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Plenarsitzung

Transkript

Tagesordnungspunkt 30

Beratung

Mehr Schwimmunterricht in Kita und Grundschule anbieten - frühkindliche Bildung ernst nehmen!

Antrag Fraktion AfD - Drs. 7/6541

Alternativantrag Fraktionen CDU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Drs. 7/6577



Einbringer wird der Abg. Herr Schmidt sein. - Sie haben das Wort.


Jan Wenzel Schmidt (AfD):

Vielen Dank. - Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Heute Morgen während der Debatte zur Abschaffung der Straßenausbaubeiträge sind die Emotionen doch etwas hochgekocht. Bei diesem Thema wird es etwas harmonischer werden. Jeder hier im Hohen Haus wird daran interessiert sein, den Anteil der Nichtschwimmer in Sachsen-Anhalt zu reduzieren. Laut Auskunft des Deutschen Schulportals sind 60 % aller Schüler am Ende der 4. Klasse noch Nichtschwimmer.

Woran das liegt? - Lassen Sie mich das in einem kurzen Abriss meiner eigenen Kindheitserinnerungen darstellen. Bereits mit drei Jahren wurde ich zum Kinderschwimmen angemeldet. Damals kamen einem die Welt und vor allem das 50 m mal 20 m große Schwimmbecken riesig vor. Der erste Sprung ins Wasser bedurfte noch eines Korsetts und eines beherzten Schubsers durch den Schwimmlehrer. Schnell schwand von Schwimmstunde zu Schwimmstunde die Angst vor dem Untergehen und die ersten wahrnehmbaren Züge des Brustschwimmens wurden erkennbar.

Als es einige Jahre später soweit war und das Schulschwimmen begann, war die einzige Furcht beim Sprung vom Startblock die Furcht vor der niedrigen Wassertemperatur. Einmal in der Woche ging es zum Schulschwimmen. Die meisten Mitschüler konnten bereits schwimmen und trotzdem war es immer wieder ein schönes Erlebnis. Probleme hatten nur jene, denen es nicht ermöglicht worden war, bereits zuvor das Schwimmen zu erlernen. Eine Stunde in der Woche mag für Kinder in der Wahrnehmung eine lange Zeit sein. Doch es ist viel zu wenig, um etwas für das Leben so Wichtiges zu erlernen. So erging es auch jenen Mitschülern. Am Ende des Jahres konnten sie sich im Wasser bewegen und gingen nicht wie ein Stein unter. Mit echtem Schwimmen hatte das jedoch wenig zu tun.

Überhaupt kursiert der Irrtum, dass das sogenannte Seepferdchen eine Bestätigung für die Fähigkeit sei, sicher schwimmen zu können. Das ist nicht so. Frühschwimmer, also jene, die das Seepferdchen erlangen, müssen laut der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft in der Lage sein, nach einem Sprung vom Beckenrand 25 m in einer Schwimmart in Bauch- oder Rückenlage als Grobform zu bewältigen. Weiter gehört dazu das Heraufholen eines Gegenstandes mit den Händen aus schultertiefem Wasser. Schultertief bezieht sich dabei natürlich auf den Prüfling. Außerdem sind Kenntnisse der Baderegeln erforderlich.

Erst das deutsche Schwimmabzeichen Bronze attestiert tatsächlich die Fähigkeit, sicher schwimmen zu können. Hierfür sind die Anforderungen aber deutlich umfangreicher. Dazu gehört einmal ca. 2 m Tieftauchen von der Wasseroberfläche mit Heraufholen eines Gegenstandes, zum Beispiel eines kleinen Tauchringes. Außerdem sind ein Paketsprung vom Startblock oder vom Einmeterbrett erforderlich sowie ein Sprung kopfwärts vom Beckenrand mit anschließendem 15-minütigen Schwimmen. In dieser Zeit sind mindestens 200 m zurückzulegen, davon 150 m in Bauch- oder Rückenlage in einer erkennbaren Schwimmart und 50 m in der anderen Körperlage, wobei das Wechseln der Körperposition im Wasser ohne Festhalten und ohne Bodenkontakt stattfinden muss.

Meine Damen und Herren Abgeordnete, Sie haben den großen Unterschied gehört. Bereits das Seepferdchen ist innerhalb von einem Grundschuljahr schwer zu erreichen. Bronze ist hingegen in den wenigen Schwimmstunden ohne Vorkenntnisse fast unmöglich zu erreichen.

Vertreter des Landeschwimmverbandes Sachsen-Anhalt fordern zu Recht eine Erhöhung auf 100 Unterrichtsstunden im Schwimmen. Damit unsere Kinder mit dem Seepferdchen wenigstens Grundfähigkeiten erlagen, um sich über Wasser halten zu können, ist eine Anpassung der Zahl der Unterrichtsstunden unabdingbar.

Das MDR-Format „Exakt - Die Story“ titelte in einem Beitrag vom Juli 2020 in Bezug auf die hohe Zahl an Nichtschwimmern in Sachsen-Anhalt „Land der Nichtschwimmer - Unterschätztes Risiko“. 504 Badetote in Deutschland im Jahr 2018 lautet die Antwort auf die Frage, wie gefährlich mangelnde Schwimmfähigkeiten sein können.

In unserem ländlich geprägten Sachsen-Anhalt ist die Zunahme der Zahl an Nichtschwimmern ein Teufelskreis. Denn wer nicht schwimmen kann, geht auch in keine Badeanstalt. Nur noch 175 Bäder befinden sich in unserem Bundesland. Das sind weniger als in Thüringen oder in Sachsen. Dadurch werden nicht nur die Wege für unsere Grundschüler zum Schwimmunterricht länger, sondern es sinkt auch die Bereitschaft der Eltern, ihre Kinder außerhalb der Schule zum Schwimmunterricht anzumelden. Mehr Schwimmunterricht bedeutet auch mehr Schwimmer und somit mehr mögliche Kundschaft, um unsere Bäderkultur zu erhalten.

Damit wir in Sachsen-Anhalt in eine Zukunft blicken können, in der uns nicht so oft tragische Badeunfälle begleiten, müssen wir bereits vor dem Eintritt in die Grundschule ansetzen. Deshalb fordern wir die Landesregierung auf, erstens dafür Sorge zu tragen, dass Schwimmunterricht im Umfang von einer Stunde pro Woche nicht nur wie bislang während eines, sondern während mindestens drei Grundschuljahren stattfindet.

Zweitens soll die Landesregierung dafür Sorge tragen, dass im Sinne echter frühkindlicher Bildung jedem Kita-Kind ab einem Alter von vier Jahren die Möglichkeit geboten wird, kostenfrei einen Schwimmkurs zu besuchen. Das Kennenlernen des Elementes Wasser und der Erwerb des Seepferdchens sollen dabei angedacht sein.

Drittens soll die Landesregierung mit bedarfsgerechten Zuschüssen für zusätzliche Personalkosten und Kursgebühren dafür Sorge tragen, dass aufgrund der unter den Punkten 1 und 2 genannten Maßnahmen weder den Eltern noch den Schul- und Kita-Trägern finanzielle Mehrbelastungen entstehen.

Seien Sie dabei und unterstützen Sie uns bei unserem Ansinnen, den Kindern unseres Bundeslandes das Schwimmen beizubringen und sie künftig sicher in das nasse Blau springen zu lassen. - Vielen Dank.

(Beifall)