Kerstin Eisenreich (Die Linke):
Vielen Dank. - Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Über die vielfältigen Funktionen des Waldes sind sich hier im Hohen Hause fast alle einig. Trotzdem ist es nicht unerheblich, dass man sich diese Komplexität immer wieder einmal vor Augen führt.
Lebensraum, Raum für biologische Vielfalt, Bodenschutz, Wasserschutz, Luftfilter, Wasserfilter, Sauerstoffproduzent, Kohlenstoffspeicher - all das sorgt letztlich für mikroklimatische Bedingungen, die sehr günstig sind, und reduziert auch den Lärm. Der Wald liefert uns Lebensmittel, wie Wildfleisch, Pilze und Beeren, prägt und gestaltet das Landschaftsbild, historische Kulturzeugnisse werden hier bewahrt. Natürlich ist der Wald im kulturellen Gedächtnis unserer Gesellschaft sehr wichtig. Zudem finden Erholungssuchende im Wald Raum für Ruhe und Entspannung oder eben auch Gelegenheiten für sportliche Aktivitäten.
Ja, der Wald ist eine absolut wichtige Kohlenstoffsenke und damit - Achtung, Triggerwort - ein wichtiger Klimaschützer.
(Ulrich Siegmund, AfD: Triggerwort!)
Aber in dieser Funktion ist er durch die Klimaschäden und Schädlingsbefall stark beeinträchtigt.
(Zustimmung von Dorothea Frederking, GRÜNE)
Herr Roi, wenn Sie sich hier als Waldretter hinstellen, möchte ich Ihnen Folgendes sagen: Allein für den Bau der A 14 wurden bisher schon eine Million Bäume entfernt.
(Matthias Büttner, Staßfurt, AfD: Dafür gibt es doch Ersatzpflanzungen, oder nicht? - Daniel Rausch, AfD: Genau, es gibt doch Ersatzpflanzungen!)
Ich frage mich, wo Ihr Schrei nach dem Erhalt dieser Wälder ist. Stattdessen bringen Sie jetzt das Thema Windräder auf die Tagesordnung, was nun absolut lächerlich ist.
(Zustimmung bei der Linken)
Natürlich ist der Wald ein absolut wichtiger Wirtschaftsfaktor, gerade das hat meine Vorrednerin schon gesagt mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz. In diesem Bereich sind zahlreiche Menschen beschäftigt und sie tun das mit großer Leidenschaft und Engagement. Deshalb auch von unserer Seite hier noch einmal ausdrücklich der Dank für ihre aufopferungsvolle Arbeit für den Erhalt, den Umbau hin zu klimastabilen Wäldern und vor allem für die Wiederaufforstung; denn sie übernehmen damit Verantwortung für unser aller Gemeinwohl
(Ulrich Siegmund, AfD: Oh, das Gemeinwohl!)
und eben auch für die Zukunft. Das darf man nicht vergessen. Sie werden sagen, das haben Sie alles schon oft gehört - richtig. Aber ich finde, man kann es eben nicht oft genug wiederholen.
Leider spiegelt die Beschlussempfehlung weder diese funktionale Vielfalt noch die tatsächlichen umfassenden Bedarfe wider. Von unserem Ursprungsantrag ist also kaum noch etwas übrig. Daher wollen wir zumindest zwei Aspekte ergänzen. Zum einen soll die wieder Triggerwort Klimaschutzfunktion explizit aufgenommen werden. Zum anderen finden wir es eben nicht richtig, dass, wie unter Punkt 2 Buchst. g formuliert, „keine weiteren Waldflächen aus der forstlichen Bewirtschaftung herauszunehmen“ seien. Wir finden, ein derartiger grundsätzlicher Ausschluss weiterer Schutz- und Prozessschutzflächen ist kontraproduktiv.
Klimaschutz, Biodiversität und eine funktionale Forstwirtschaft müssen und können ausgewogen zusammengeführt werden. Das ist nämlich notwendig, um einen fairen Ausgleich zwischen forstlicher Nutzung und Naturschutz zu sichern. Dazu können im Übrigen auch unsere landeseigenen Forschungs- und Universitätseinrichtungen einen Riesenbeitrag leisten. Deshalb bitte ich um Zustimmung zu unserem Änderungsantrag. - Danke.
(Zustimmung bei der Linken)
Vizepräsident Wulf Gallert:
Es gibt eine Intervention von Herrn Büttner. - Herr Büttner, Sie haben das Wort.
Matthias Büttner (Staßfurt) (AfD):
Ich bin da jetzt vielleicht doof, also wirklich nichtwissend, darum diese Intervention. Meines Erachtens muss doch jeder, der einen Baum fällt, eine Ersatzmaßnahme, also eine Ersatzpflanzung, dafür vornehmen.
Frau Eisenreich sprach gerade davon, dass mehr als 1 Million Bäume für die A 14 gefällt wurden. Mich würde interessieren, ob das in diesem Fall anders ist, ob also keine Ersatzpflanzungen für diese Bäume vorgenommen werden müssen. Denn dann wäre ein Antrag sinnvoll gewesen, um das zu ändern. Ansonsten ist das einfach nur populistisches Geplärre ohne einen wirklichen Hintergrund, der real ist.
Darum würde mich jetzt einfach interessieren Frau Eisenreich, vielleicht wollen Sie doch nach vorn zum Mikro kommen.
(Kerstin Eisenreich, DIE LINKE: Nein! Das ist eine Intervention! - Weitere Zurufe von der Linken)
Die Frage ist: Müssen dafür Ersatzpflanzungen vorgenommen werden? Oder haben Sie jetzt einfach einmal das erzählt, was Ihnen heute Morgen beim Kaffee so eingefallen ist?
(Ulrich Siegmund, AfD, lacht)
Vizepräsident Wulf Gallert:
Ich sehe keine Reaktion von Frau Eisenreich. Deswegen gehen wir weiter zur nächsten Rednerin, Frau Tarricone für die FDP. - Bitte sehr, Sie haben das Wort.

