Dr. Andreas Schmidt (SPD):
Vielen Dank, Herr Präsident. - Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und auch den Nutzerinnen und Nutzern der Außenstelle Merseburg des Landesarchivs wird seit inzwischen mehr als zehn Jahren ein nicht mehr sehr fern liegendes Aufgeben der Außenstelle angekündigt. Das beruht auf einem inzwischen doch fast volljährigen Konzept des Landesarchivs zur Konzentration der Archivalien in Magdeburg am Standort des Landeshauptarchivs. Das wiederum setzt allerdings eine Investition voraus. Das Gerücht in Merseburg lautet, dass es seit einer inzwischen nicht mehr ganz so kurzen Zeit einen Einlagerungsstopp von Archivalien in der Außenstelle in Merseburg gebe.
Ich frage die Landesregierung erstens: Ist es korrekt, dass es einen solchen Einlagerungsstopp gibt? Zweitens. Wie steht es um die Pläne der Landesregierung für eine Konzentration der Standorte des Landesarchivs und ist dem ein inhaltliches Konzept für das Landesarchiv unterlegt?
Präsident Dr. Gunnar Schellenberger:
Frau Ministerin, bitte.
Dr. Tamara Zieschang (Ministerin für Inneres und Sport):
Herr Abg. Schmidt, es gibt - wie Sie es auch schon sagten - seit vielen Jahren ein Konzept für die zukünftigen Strukturen des Landesarchivs mit am Ende zwei Standorten, nämlich dem Hauptstandort in Magdeburg und dann noch dem Standort in Dessau. Damit wird die Frage aufgerufen, was mit den beiden Außenstellen in Merseburg und in Wernigerode passiert.
Wir halten unverändert an diesem Zwei-Standorte-Konzept fest. Was ist der Grund? - Der Grund ist, dass Archive wirklich auf Dauer gesichert werden müssen. Archivgut soll nicht nur in der heutigen Gegenwart für die Menschen zugänglich sein, sondern soll nach Möglichkeit auch noch in 100 Jahren zugänglich sein. Deshalb braucht man für die Lagerung von Archivgut optimale Bedingungen. Optimale Bedingungen haben wir in jedem Fall in dem ersten Archivwürfel, den wir hier in Magdeburg errichtet haben. Jeder von Ihnen, der schon einmal dort war, weiß es: Es geht um klimatische Bedingungen, und zwar genauso um Wärme wie um die Feuchtigkeit in der Luft. Menschen, die das Archiv besuchen, sagen, dass wir dort optimale Bedingungen haben, um das Archivgut wirklich auch für die nächsten Jahrzehnte, wenn nicht für die nächsten Jahrhunderte, gut lagern zu können.
Diese Voraussetzungen haben wir nicht im Ansatz in Merseburg und in Wernigerode. Das heißt, wenn wir die Standorte dort abweichend von unserem bisherigen Zwei-Standorte-Konzept aufrechterhalten wollten, müssten wir dort in erheblichem Maße investieren, um überhaupt auch nur annähernd gleichwertige Voraussetzungen zu schaffen. Deswegen sind wir auch unverändert im guten Gespräch, dass wir den zweiten Archivwürfel, wie in diesem Zwei-Standorte-Konzept vorgesehen, hier in Magdeburg bauen.
(Zustimmung)
Es ist schon ein Grundstück dafür vorgesehen. Es besteht die Möglichkeit, genau an diesem Standort den jetzigen Archivwürfel quasi zu spiegeln und dort zu errichten.
Es ist letztlich ein bisschen die Frage, wann es finanziell hinterlegt wird. Aber auch diesbezüglich bin ich guter Dinge, dass wir in den nächsten zwei oder drei Jahren zu Entscheidungen kommen und damit die Aussicht auf den Bau und die Finanzierung des zweiten Archivwürfels haben werden.
Bis dahin ist es nicht ganz so, wie Sie sagten, dass es in Merseburg oder auch in Wernigerode einen Annahmestopp gibt. Es gibt, jedenfalls für Merseburg, einen Annahmestopp für Neuübernahmen, die nichts mit dem bisherigen Archivgut zu tun haben. Es gibt aber sehr wohl Neuaufnahmen zur Ergänzung von dort vorhandenen Beständen. Insofern ist es kein apodiktischer Neuaufnahmestopp. Es gibt nur einen Neuaufnahmestopp für Dinge, die nicht den bisherigen Beständen in Merseburg zuzuordnen sind.
Um alles ein bisschen zu sortieren, sind in der Vergangenheit durchaus laufende Meter Archivgut von Merseburg und Wernigerode schon nach Magdeburg verlagert worden. Das erfolgte aber zum Teil in einem überschaubaren Umfang. Aus Wernigerode sind bislang 2 % des dortigen Archivgutes nach Magdeburg verlagert worden. In Merseburg sind es meines Wissens ein bisschen mehr als 20 %. Dort ist es ein bisschen mehr.
Aber - das war Ihre Frage - einen apodiktischen, absoluten Neuaufnahmestopp gibt es nicht. Vorhandene Bestände können durch Neuaufnahmen ergänzt werden, aber es werden keine neuen Bestände begründet.

