Jörg Bernstein (FDP):
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Das Thema, die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hier mit ihrem Antrag aufruft, ist ein - das haben wir schon gesehen - sehr emotionales, und es betrifft aus meiner Sicht nicht nur die Schule, sondern unser gesamtes gesellschaftliches Leben.
(Zustimmung von Eva Feußner, CDU)
Gleich vorweg eine Bemerkung, die ich hier anführen möchte. Kollege Grube hat eben auf die Kampagne gegen Frau Brosius-Gersdorf hingewiesen; ich möchte daran anschließen. In diesem Punkt wünsche ich mir auch von der antragstellenden Fraktion mehr Vorbildwirkung. Ich denke dabei ganz konkret daran, wie sich der Kollege Striegel hier im Plenum regelmäßig an der Bundeswirtschaftsministerin abarbeitet und in einer der vergangenen Plenarsitzungen tatsächlich auch den Begriff Gas-Kathi verwandte. Das ist respektlos, das ist herablassend und es reiht sich auch in die aktuelle Kommunikationslinie der GRÜNEN ein. Also: Wer im Glashaus sitzt, der sollte nicht mit Steinen werfen.
(Zustimmung bei der CDU und bei der FDP)
Zu dem Antrag: Der § 1 unseres Schulgesetzes in Sachsen-Anhalt definiert die Vermittlung von Toleranz, Ethik und mündiger Freiheit als expliziten Erziehungsauftrag unserer Schulen. Das schließt eine entschiedene Absage an Frauenfeindlichkeit mit ein.
Es geht letztendlich um die Achtung der Würde jedes Menschen. Das macht auch die Koalition mit ihrem Alternativantrag deutlich. Wir machen mit unserem Alternativantrag auch deutlich, dass wir die Schulen nicht mit Forderungen aus dem Landtag überfrachten wollen.
Argumentationstraining und Anpassung der Lehrpläne klingt auf dem Papier gut, aber wir denken, dass die Fachkräfte vor Ort die entsprechenden Lösungen finden, auch anhand der entsprechend angepassten und vorhandenen Lehrpläne.
Des Weiteren ein Punkt aus meiner ganz eigenen Erfahrung zum Thema Schule: Ein Thema wurde nicht benannt, das ich als Lehrer oft genug erlebt habe. Gerade viele Träume und Lebenspläne junger Frauen aus dem Nahen oder Mittleren Osten sind sehr oft zerplatzt. Statt ihren Wunschberuf Pflegerin oder Ärztin zu ergreifen, landeten sie schon in jungen Jahren in der Rolle als Mutter am heimischen Herd. Es macht aus meiner Sicht durchaus einen Unterschied aus, ob man diese Rolle aufgrund des Familienzwangs unabhängig vom Herkunftsland oder - ich nehme diesen auch Trend wahr - ob man diese Rolle ganz bewusst als Frau oder meinetwegen als Mann annimmt.
Ich kann das aus meiner eigenen Erfahrung sagen: In jungen Jahren habe ich mich auch wesentlich mehr um meine Jungs gekümmert, weil es den beruflichen Gegebenheiten geschuldet war. Diese Entscheidungen, auch die Arbeitsteilung in einer Partnerschaft, sind Merkmale eines selbstbestimmten Lebens, und wir haben kein Recht, darüber ein Urteil zu fällen.
Ich bin in der Vorbereitung auf den Antrag auf ein Papier der Amadeu Antonio Stiftung gestoßen. Darin ist z. B. ein Punkt genannt worden - oder zumindest wurde sich in Zitaten darauf bezogen , der die Familie als Stütze der Gesellschaft als Teil antifeministischer Ideologie brandmarkt.
Das ist für mich an Absurdität kaum zu überbieten.
(Zustimmung bei der AfD - Zuruf von der AfD: Ja!)
Chancengleichheit von Frau und Mann erreicht man aus meiner Sicht nicht durch einen Kulturkampf, sondern durch die Achtung der Würde jedes Menschen. - Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der FDP - Zustimmung bei der CDU und bei der AfD - Jan Scharfenort, AfD: So einfach, so richtig!)

