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Dienstag, 18.06.2019

3 Termine gefunden

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10:25 Uhr Datum: 18.06.2019

Landtagspräsidentin Brakebusch hält Grußwort zur Fachtagung des Netzwerkes gegen Kinderarmut Sachsen-Anhalt "Baustelle Kinderarmut - IdeenREICH gegen KinderARMUT"

39104 Magdeburg, Alter Markt 6, Rathaus Magdeburg

13:00 Uhr Datum: 18.06.2019

Empfang der Landessieger Jugend forscht

39104 Magdeburg, Domplatz 6-9, Landtagsgebäude

18:00 Uhr Datum: 18.06.2019

Ökumenischer Jahresempfang der Kirchen in Sachsen-Anhalt 2019

Grußwort durch Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch
39104 Magdeburg, Domplatz, Remter und Kreuzgang des Domes zu Magdeburg

Plenarsitzung

Transkript

Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen (SPD):

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Bei aller Differenzierung zeigen die beiden eben gehörten Reden über die Situation an unseren Schulen auf, wie unterschiedlich die Wahrnehmung ist - Schein und Wirklichkeit.

Mit den sogenannten Effizienz steigernden Maßnahmen hat der Bildungsminister scheinbar nur an kleinen Stellschrauben gedreht. Er hat den Faktor für die schülerbezogene Stundenzuweisung für die Grundschulen um gerade einmal 0,1 verringert und für die Sekundarstufe von 1,48 auf 1,42.

Die bisherige Orientierung an einer mittleren Klassenfrequenz von 22 Schülern bleibt scheinbar unangetastet und die Klassenbildung obliegt natürlich wie bisher der Schulleitung.

Aber was bedeutet eine solche minimale Veränderung für unsere Schulen? Richtig ist, das größere Schulen bessere Möglichkeiten haben, diese Dinge zu kompensieren. Aber in Sachsen-Anhalt gibt es eben viele kleine und mittelgroße Schulen. Welche Möglichkeit der Klassenbildung hat beispielsweise eine Grundschule mit 60 Schülerinnen und Schülern? Eine Klasse muss mindestens 22 Schüler umfassen. Der Schulleiter hat also die Möglichkeit, maximal drei Klassen zu bilden. In der Regel werden dann die erste und die zweite Klasse zusammengelegt und es findet ein jahrgangsübergreifender Unterricht statt.

Jahrgangsübergreifender Unterricht ist nicht per se schlecht und führt nicht unbedingt zu einer Verschlechterung der Qualität. Aber jahrgangsübergreifender Unterricht ist immer dann gut, wenn man entsprechende Ressourcen hat, um die Möglichkeiten, die der Pädagogik zur Verfügung stehen, auszunutzen.

Das heißt, in der Regel findet jahrgangsübergreifender Unterricht nicht nur mit einer Lehrkraft, sondern mit einer Lehrkraft und einer pädagogischen Mitarbeiterin oder einer anderen Unterstützung statt. Jahrgangsübergreifender Unterricht ist also in der Regel nicht Effizienz steigernd, und er ist vor allen Dingen keine personaleinsparende Maßnahme.

Aber, dafür bin ich dem Minister ausdrücklich dankbar, das hat er ausdrücklich gesagt, diese Effizienz steigernder Maßnahmen waren notwendig, um die Unterrichtsversorgung zu sichern; denn ansonsten wäre möglicherweise die Situation in den Schulen noch schwieriger, als sie im Moment ohnehin schon ist; denn wir lesen im Moment an kaum einem Tag nicht in der Zeitung von Unterrichtsausfall, Notfahrplan und Kindern, die nach Hause geschickt werden.

(Zustimmung von Angela Gorr, CDU)

Ich glaube, alle sind froh darüber, dass in der nächsten Woche Herbstferien sind und sie sich in den zwei Wochen ein bisschen erholen können.

Ich weiß auch nicht, wie oft wir in den letzten Monaten über Bildungspolitik diskutiert haben, beispielsweise über Sprachlehrer, Lehrerbedarfe, pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aus meiner Sicht haben wir darüber eigentlich in jeder Landtagssitzung diskutiert, und die Bilanz ist ernüchternd. Das muss ich feststellen. Die Situation an den Schulen hat sich bisher jedenfalls nicht verbessert.

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich darauf verzichten, aufzuzählen, welche Vorschläge meine Fraktion gemacht hat, sondern ich will ausdrücklich konsensorientiert appellieren: Wir sind uns doch eigentlich darin einig, dass wir mehr Lehrerinnen und mehr Lehrer brauchen.

(Zustimmung bei der SPD)

Wir haben im Koalitionsvertrag ausdrücklich festgelegt, eine Unterrichtsversorgung von 103 % erreichen zu wollen. Dabei sind wir davon ausgegangen, dass wir das ohne Effizienz steigernde Maßnahmen erreichen.

Unser Ziel ist es, dass sich die Situation an den Schulen nicht nur scheinbar, sondern eben tatsächlich verbessert. Deshalb finde ich, wir brauchen jetzt ein klares Signal an die Schulen, aber eben auch an die Schülerinnen und Schüler im Land und an die Eltern, dass wir gemeinsam die Probleme anpacken. Wir bieten dem Minister ausdrücklich unsere Unterstützung an, wenn er mir zuhören würde.

Einige Teile, die zu einer Verbesserung beitragen, ergeben sich jetzt aus der vorgelegten Schulgesetznovelle. Die Regelungen zu Seiten- und Quereinsteigern sind ein guter Anfang. Deshalb lassen Sie uns ins Gespräch kommen; ins Gespräch über gute Bildung in unserem Land im Zusammenhang mit dem Schulgesetz, aber auch darüber hinaus.

Lassen Sie uns eine Art Allianz für Bildung gründen. Lassen Sie alle Beteiligten, die gute Ideen haben, die Anregungen haben, die Wünsche haben, an einen Tisch holen, um gemeinsam mit ihnen zu diskutieren. Dann erreichen wir nicht nur, dass wir ein Schulgesetz gemeinsam auf den Weg bringen können, das tatsächlich die aktuellen Probleme aufgreift und Lösungen anbietet, sondern dann erreichen wir auch eine Stimmung in den Schulen, dass sich die Betroffenen in ihren Problemlagen ernst genommen fühlen und dass sie merken, dass wir die Probleme nicht nur ansprechen, sondern dass wir uns gemeinsam auf den Weg machen, um diese Probleme zu lösen. - Vielen Dank.

(Beifall bei der SPD - Zustimmung bei der CDU)