Andreas Silbersack (FDP):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der Antrag selbst ist wirklich richtig schlecht.
(Zustimmung von Jörg Bernstein, FDP, und von Konstantin Pott, FDP)
Der ist richtig schlecht. Er vermengt Dinge miteinander, bei denen ich gedacht habe: Mein Gott, Herr Lippmann, der so lange sportpolitischer Sprecher ist, hat doch ein Stück weit mehr Ahnung als das, was darin steht. Also wirklich, das wird nicht ansatzweise dem gerecht, was Sie eigentlich als Thema aufmachen wollen. Sie vermischen im Grunde genommen die Themen Fußball, Spitzensport, Behandlung.
Jetzt würde ich einfach einmal die Frage stellen: Sollte ein Anspruch bestehen, einen Bundesstützpunkt Fußball in Sachsen-Anhalt entstehen zu lassen? Ist das realistisch?
(Guido Kosmehl, FDP: In Dessau!)
Natürlich nicht, weil das nämlich nicht so geht, dass man sich etwas wünscht mit dem Ziel der Gleichstellung. Denn im Sport gibt es eben auch das Thema Leistung. Wir sind im bundesdeutschen Ranking bei bestimmten Themen dabei. Bei bestimmten Sportarten haben wir Bundesstützpunkte, bei anderen nicht. Das heißt, dort, wo wir Spitzensport mit begleiten, wo wir olympisch sind, hat das nicht wesentlich mit der Frage der Gleichstellung zu tun, sondern damit, ob wir Spitzenleistungen in dem Bereich bringen. Das mit dem Thema Frauen und Gleichstellung zu verbinden, ist einfach nicht fair. Das ist einfach nicht fair und das wird der Sache überhaupt nicht gerecht.
(Beifall bei der FDP)
Ich muss auch ganz ehrlich sagen: Das, was das Land Sachsen-Anhalt leistet, ist viel. Sie sagen, Frauen haben es schlechter, sie werden nicht so gefördert. Frauen sind genauso bei der Landespolizei, Frauen sind genauso bei der Bundeswehr, wenn sie Sport treiben.
(Zustimmung bei der FDP und bei der AfD - Dr. Hans-Thomas Tillschneider, AfD: Jawohl!)
Das heißt, sie sind überall in den Strukturen mit drin. Sie sind beim OSP, sie werden dort begleitet. Da gibt es keinen Unterschied. Dabei geht es um Leistung.
(Beifall bei der FDP - Zustimmung bei der AfD - Dr. Hans-Thomas Tillschneider, AfD: Jawohl!)
Das heißt, wenn Sie sich dem Thema zuwenden, müssen Sie doch die Strukturen betrachten. Sie wissen es doch besser, als Sie es hier vorgetragen haben.
Das eine ist das Thema Leistung, unsere Leistungspyramide, und das andere ist das Thema wird richtigerweise auch behandelt; deshalb habe ich mich auch nicht dagegen gewehrt, das in den Innenausschuss zu überweisen , dass man das Thema Frauen und Gleichstellung dort behandelt, wo es tatsächlich entsprechende Problemstellungen gibt.
Von dem Kollegen Grube wurde gesagt, dass es das Thema Frauen und Gleichstellung beim LSB gibt. Es wird vielerorts behandelt. Wir haben es mit Herausforderungen zu tun. Aber das, was Sie hier sozusagen in einen Klumpen gepackt haben, das ist wirklich wesentlich mehr Populismus als inhaltliche Analyse. Das ist das Problem bei der Sache. Das wird, wie gesagt, Ihrer Erfahrung eigentlich auch nicht gerecht.
Etwas, bei dem wir tatsächlich Problemstellungen haben das wurde schon angedeutet , ist das Thema Frauen und Ehrenamt. Es ist so, dass der Landessportbund das Thema Frauen und Gleichstellung sehr wohl aufgreift und über ein Mentoringprojekt versucht, noch mehr Frauen für ein Ehrenamt in den Sportvereinen zu gewinnen. Aber das ist schwierig. Es wird probiert. Es wird auch zugegeben, dass dieses Projekt noch nicht so erfolgreich ist, wie man sich das wünscht. Es wird aber fortgesetzt. Es ist richtig, dass man dort darüber diskutiert.
Aber lassen Sie uns hier doch über die Themen sprechen, die tatsächlich punktuell etwas bringen, statt darüberzuwischen und zu sagen, jetzt machen wir politisch etwas auf, ohne am Ende zu wissen, was eigentlich gemeint war.
Das, was Sie hier als Antrag vorgelegt haben, ist wirklich richtig schlecht.
Ich sollte vielleicht auch etwas das wurde angedeutet zu den Prozentzahlen beim Turnverband sagen. Wir haben über den Landessportbund für das Land ermittelt: Wir haben in den Vereinen 60 % Männer und 40 % Frauen. Das ist nun einmal so. Das ist aber nicht erst seit gestern so, das ist eigentlich schon seit den letzten Jahrzehnten so. Nun kann man sagen, es müsste eigentlich 50 : 50 sein,
(Zurufe von Andreas Schumann, CDU, und von Guido Kosmehl, FDP)
aber es ist nun einmal ungleich verteilt. Das ist im Turnverband so, das ist im Fußballverband so. Aber das ist nun einmal das Leben. Wir sollten uns also punktuell darauf konzentrieren, wo wir als Gesellschaft, wo wir als Politik nachsteuern können.
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Vielen Dank.
Andreas Silbersack (FDP):
Das ist die Unterstützung für das Ehrenamt, solche Sachen.
Ein zweiter Punkt das vielleicht noch als allerletzter Punkt
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Oh, nein, Herr Silbersack.
(Jörg Bernstein, FDP, lacht)
Sie haben jetzt schon ganz schön weit überzogen.
Andreas Silbersack (FDP):
ist das Thema Trainerinnen. Auch dort sollten wir unterstützen. Darüber können wir im Ausschuss reden. - Vielen Dank.
(Beifall bei der FDP - Zustimmung bei der CDU und bei der AfD)
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Gut. Jetzt, Herr Silbersack, haben Sie die Chance, eine Nachfrage zuzulassen, und zwar von Herrn Dr. Tillschneider, wenn Sie das möchten.
Andreas Silbersack (FDP):
Ja, gern.
(Oliver Kirchner, AfD: So sind wir!)
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Herr Dr. Tillschneider.
Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):
Sie haben eben einen sehr schönen Satz gesagt: Das ist nun einmal das Leben. Das ist ein Satz, den sich Politiker viel häufiger sagen sollten.
Aber ich habe eine konkrete Frage. Es ist so, dass Männer das ist allen bekannt im Profifußball tatsächlich ungleich mehr verdienen als Frauen, eben weil mein Kollege Rausch hat es schon angedeutet Männerfußball einfach stärker nachgefragt wird. Diese Einkommensunterschiede im Profifußball werden jetzt von Gender-Aktivisten als Argument dafür angeführt, dass wir hier sozusagen einen Gender-Pay-Gap hätten und dass man etwas tun müsste, damit die Bezahlung angeglichen wird. Sehen Sie das auch so? Oder würden Sie dazu auch sagen: Das ist nun einmal so, die Nachfrage ist hier anders und das muss man in der Politik einfach hinnehmen?
Andreas Silbersack (FDP):
Also, von einem Gender-Pay-Gap habe ich jetzt nichts gehört, aber ich halte selbstverständlich nichts davon. Das ist vollkommen klar. Wir müssen uns Folgendes vor Augen halten wir hatten gerade einmal nachgeschaut : Die Fußball-WM der Männer hat wohl insgesamt einen Wert von 7,5 Milliarden € eingebracht, die der Frauen und das ist etwas Tolles einen Wert von einer halben Milliarde.
(Tobias Rausch, AfD: Das ist gut!)
Das heißt, da ist in den letzten zehn oder 20 Jahren schon richtig was passiert.
(Zustimmung bei der FDP und von Andreas Schumann, CDU)
Dann kann man doch auch einmal sagen, dass da richtig was nach vorn geht.
(Oliver Kirchner, AfD: Da hat er recht!)
Ob es das Frauenboxen ist oder Ähnliches, da gehen die Marktwerte nach oben.
(Zustimmung von Guido Kosmehl, FDP - Jörg Bernstein, FDP, lacht)
Das ist nun einmal so, aber das ist der Markt. Wir müssen die Themen einfach unterscheiden. Das eine ist Leistung, das andere ist Gleichstellung. Diese Markteinflüsse spielen eine Rolle. Sich aus diesem Thema zu verabschieden, das wird nicht funktionieren. - Vielen Dank.

