Cookies helfen uns bei der Weiterentwicklung und Bereitstellung der Webseite. Durch die Bestätigung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden.

Plenarsitzung

Transkript

Petra Grimm-Benne (Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration):

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren Abgeordneten! Um es gleich vorwegzunehmen: Die Landesregierung sieht derzeit keine Veranlassung und erst recht keine Notwendigkeit, das Bildungsprogramm zu überarbeiten und Rahmenrichtlinien zur Entwicklung von Lehrplänen für nicht schulpflichtige Kinder zu entwickeln. Das Bildungsprogramm für Kindertageseinrichtungen in Sachsen-Anhalt ist von Praktikern wie Fachwissenschaftlern gleichermaßen anerkannt und folgt den Gütekriterien frühkindlicher Bildung.

Es hat den Anschein, als läge dem Antrag der AfD-Fraktion ein anderes Bildungsprogramm zugrunde; denn anders kann ich mir die Fehlinterpretation nicht erklären.

Gerade über Bildungsprozesse im Kleinkindalter gibt es in den letzten Jahren vielfältige neue wissenschaftliche Erkenntnisse in den Bereichen der Bildungswissenschaften, der Pädagogik, der Psychologie, aber auch der Neurowissenschaften, und das zumeist in ungewohntem Gleichklang. Belegen lässt sich im Übrigen auch, dass sich das sachsen-anhaltische Bildungsprogramm geradezu vorbildlich an eben jenen wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert.

Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Im September 2004 - wir hatten eine schwarz-gelbe Landesregierung - wurde das Bildungsprogramm für Kindertageseinrichtungen in Sachsen-Anhalt „Bildung: elementar, Bildung von Anfang an“ von der damaligen Landesregierung beschlossen. Das Programm initiierte nach seiner Veröffentlichung einen gemeinsamen Prozess im Land, eröffnete pädagogische Diskurse und Dialoge, stieß vielfältige Entwicklungen im Bereich der Qualifizierung bei den pädagogischen Fachkräften an und veränderte die Qualität in der Praxis der Einrichtungen tiefgreifend.

Im Rahmen einer Bildungsvereinbarung zwischen dem Land auf der einen Seite und dem Landkreistag, dem Städte- und Gemeindebund, den Kirchen sowie der Liga der Freien Wohlfahrtspflege auf der anderen Seite wurde das Bildungsprogramm zum damaligen Zeitpunkt freiwillig zur gemeinsamen Basis für die Arbeit in den Kindertageseinrichtungen erklärt. In der eben erwähnten Bildungsvereinbarung wurde weiterhin festgelegt, dass eine Evaluierung der Umsetzung des Bildungsprogrammes erforderlich ist. Die Ergebnisse der Evaluierung sollten der Weiterentwicklung des Bildungsprogrammes dienen. Das ist in dem Gesetzgebungsverfahren 2012 passiert, als wir sowohl das Bildungsprogramm überarbeitet und es dann verpflichtend in das Kinderförderungsgesetz hineingenommen haben.

Da Sie so gut zitiert haben - ich kenne es von den Juristen, dass man immer die Passagen wegnimmt, die nicht zur eigenen Argumentation passen -, möchte ich Ihnen andere Seiten des Bildungsprogrammes vorlesen. Ziel des Bildungsauftrages ist es, Kinder zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu erziehen - Seite 34 des Bildungsprogramms. Die Bereitschaft des Erziehenden, seine Autorität jederzeit zurückzunehmen, ist eine Voraussetzung für das Gelingen einer pädagogischen Beziehung, in der das Ziel die Selbsttätigkeit und Mündigkeit des Kindes ist. Erzieherisches Handeln kann sein Ziel nur durch das Mittun des Kindes erreichen. Hierzu setzt der Erziehende Vertrauen in das Kind, dass es selbsttätig und autonom handeln will und sich selbst entsprechend bilden wird. In einer solchen Beziehung sind Autonomie und Mündigkeit des Kindes demnach nicht nur das Ziel, sondern auch der Weg von Erziehung. - Seite 34 des Bildungsprogramms.

Zu dem von Ihnen in Ihrem Antrag erwähnten DDR-System der Kindererziehung hat der Abg. Herr Kohl schon ausgeführt. Aber was ich besonders schlimm finde, ist, dass Sie ein Bildungsverständnis haben, Führung durch eine Autorität, ein Führungsstil, der ein Machtgefälle zum Ausgangspunkt des Lernens macht

(Beifall bei der SPD, bei der LINKEN und bei den GRÜNEN)

und den wissenschaftlichen Diskurs um Jahrzehnte zurückzudrehen versucht. Das werden wir auf jeden Fall ablehnen. Ich denke, ich habe zu dem Punkt alles gesagt. - Herzlichen Dank.

(Beifall bei der LINKEN)