netzwerkstellen „Schulerfolg sichern“, die auch eine Vernetzung der Schulsoziarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter bewirken. Ich weiß, dass die Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter auch in der Phase, in der die Schulen geschlossen waren, den Kontakt insbesondere zu denjenigen gehalten haben, die Hilfe und Unterstützung brauchen. Sie haben das notwendige Know-how, und sie haben auch ein Netzwerk mit weiteren Unterstützungseinrichtungen. Das muss in jedem Fall genutzt werden. Wenn es dafür noch zusätzliche Mittel geben sollte, wäre ich sehr dankbar und komme gern auf das Angebot des Bildungsministers zurück.

Ein weiteres Thema betrifft die außerschulischen Lernangebote. Wir haben ein konkretes Angebot des Bundesverbandes der Nachhilfe- und Nachmittagsschulen, der eine Kooperation anbietet. In Sachsen-Anhalt scheitert ein erweitertes Nachhilfeangebot für diejenigen, die es tatsächlich brauchen, an den Beschränkungen im Hinblick auf die wöchentliche Stundenzahl nach dem Bildungs- und Teilhabepaket.

Hierbei, meine sehr geehrten Damen und Herren, haben wir es in der Hand, durch entsprechende Handreichungen selbst zu sagen, dass es diese Beschränkungen nicht gibt und dass die Schüler, die es besonders brauchen, auch die Hilfe und Unterstützung bekommen. Auch hierbei gilt, dass diese Nachhilfeeinrichtungen den Kontakt schon heute haben und genau wissen, welche Schülerinnen und Schüler eine besondere Unterstützung brauchen.

Ich werbe an dieser Stelle um Unterstützung für den Alternativantrag der Koalitionsfraktionen. - Vielen Dank.

(Zustimmung)


Vizepräsident Wulf Gallert:

Frau Funke hat eine Nachfrage. - Bitte, Sie haben das Wort.


Lydia Funke (AfD):

Vielen Dank. - Frau Prof. Kolb-Janssen, Sie sprachen gerade von niedrigschwelligen Angeboten für die Schüler. Ich bin eigentlich eher der Auffassung, dass die Schüler nach Monaten der Schulaskese wieder einmal gefordert werden müssten. Was meinen Sie denn konkret mit niedrigschwelligen Angeboten?


Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen (SPD):

Mir geht es insbesondere darum, dass die Angebote, die das Bildungsministerium für die Ferien machen will, so gestaltet werden, dass sie nicht als Nachhilfe-Pauken angesehen werden, sondern dass man über Projekte Angebote macht, die auch Spaß machen und wieder Freude am Lernen vermitteln.

Was den Druck betrifft, sehen wir das zum Teil etwas anders. Auch das Homeschooling war für viele Schülerinnen und Schüler mit Druck verbunden. Druck ist aus meiner Sicht keine geeignete Motivation, um tatsächlich Lernerfolge zu erzielen.