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Plenarsitzung

Transkript

Tagesordnungspunkt 4

Aktuelle Debatte

Zukunft der Harzer Schmalspurbahnen sichern - Kulturerbe erhalten, Mobilität gestalten

Antrag Fraktion CDU - Drs. 8/6037


Erläutern wird diesen Antrag der Abg. Herr Gürth.

(Während der der Abgeordnete sich zum Rednerpult begibt, spielt er auf seinem Handy Geräusche einer Dampfpfeife ab - Zustimmung)

Herr Abgeordneter, das ist nicht protokollfähig. Aber es war schön. - Herr Gürth, bitte schön.

(Heiterkeit)


Detlef Gürth (CDU): 

Das ist doch Musik, ja? Das ist doch wirklich Musik. Eine Dampfpfeife, keine Hupe. 

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir kommen jetzt von dem Thema Elektromobilität, wo völlig unerklärlicherweise überhaupt nicht über die Umweltfreundlichkeit der Gewinnung der Rohstoffe für die Batterien in der Gesamtbilanz gesprochen wurde – zumindest nicht angemessen -, zu dem, was den Ursprung der Mobilität von Menschen in größeren Massen betrifft – teilweise. Wir reden heute nicht nur über Gleise, Dampfloks und Fahrpläne, sondern wir stehen hier, weil es um weitaus mehr geht. Es geht um Identität, es geht um Geschichte, aber es geht auch um Zukunft. Es geht um die einzigartigen Harzer Schmalspurbahnen, ein technisches Kulturerbe, das weit über die Region, über das Land, ja, weit über Deutschland hinaus Menschen anzieht und zu uns nach Sachsen-Anhalt bringt, weil wir etwas haben, das andere schon gar nicht mehr besitzen. Es geht um schienengebundenen Personenverkehr, um Dampfloks im Regelbetrieb seit dem Jahre 1887 ohne Unterbrechung, um Tourismus und um Wertschöpfung, die viel größer ist, als die meisten glauben. Es ist eine internationale Attraktion, die wir unbedingt erhalten sollten. 

Es geht insgesamt unter dem Strich um die Herausforderung, unserer Verantwortung für dieses Erbe gerecht zu werden und zu prüfen, welchen angemessenen Beitrag wir für die Zukunftsfähigkeit der weltweit größten Schmalspurbahn mit Dampfbetrieb im Regelbetrieb leisten können. Es geht auch um ein Signal, um ein Signal an die Gäste, an die Touristen, an die gesamte Touristikbranche, an Hoteliers, Gastronomie, Museen und vieles andere mehr. Aber es geht auch - und das nicht zuletzt, sondern von der Bedeutung eher an vorderer Stelle - um ein Signal an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, und zwar mehr als 280 bei den Harzer Schmalspurbaren und vielen weiteren in den mehr als zwei Dutzend Zulieferbetrieben, die täglich dafür sorgen, dass die Harzer Schmalspurbahnen als Verkehrssystem in Gänze funktionieren. 

(Zustimmung bei der CDU)

Das Signal soll sein: Wir wollen die Harzer Schmalspurbahnen gemeinsam in eine gesicherte Zukunft führen, gemeinsam mit dem Unternehmen und mit den Mitarbeitern, mit den Gesellschaftern und mit allen, die Verantwortung tragen. Wir wollen dafür sorgen, dass unsere Enkel und unsere Kinder ebenso wie wir noch erleben können, wie es ist, mit der größten Schmalspurbahn der Welt mit Dampflokomotiven durch den Harz zu fahren. Es ist lebendige Geschichte. 

Ich will sagen, es geht nicht darum, einfach anderen Geld wegzunehmen und es umzuschichten oder umzuschaufeln. Es ist auch ganz klar, die Verantwortung liegt natürlich zuallererst bei den Gesellschaftern. Das Land Sachsen-Anhalt   auch das will ich eingangs sagen   begleitet die Harzer Schmalspurbahnen, so, wie andere Unternehmen auch, die öffentlichen Personennahverkehr anbieten, bereits sehr engagiert. Ich möchte deswegen ausdrücklich den Kolleginnen und Kollegen im Verkehrsministerium   mit ihrer Sachkompetenz bringen sie sich regelmäßig sehr konstruktiv ein   und auch der NASA, der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH, danken,

(Zustimmung von Angela Gorr, CDU, und von Thomas Krüger, CDU)

die konstruktive Partner sind. 

Es geht also um eine konzertierte Aktion, darum, sich dieser Herausforderung zu stellen und zu zeigen, dass wir durch Bündelung von Know-how, gutem Willen und Ressourcen dieser Verantwortung gerecht werden. 

(Unruhe)

Die Harzer Schmalspurbahnen zählen zu den bedeutendsten Schmalspurbahnen der Welt, Kollege Tullner. Sie sind ein lebendiges Zeugnis deutscher Eisenbahngeschichte. 

(Zustimmung bei der CDU und bei der FDP)

Mit seiner Spurweite von 1 000 mm erstreckt sich das Streckennetz über mehr als 140 km durch den Harz, als lebendiges Zeugnis von Eisenbahngeschichte weltweit. Es gliedert sich in drei Hauptlinien, die Harzquerbahn, die Brockenbahn und die Selketalbahn, wobei die Selketalbahn landschaftlich eigentlich die schönste ist, dort, wo sie entlangfährt. Sie ist eigentlich auch die älteste; denn dort hat der Schmalspurbahnbetrieb vor rund 130 Jahren begonnen. 

(Zustimmung von Guido Heuer, CDU)

Die Harzer Schmalspurbahnen bedienen 48 Bahnhöfe und Haltepunkte. Darunter sind auch Endbahnhöfe wie Nordhausen-Nord, Quedlinburg und Wernigerode, wo der Übergang zum Normalspurnetz der Deutschen Bahn möglich ist, also von 1 000 mm auf 1 435 mm. 

Der Fuhrpark der Harzer Schmalspurbahnen umfasst eine beeindruckende Vielfalt historischer, aber auch moderner Fahrzeuge. Dazu gehören, was die historischen betrifft, unter anderem 25 Dampflokomotiven, von denen ungefähr sieben bis zehn einsatzbereit bzw. betriebsfähig sind, zwölf Diesellokomotiven, zehn Triebwagen und verschiedene Besonderheiten. 

Wenn Sie einmal in den Werkstätten der Harzer Schmalspurbahnen sind und die Leute, die dort seit Jahrzehnten arbeiten, auf eine gerade in der Werkstatt stehende Lok ansprechen, dann sehen Sie, die Leute kriegen glänzende, fröhliche Augen. 

(Zustimmung von Guido Heuer, CDU - Angela Gorr, CDU: Ja!)

Wenn sie über die 6001 sprechen, dann ist das ihre Püppi, dann ist das die Ballerina. Das ist eine Lok, die im Selketal eingesetzt wird, die ein bisschen schmaler ist und engere Kurvenradien fahren kann. Deswegen ist das Signal so wichtig. Ich sage, wir brauchen jeden einzelnen dieser 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie kann man nicht einfach auf dem Arbeitsmarkt einkaufen. Man hat sie oder man muss Anstrengungen unternehmen, vielleicht ohne Aussicht auf Erfolg, solche Fachkompetenz, so viel Herzblut und so viel Leidenschaft wieder zu erreichen.

(Zustimmung von Thomas Krüger, CDU)

Ich will darauf hinweisen, es ist natürlich ein lebendiges Denkmal, nicht irgendeines, ein lebendiges Denkmal deutscher Ingenieurskunst, ein Denkmal für Ausdauer und für die Liebe zur Heimat. 

Wer einmal durch den Harz gefahren ist, mit einer Dampflok auf den Brocken, durch das Selketal oder woanders entlang, der weiß sofort, das ist nicht ein Transport von A nach B. Das ist ein emotionales Erlebnis, eine Zeitreise, ein ganz starker emotionaler Moment. Das wollen wir auch unseren Kindern und Enkelkindern ermöglichen. 

(Zustimmung bei der CDU und bei der FDP)

Deswegen ist auch die Zukunftssicherung der Harzer Schmalspurbahnen kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. In einer Zeit, in der so vieles digitalisiert wird, in der so vieles schneller wird, in der aber auch vieles austauschbarer geworden ist, brauchen wir mehr denn je Orte der Beständigkeit. Die Harzer Schmalspurbahnen sind ein solcher Ort. Sie lehren uns Geduld, Wertschätzung, Respekt vor dem, was Generationen vor uns erdacht und erschaffen haben, was sie aufgebaut haben. 

Wir wissen, der Erhalt der Harzer Schmalspurbahnen ist eine Herausforderung, weil die Technik natürlich nicht stehen geblieben ist, sondern weil sich vieles darum herum verändert hat. Die Kunst ist es, Tradition, Moderne und Wirtschaftlichkeit unter einen Hut zu bringen. Das ist über viele Jahre vielen daran beteiligten Menschen gelungen. Jetzt müssen wir feststellen, wie überall, wie in anderen Branchen auch, stehen wieder neue Herausforderungen an. 

Im Jahr 2023 hat die Harzer Schmalspurbahnen GmbH ein Defizit in Höhe von 2,4 Millionen € erzielt. Ein Gutachten, das kursiert, prognostiziert bis zum Jahr 2045 einen hohen Investitionsbedarf. Dazu kommen natürlich die laufenden Kosten. Allein für Koks für die Dampfloks hat sich der Preis von 2021 bis heute ungefähr verdreifacht. All diejenigen, die mit dem Thema befasst sind, wissen, es ist nicht ein Hinterhertrauern liebgewonnener Gewohnheiten, sondern es gibt die reelle Chance, mitzuhelfen und dafür zu sorgen, dass genau dieses kulturelle Erbe, dieses technische Denkmal, diese Besonderheit, diese einzigartige, größte Schmalspurbahn der Welt mit Dampfloks im Regelbetrieb erhalten bleibt und auch wirtschaftlich in die Zukunft geführt wird. 

(Zustimmung von Thomas Krüger, CDU)

Mein Appell, mein Wunsch, der meiner Fraktion und, ich hoffe, aller hier im Landtag ist heute, dass wir gemeinsam kooperativ und konstruktiv mit den Gesellschaftern der Harzer Schmalspurbahnen dafür sorgen und unseren Beitrag dazu leisten, dass es eine gute Zukunft gibt und dass wir uns auch in den nächsten Jahrzehnten im Harz treffen können, in Drei Annen Hohne oder in Alexisbad. Ich freue mich schon darauf, Sie alle dort wiederzusehen. 

Gebt den Bahnen im Harz eine Zukunft. 

(Zustimmung bei der CDU und bei der FDP)


Vizepräsidentin Anne-Marie Keding: 

Vielen Dank, Herr Gürth.