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Plenarsitzung

Transkript

Tagesordnungspunkt 20

Beratung

Wahre Bildung statt Bildungssimulation - Landesprogramm „Bildung: elementar“ überarbeiten

Antrag Fraktion AfD - Drs. 7/2700



Einbringer ist Herr Abg. Dr. Tillschneider. - Herr Dr. Tillschneider, Sie haben das Wort.


Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! „Bildung: elementar“, so nennt sich das regierungsoffizielle Programm für Kindertageseinrichtungen in Sachsen-Anhalt. Die Bedeutung dieses Programms liegt nun aber nicht darin, dass es taugliche Grundsätze elementarer Bildung erläutern würde, sondern sie liegt im Gegenteil eher darin, dass es eine Art unfreiwilliger Selbstdiagnose liefert.

„Bildung: elementar“ macht auf unterster Stufe Konstruktionsfehler unseres Bildungssystems deutlich. Es zeigt auf, welche falschen Prämissen unserer Bildungspolitik mittlerweile zugrunde liegen, und eignet sich damit als Ansatzpunkt, wenn wir umsteuern wollen.

Die meisten Mitglieder dieses Hauses haben unser Bildungssystem zwar schon aufgegeben - ich weiß -, wir von der AfD-Fraktion aber nicht. Wir finden uns mit der Misere nicht ab. Wir wollen umsteuern.

Das Programm „Bildung: elementar“ spricht hochtrabend von Bildung, verweigert aber eine stichhaltige Definition dessen, was Bildung sein soll. Statt einer Definition bietet das Programm ein entsetzlich diffuses und redundantes Geschwafel. Es heißt da etwa - ich zitiere auszugsweise -:

„Kinder bilden sich von Geburt an. Sie riechen und schmecken, sie tasten und fühlen, sie hören und sehen. Kinder finden ihre Bildungsthemen in nahezu jeder alltäglichen Situation: beim Spielen und beim Träumen, beim Essen und beim Waschen, beim Anziehen und beim Rausgehen, beim Schlafen und beim Aufstehen, beim Kommen und beim Gehen.“

- „Heilige Einfalt“, will man ausrufen. Diese Definition von Bildung hat nun wahrlich jedem kulturellen Anspruch abgeschworen und erklärt das einfache Dahinleben des Kindes kurzerhand zur Bildung.

(Beifall bei der AfD)

Das wiederum steht in einem gewissen Widerspruch zu der in diesem Programm ansonsten erhobenen Forderung nach Professionalisierung. Die Autoren hantieren mit einem völlig entgrenzten, nichtssagenden, beliebigen Bildungsbegriff, wahrscheinlich deshalb, um dann nur umso leichter alles, was in der Kita getrieben wird, als „Bildung“ erklären zu können. Gleichzeitig aber tun sie so, als sei frühkindliche Bildung etwas, was hochprofessionelle Vorbereitung erfordert, etwas, was überhaupt nur gelingt, wenn multiprofessionelle Teams um das Kind herumtanzen und alle Erzieherinnen ständig irgendwelche Fortbildungen besuchen.

Dagegen spricht nun aber, dass etwa die Hälfte der unter Dreijährigen in Sachsen-Anhalt auch heute noch zu Hause betreut und erzogen wird. Ich bin überzeugt davon, dass diese Kinder im Schnitt genauso gut aufwachsen wie die Kinder in der Kita. Deshalb will ich bei dieser Gelegenheit im Namen der AfD-Fraktion einmal allen Eltern, die ihre Kinder verantwortungsvoll zu Hause erziehen, für ihre Arbeit danken.

(Beifall bei der AfD - Zustimmung von Frank Scheurell, CDU)

Sie tun das ohne Anleitung durch ein Programm „Bildung: elementar“, ohne Kinderbetreuung gelernt zu haben und leisten trotzdem einen wertvollen Dienst an unserer Gesellschaft. Sie haben dafür Dank und Anerkennung verdient und nicht dieses latente Misstrauen, mit dem ihnen die Politik mehr und mehr begegnet.

Eine Kindergärtnerin macht im Idealfall auch nichts anderes als das, was jede Mutter zu Hause tut. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Wir sollten aber nie vergessen, dass es sich bei der Erziehung eines Kleinkindes um einen Lebensvorgang handelt, für den Erfahrung, Instinkt und Gefühl wichtiger sind als theoretisches Wissen.

Während etwa die Hälfte der unter Dreijährigen in Sachsen-Anhalt zu Hause betreut wird, besuchen mehr als 90 % der über Dreijährigen eine staatliche Einrichtung. Diese Statistik zeigt: Drei Jahre sind eine Schwelle, ab der die systematische Vorbereitung auf die Schule beginnen kann und ab der deshalb von fast allen Eltern die Hilfe staatlicher Institutionen in Anspruch genommen wird.

An diesem Punkt, würde ich sagen, beginnt frühkindliche Bildung in einem spezifischen, institutionellen Sinn. Bildung ist nämlich nicht jede Entwicklung des Kindes, sondern die bewusste Vermittlung von Kultur auf der Grundlage von Autorität und Tradition.

Bildung hat drei Komponenten, nämlich die objektive Komponente: der Bildungsgegenstand, die subjektive Komponente: die Entfaltung dessen, der sich bildet, und die transitive Komponente: die Personen und Institutionen, die Bildung vermitteln.

Damit Bildung gelingt, müssen diese Komponenten im Einklang miteinander stehen. Ein Mensch bildet, verwirklicht und entfaltet sich erst dann, wenn er sich Bildungsgegenstände aneignet, als da sind: Sprache und Literatur, Wissen und Wissenschaft, Handwerk und Technik, Sittlichkeit und Gesetz.

Dieser Vorgang bedarf immer der Führung durch Vorbilder und Autoritäten. Der Bildungsgegenstand steht den zu Bildenden anfänglich fremd und unverständlich gegenüber. Sie erkennen nicht, weshalb und wozu sie zu bilden wären und brauchen eben deshalb jemanden, der ihnen den Weg weist.

Der in dem Programm „Bildung: elementar“ niedergeschriebene Grundsatz: Kinder werden nicht gebildet, sie bilden sich selbst, ist so grundverkehrt, dass er verkehrter nicht sein könnte. Er ist Ausdruck eines kruden Missverständnisses von Bildung, aus dem zwei der notwendigen Komponenten, nämlich der Bildungsgegenstand und die bildende Autoritätsperson, herausreflektiert wurden. Was übrig bleibt, ist reine Selbstverwirklichung. Das ist aber keine Bildung mehr, sondern der sprichwörtliche Versuch, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen.

Die Kinder sich selbst zu überlassen und möglichst wenig in ihre Entwicklung einzugreifen ist der größte Fehler, den wir machen können.

(Dr. Verena Späthe, SPD: Machen wir ja nicht!)

Das reformpädagogische Dogma, das den Erzieher zum bloßen Begleiter reduziert und auch später in der Schule den Lehrer zum bloßen Lernbegleiter, sorgt dafür, dass Bildungschancen ungenutzt bleiben und schließlich verloren gehen. Das Programm „Bildung: elementar“ rechtfertigt seinen Ansatz, indem es sich auf die sogenannten Kinderrechte beruft.

(Zuruf von der LINKEN: Sogenannte!)

Sogar die CDU sieht das Thema Kinderrechte kritisch und hat sich gegen deren Festschreibung im Grundgesetz gewehrt, weil sie sehr zu Recht befürchtet, dass so beeinflusste Familien zurückgedrängt werden könnten. Das ist sicherlich ein Aspekt.

Was nun aber die Bildung und Erziehung der Kinder angeht, so wäre es ihr vornehmstes Recht, in diesem Bereich von Erziehern und Lehrern mit Autorität nach bewährten Methoden erzogen und gebildet zu werden. Eben dieses Recht wird ihnen aber unter Berufung auf sogenannte Kinderrechte vorenthalten.

Durch das Gerede von Kinderrechten drängt sich zu einem Teil der Staat als Vormund auf, zum anderen Teil werden die Kinder wie kleine Erwachsene behandelt. Da sie aber keine Erwachsenen sind, werden sie dadurch über- und zugleich unterfordert. Sie werden überfordert, weil sie von ihren Rechten noch gar keinen Gebrauch zu machen wissen, und unterfordert, weil diese Rechte als Abwehrrechte gegen Forderungen an das Kind und gegen die Autorität der Lehrer und Erzieher verstanden werden. Bildung aber lebt davon, dass Forderungen an die Kinder gestellt werden dürfen und sie unter Führung durch die Autorität der Lehrer und Erzieher stehen.

„Bildung: elementar“ begreift unter Bildung entsprechend dem Kinderrechtsgedanken die Befriedigung von Ansprüchen. Hier spielt eine konsumorientierte Denkweise mit herein. Pädagogische Fachkräfte, so heißt es in dem Programm, verstehen ihr Handeln als ein Anbieten von Anlässen, Situationen und Möglichkeiten. Sie lassen zu, dass Kinder pädagogische Angebote ablehnen und ignorieren.

Wer Kinder wie Kunden wählen lässt, statt ihnen das zu vermitteln, wovon sie noch gar nicht wissen können, dass sie es brauchen, wer ihnen ihre Rechte erklärt, statt ihnen zu erklären, was Recht ist, der bildet die Kinder nicht, sondern fördert Ich-Sucht und Bequemlichkeit, Selbstüberschätzung und eine Mentalität des Sichgehenlassens und des Nachgebens gegenüber jeder flüchtigen Neigung. Das ist das genaue Gegenteil wahrer Bildung.

(Beifall bei der AfD)

Verglichen damit hatte man in der DDR, die sozialistische Phraseologie abgerechnet, doch einen erfreulich klaren Begriff davon, was Bildung generell bedeutet und was im Speziellen vorschulische Bildung leisten kann und leisten soll.

Ich beziehe mich im Folgenden auf den Bildungs- und Erziehungsplan für den Kindergarten des Ministeriums für Volksbildung der Deutschen Demokratischen Republik, erschienen im Verlag Volk und Wissen, Berlin 1969.

(Unruhe)

Wenn man sich durch die nebligen Phrasen und das blasierte Geschwätz des Programms „Bildung: elementar“ gequält hat und sich dann diesem Bildungsplan zuwendet, dann hat man den Eindruck, wieder in die Welt der klaren Begriffe und des gesunden Menschenverstandes zurückzukehren. Das hat mich selbst erstaunt. Aber angesichts der Texte, die der bildungspolitische Diskurs unserer Tage hervorbringt, war es ein regelrechtes Labsal, in diesem DDR-Bildungsplan zu lesen.

In der Einleitung werden die großen Bildungsziele definiert. Es heißt dort - ich zitiere jetzt einige Kernaussagen -:

(Sebastian Striegel, GRÜNE: Das ist ein bisschen aus der Zeit gefallen!)

Erstens. Auf die Entwicklung solcher Eigenschaften, wie Ausdauer, Zielstrebigkeit und die Bereitschaft, Schwierigkeiten zu überwinden, muss ständig Einfluss genommen werden.

Zweitens. Die Kinder sind zu geistiger Tätigkeit zu befähigen und lernen, sich zu konzentrieren und aufmerksam zu sein.

Drittens. Die Kinder sollen erste Einsichten in die gesellschaftliche Notwendigkeit der Arbeit gewinnen.

Viertens. Die Kinder werden mit Märchen, Geschichten und Erzählungen bekannt gemacht und dazu geführt, in ihren Inhalt einzudringen.

Fünftens. Es ist zielstrebig an der Entwicklung der Sprache und des Denkens der Kinder zu arbeiten.

Ganz anders als „Bildung: elementar“ definiert dieses Programm also genau das, was Vorschulkinder brauchen, um reibungslos, ohne Schwierigkeiten und mit gutem Erfolg in die Schule starten zu können.

Nach Art eines Lehrplans werden für alle Themenfelder klare Vorgaben gemacht. Unter der Rubrik „Garten“ beispielsweise werden für die Gruppe der Älteren unter anderem folgende Lernziele formuliert:

Die Kinder ernten die eigenen Beete ab, sammeln Samen und bewahren diesen auf, helfen beim Säubern der Beete, bereiten ihre Beete vor, lesen Steine ab, rechen die Beete glatt, ziehen Rillen usw., lernen mit dem Pflanzholz umzugehen, drücken die Pflanzen sorgfältig fest, hacken und gießen regelmäßig die Beete.

(Zustimmung bei der AfD)

Als Kontrast dazu zitiere ich jetzt eine Passage aus dem Programm „Bildung: elementar“. Darin heißt es:

„Die Kinder klettern auf Bäume und schaukeln an Weidenzweigen, baumeln mit den Beinen und wippen auf starken Ästen. Sie verstecken sich in Büschen und Sträuchern. Sie recken sich nach Früchten an Bäumen, ziehen Äste zu sich herunter und lassen sie wieder nach oben schnellen.“

(Heiterkeit bei der AfD)

„Bildung: elementar“ beschreibt, was jedes Kind von sich aus tut und auch tun soll. Der Bildungsplan der DDR aber formuliert ganz klar, was Kindern beigebracht werden soll und was ihnen noch beigebracht werden kann.

(Zuruf von Cornelia Lüddemann, GRÜNE)

„Bildung: elementar“ beschreibt eine Reihe von Tätigkeiten, zu denen Kinder neigen, wenn sie sich selbst überlassen werden. Der Bildungsplan der DDR beschreibt sinnvolle, nützliche, verantwortungsvolle, die Persönlichkeitsentwicklung fördernde, also im vollen Sinn des Begriffs bildende Tätigkeiten.

(Beifall bei der AfD)

Noch deutlicher wird der Unterschied zwischen „Bildung: elementar“ und dem DDR-Bildungsplan bei der Spracherziehung. „Bildung: elementar“ ergeht sich auch hier in entsetzlich redundanten Beschreibungen dessen, was Kinder ohnehin tun. Es heißt dort beispielsweise:

„Kinder versuchen Töne zu erzeugen. Sie spitzen den Mund, pusten, schmatzen und freuen sich, wenn ihnen Geräusche glücken. Manchmal sind sie überrascht und erschreckt von ihrem eigenen Jauchzen und Glucksen. Kinder sprechen miteinander, um zu streiten, zu diskutieren, zu planen und sich auszutauschen, um zu spielen.“

Nebenbei bemerkt: Man muss wahrlich nicht Pädagogik studiert haben, um solche Dinge festzustellen.

(Heiterkeit bei der AfD)

Der DDR-Bildungsplan sagt zum Thema Kindersprache:

„Die Kinder werden angehalten, untereinander auf deutliches und in der Lautstärke der Situation angemessenes Sprechen zu achten. Sie bemühen sich, lautrein und gepflegt zu sprechen. Sprachnachlässigkeiten sind von der Erzieherin als unschön zurückzuweisen.“

Kurz, präzise und vernünftig, klare Normen und eine deutliche Beschreibung, auf welches Ideal hin die Kinder zu bilden sind . So muss ein Bildungsplan sein.

„Bildung: elementar“ zeigt dagegen nicht den geringsten Ehrgeiz, den Kindern etwas beizubringen, etwas aus ihnen zu machen. „Bildung: elementar“ definiert ihr freies Spiel als Bildungsziel.

Kinder sollen auch frei spielen dürfen, keine Frage. Aber daneben sollten wir ihnen ab drei Jahren auch schon sinnvolle Dinge beibringen. Und das sollte in einem Bildungsprogramm für den Kindergarten festgelegt werden.

„Bildung: elementar“ verharrt im rein Restriktiven, erklärt das Sein zum Soll und lässt so jeden Bildungsanspruch fahren.

Wenn unsere Kinder in diesem Ungeist erzogen werden, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn am Ende immer mehr Auszubildende ihre Lehre abbrechen, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn die Schulabbrecherquote hoch ist und die Schulabschlüsse immer weniger wert sind.

Es hilft kein Gejammer darüber, dass die Herkunft angeblich über die Berufschancen entscheidet. Damit lenken Sie doch nur von dem eigenen bildungspolitischen Versagen ab.

(Zustimmung bei der AfD)

Es hilft nur eines: den Kindern von Beginn an Pflichtgefühl und Fleiß beizubringen und sie im Geist einer klaren Arbeitsethik zu erziehen. Bildung ist Arbeit, das muss von Beginn an die Maxime an unseren staatlichen Bildungseinrichtungen sein.

(Beifall bei der AfD)

Wir fordern deshalb die Landesregierung auf, das untaugliche Programm „Bildung: elementar“ in diesem Sinn gründlich zu überarbeiten. Die Autoren sollen sich dabei an dem Bildungs- und Erziehungsplan für den Kindergarten des Ministeriums für Volksbildung der Deutschen Demokratischen Republik orientieren:

(Beifall bei der AfD - Zuruf von Sebastian Striegel, GRÜNE)

weniger Professionalisierungswahn, mehr gesunder Menschenverstand, weniger reformpädagogische Theorie, mehr tradierte Praxis, weniger Experimente, mehr Orientierung an bewährten Methoden und ein klarer Bildungsbegriff.

Wenn wir unsere Vorschulkinder in diesem Sinn wieder zu Sekundärtugenden wie Fleiß, Pflichtbewusstsein, Disziplin und Zuverlässigkeit erziehen, wenn wir ihnen schon im Kindergarten systematisch wertvolles Weltwissen vermitteln, ihr logisches Denken geschult und ihr Handeln gebildet haben, dann haben sie es in der Schule leichter. Sie werden schneller Fortschritte machen und insgesamt weiter kommen.

Das schließlich kann ein Beitrag dazu sein, dass wir die Krise des Bildungswesens in den Griff bekommen und in Städten Niveauverlust entgegenwirken. Verlassen wir die Irrwege der 68er-Kuschelpädagogik. Kehren wir zu den bewährten Konzepten institutioneller Bildung und Erziehung zurück.

Ich bitte um Zustimmung zu unserem Antrag.

(Lebhafter Beifall bei der AfD)


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Herr Dr. Tillschneider, Herr Krull hat sich zu Wort gemeldet. Herr Krull, Sie haben das Wort.


Tobias Krull (CDU):

Sehr geehrter Herr Dr. Tillschneider! Dass die AfD die Erziehung zu einer sozialistischen Persönlichkeit fordert, was nämlich der Plan der DDR-Kita-Erziehung war, ist schon sehr interessant.

(Oliver Kirchner, AfD: Sie müssen richtig zuhören!)

Aber okay. Einige aufklärende Worte für Sie: Ich habe Ihre Worte so verstanden, dass Sie gesagt haben, die Eltern, die ihre Kinder, die unter drei Jahre alt sind, nicht zur Kita schicken, sind nach Ihrer Ansicht offensichtlich die besseren Eltern.

(Zurufe von der AfD: Nein!)

Das konnte man meiner Auffassung nach aus Ihren Worten deutlich erkennen. Es kam deutlich zum Ausdruck, dass diejenigen, die ihr Kind vorher in die Kinderkrippe geben    

Zweitens möchte ich Sie einmal aufklären. Sie sprachen ständig von staatlichen Bildungseinrichtungen. 40 % der Kitas, der Kinderkrippen und Horte sind in freier Trägerschaft. Das sind also keine staatlichen Einrichtungen. Ich wäre mit der Wortwahl vielleicht etwas vorsichtiger.

(Zuruf von Cornelia Lüddemann, GRÜNE)

Das sind kommunale Einrichtungen.

(Zurufe von der LINKEN und von der AfD)

Das nächste Thema sind Kinderrechte. Ich weiß, Sie sind damit beschäftigt, Ihre Bücher zu lesen und anderes. Aber vielleicht hätte das Wahlprogramm der CDU zur Bundestagswahl geholfen. Darin steht, wir fordern die Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz. Sie haben offensichtlich einen alten Stand. Ab und zu etwas Neues zu lesen, hat vielleicht ein Stück weit einen Vorteil.

Als Vater von zwei Kindern, die dieses Kita-System durchlaufen haben und zu eigenständigen Persönlichkeiten herangezogen wurden, begrüße ich das ausdrücklich; denn diese Kinder sollen lernen, selbstständig ihren Weg zu gehen. Eine Pädagogik, die nur noch vorgibt, das und das hast du zu lernen, macht die Kinder nicht fit für das moderne Leben. Sie müssen in der Lage sein, sich Bildungsinhalte zu erschließen und nicht nur von vorn frontal unterrichtet zu werden.

(Zurufe von der AfD)

Das sollten Sie vielleicht an der Stelle berücksichtigen. - Vielen Dank.

(Zustimmung von Dr. Katja Pähle, SPD und von der Landesregierung)


Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Wie fit das Bildungssystem unsere Kinder für die Anforderungen der modernen Welt macht, sehen wir immer, wenn wir mit Vertretern der Industrie sprechen, die alle sagen, die Lehrlinge können nichts mehr.

(Beifall bei der AfD)

Das sehen wir an der Universität, wenn Abiturienten anfangen, Germanistik zu studieren, die kein Deutsch können, wenn Ingenieurstudenten keine Mathematik können. Da sehen wir, wie fit die jungen Menschen durch das Bildungssystem gemacht werden.

Sie legen es mir einfach in den Mund, und das weise ich ganz entschieden zurück. Ich habe nichts abgewertet. Ich habe nur gesagt: Man muss nicht Pädagogik studiert haben, um ein Kind zu erziehen.

(Oliver Kirchner, AfD: Richtig!)

Das heißt, bis zum dritten Lebensjahr wachsen die Kinder, die bei den Familien erzogen werden, genauso gut - nicht weniger und nicht besser, aber genauso gut - auf wie in der Kita. Das habe ich gesagt. Das ist im Protokoll nachzulesen. Das ist Ihre Fantasie, und dafür kann ich nichts.

(Beifall bei der AfD - André Poggenburg, AfD: Richtig!)

Zur sozialistischen Persönlichkeit: Wir haben diesen Plan natürlich selektiv rezipiert. Das habe ich gesagt. Den ganzen Ideologiekrampf haben wir abgezogen. Aber wenn man das abzieht - das war in der DDR-Wissenschaft oft sehr oberflächlich - und schaut, was bleibt, ist das doch ein brauchbarer Ansatz. Ich meine, das DDR-Bildungssystem hat viel bewirkt und wurde von den skandinavischen Ländern übernommen. Warum nicht heute Sie damit inspirieren?

(Beifall bei der AfD)