Cookies helfen uns bei der Weiterentwicklung und Bereitstellung der Webseite. Durch die Bestätigung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden.

Mittwoch, 19.06.2019

2 Termine gefunden

ICS Export
20:00 Uhr Datum: 19.06.2019

Sommerfest des Landtages von Sachsen-Anhalt

Eröffnung durch Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch
39104 Magdeburg, Domplatz 6-9, Landtagsgebäude, Innenhof

Plenarsitzung

Transkript

Dr. Falko Grube (SPD):

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Vor drei Wochen war ich als sportpolitischer Sprecher meiner Fraktion zusammen mit den Kollegen von der CDU, der GRÜNEN und der LINKEN in der Landessportschule in Osterburg zu Gast. Anlass war eine gemeinsame Tagung der Präsidentinnen und Präsidenten der Stadt- und Kreissportbünde sowie der Fachverbände mit dem Präsidium des LSB.

Die AfD hat sich dort übrigens nicht blicken lassen.

(Oliver Kirchner, AfD: Wir haben Wahlkampf gemacht! - Mario Lehmann, AfD: Wir waren auf der Straße! - André Poggenburg, AfD: Wir waren für die Bürger auf der Straße!)

Wenn ich mir Ihren Redebeitrag eben angehört habe, dann war das auch kein Verlust. Mehr muss man zu dem Thema auch nicht sagen.

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Ein Thema in Osterburg waren die damals noch bevorstehende Bundestagswahl und die damit einhergehenden Forderungen des DOSB. Ein anderes Thema war das, was heute auch Gegenstand der Regierungserklärung ist, nämlich die gemeinsamen Aufgaben für Sport und Politik in den nächsten Jahren.

Im Rahmen der Diskussion kamen wir ganz schnell zu einem Thema, das wir alle zur Genüge kennen, nämlich dem Thema Ressourcen oder Geld. Ein Sportsfreund aus dem Jerichower Land fand, das ein bisschen schade. Er sagte, Sport sei doch viel mehr als Geld. Deshalb will ich zu Beginn meiner Rede drei Dinge sagen, die fast nichts mit Geld zu tun haben.

Zum Ersten will ich hier von dieser Stelle aus Dank sagen, nämlich Dank an all diejenigen, die sich für den Sport in unserem Land haupt-, aber eben vor allem ehrenamtlich engagieren, an all die Trainerinnen und Trainer, die Kampfrichterinnen und Kampfrichter, die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter, die Betreuerinnen und Betreuer und die Vorstände in den Vereinen und Verbänden, die Woche für Woche den Trainingsbetrieb sicherstellen, die Wochenende für Wochenende die Wettkämpfe ermöglichen und die Jahr für Jahr das Leben in den Vereinen gestalten. Ohne sie wäre Sport in diesem Land nicht möglich, ohne sie könnten die 341 000 Sportlerinnen und Sportler in den knapp 3 200 Sportvereinen in unserem Land ihrem Sport nicht nachgehen, ohne sie wäre das Leben in diesem Land um vieles ärmer. Deswegen gebührt ihnen von dieser Stelle aus unser aller Dank und unser aller Respekt.

(Beifall bei der SPD, bei der CDU, bei der LINKEN und bei den GRÜNEN)

Zweiter Punkt. Der Sport ist Kitt für unsere Gesellschaft. Wir reden ganz viel über das Thema sozialer Kitt. An dieser Stelle ist es mit Händen zu greifen. Sport bringt Menschen zusammen: Alt und Jung, Groß und Klein, Arm und Reich, Menschen mit Behinderung und ohne, mit Migrationshintergrund oder ohne. Sport lehrt Fairness und Respekt. Er lehrt vor allem, dass Gegner keine Feinde sind, sondern am Ende des Wettkampfs Kameradinnen und Kameraden. Er lehrt, dass das Team nur dann funktioniert, wenn alle mitgenommen und eingebunden werden. Sport ist Spaß, für viele Lebensinhalt und Heimat, für manche auch Familie. Sport verbindet und dafür gebührt ihm jede Unterstützung, die wir ihm geben können.

(Zustimmung von Guido Heuer, CDU, und von Wolfgang Aldag, GRÜNE)

Wer in der letzten Woche bei der fünften Ehrung für die Ehrenamtlichen im Sport im Innenministerium dabei war, der hat Menschen erlebt, die zum Teil seit 50 Jahren, ein ganzes halbes Jahrhundert lang, für ihren Verein da waren, da sind und auch dabei bleiben.

Wer das gesehen hat, dem ist eine Gänsehaut über den Rücken gelaufen. Mir jedenfalls ging es so. Es zeigt, wie wertvoll dieser Sport und diese Menschen für das Land sind. Ich finde, dieses Engagement kann man nicht hoch genug einschätzen.

(Beifall bei der SPD, bei der CDU und bei den GRÜNEN - Zustimmung von Minister Holger Stahlknecht)

Dritter Punkt. Sport ist gesund.

(Guido Heuer, CDU: Sport ist Mord!)

- Ja, es gibt sicherlich auch in diesem Haus den einen oder anderen Kollegen, der es eher mit Churchill hält, Sport ist Mord, aber das Gegenteil ist richtig.

(Zustimmung von Rüdiger Erben, SPD)

Sport ist gesund für den Körper. So gut wie alle gängigen Zivilisationskrankheiten werden durch Sport und Bewegung gemildert, und es ist auch gesund für den Geist, für die Stressbewältigung.

Wer hin und wieder eine Stunde beim Laufen im Park verbracht oder sich sonst irgendwie verausgabt hat, ohne Handy, E-Mail, Facebook und Co., der weiß, was ich meine. Hinterher fühlt man sich immer besser als vorher. In diesen bewegten Zeiten kann das nur gut sein.

Sie kennen alle den Ausspruch - und Latein ist ja irgendwie en vogue dieser Tage -:

(Zustimmung von Sebastian Striegel, GRÜNE)

In corpore sano sanus mens. Das wird üblicherweise übersetzt als: In einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist. Ich will es ein bisschen anders übersetzen: In einem fitten Körper steckt ein gesunder Geist.

Warum dieser kleine, aber feine Unterschied? - Der größte Beweis für die heilende und belebende Kraft des Sports sind für mich die Leistungen der paralympischen Sportlerinnen und Sportler im Breiten- und im Leistungssport.

Ich bin natürlich immer begeistert von den Leistungen der Sportlerinnen und Sportler im olympischen und nicht olympischen Sport, aber von den Menschen mit Behinderungen, die mit ihren Einschränkungen Leistungen vollbringen, zu denen ich ohne diese nicht in der Lage bin, bin ich besonders beeindruckt. Weil gerade diese Sportlerinnen und Sportler so selten im Rampenlicht stehen, war es mir ein Bedürfnis, es hier an diesem Pult einmal zu sagen.

(Beifall bei der SPD, bei der CDU und bei den GRÜNEN - Zustimmung von Birke Bull-Bischoff, DIE LINKE, und von Minister Holger Stahlknecht)

Was diese Sportlerinnen und Sportler leisten, zeigt, was möglich ist, wenn man sich bewegt.

Für das, was möglich ist, dass sich Menschen bewegen können, für den Rahmen, haben wir eine gemeinsame Verantwortung. Dabei bin ich bei der Regierungserklärung des Sportministers.

Sehr geehrter Herr Stahlknecht, ich bin froh, dass Sie den Sport in den Mittelpunkt einer Regierungserklärung gestellt haben. Er hat es verdient. Die Schaffung und Sicherung bestmögliche Rahmenbedingungen für den organisierten Sport in unserem Land sind nicht nur Ihnen ein wichtiges Anliegen, es liegt auch uns sehr am Herzen. Weil es so ist, unterstützen wir die Dinge, die Sie vorgetragen haben, voll und ganz.

(Zustimmung von Rüdiger Erben, SPD, und von Minister Holger Stahlknecht)

Das fällt uns umso leichter, als dass das keine völlig neuen Dinge sind. Das ist eine Entwicklung. „Sportland Sachsen-Anhalt“ ist nicht nur die Überschrift der heutigen Regierungserklärung und der Titel Ihres sportpolitischen Grundsatzpapiers, das ist auch und vor allem die Überschrift, die der Landessportbund seinem Strategiekonzept 2017 bis 2020 gegeben hat. Das heißt übrigens: „Gemeinsam Zukunft bewegen“. Über dessen Inhalte hat der Sport mit uns im Sport Kuratorium auch intensiv diskutiert.

Inhaltlich und praktisch ist es die Aufgabe des Sports, dieses Konzept umzusetzen. Dafür ist die Autonomie des Sports ein hohes Gut. Unsere Aufgabe als Land ist es, dafür den notwendigen Rahmen zu schaffen.

Der Minister hat in seiner Rede die Inhalte des Konzepts bereits ausführlich dargestellt. Ich will hier auf unnötige Wiederholungen verzichten, weil es tatsächlich eine sehr große Einigkeit gibt, und mich auf zwei Dinge konzentrieren.

Ich will die Punkte des Konzepts aber wenigstens noch einmal nennen. Man wird ja hin und wieder der Unrichtigkeit durch Auslassung beschuldigt. Dessen will ich mich hier nicht schuldig machen.

Ich will die Punkte nennen: Unterstützung des Ehrenamts, Beibehaltung der vereinfachten Sportförderung, Entwicklung der Sportstättenförderung, des Breiten-, Freizeit- und Gesundheitssports und - ein Zitat aus dem Sport selbst, aus dem Sportkonzept - „die Gleichstellung von Frauen und Männern, die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund“ - Klammer auf - übrigens aller Menschen - dafür sind sie es: Menschen nämlich - Klammer zu -, „die Inklusion von Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung, die Stärkung der Demokratie durch Vermittlung sportlicher Werte wie Fair Play oder Respekt vor dem sportlichen Gegner, um Diskriminierungsformen entgegenzutreten“, Talentfindung und  förderung, Weiterentwicklung der Eliteschulen des Sports, Förderung des Leistungssports und Förderung der Sportlerinnen und Sportler übrigens während und nach der Karriere.

Insgesamt stehen dafür fast 28 Millionen € - das besagt meine Zahl; wahrscheinlich ist es die Frage, was man alles hineinrechnet - aus dem Landeshaushalt zur Verfügung, und das soll auch so bleiben.

Die beiden Punkte, die ich herausgreifen möchte, haben beide jeweils mit einer Zäsur im sachsen-anhaltischen Sport zu tun.

Die erste Zäsur waren die Vorgänge im Jahr 2008, die zu der berühmt-berüchtigten Konsolidierungsvereinbarung geführt haben. Die Förderung selbst liegt seit dem Jahr 2013 mit der Pauschalförderung nach dem Sportfördergesetz wieder in den Händen des Sports. Sie erfolgt transparent und nach feststehenden Kriterien. Das ist gut so und soll auch so bleiben. Ich erwähne es aber deshalb, weil das Team im jetzigen Präsidium und Vorstand seit zehn Jahren sehr konsequent und erfolgreich dabei war und ist, diese Dinge von damals abzuarbeiten. Einiges ist noch immer offen. Weil es eine Arbeit ist, die niemand sieht, hinter den Kulissen, weil meistens Medaillen und Erfolge im Vordergrund stehen, finde ich, ist es an dieser Stelle ganz explizit einen großen Applaus wert.

(Zustimmung bei der SPD, bei der CDU, bei den GRÜNEN, von André Poggenburg, AfD, und von Minister Holger Stahlknecht)

- Ich weiß nicht, was Sie unter großem Applaus verstehen, aber wir üben das noch einmal.

Die zweite Zäsur ist die Leistungssportreform des DOSB. Dem sachsen-anhaltischen Sport werden ab dem Jahr 2018 zwischen 100 000 € und 150 000 € im Jahr fehlen. Das müssen und werden Land, Kommunen und Sport irgendwie ausgleichen. Als Stadtrat darf ich sagen, in Magdeburg werden wir das irgendwie hinkriegen.

(Andreas Schumann, CDU: Wir schaffen das!)

Am Ende muss aber das Prinzip gelten: Konzentration ja, aber weniger Geld nein. Dass man mit weniger Geld bessere Leistungen hervorruft, hat bisher an keiner Stelle funktioniert.

Sportfachlich hoffe ich, dass die Konzentration auf die Schwerpunktsportarten gute Ergebnisse bringt, auch wenn wir wissen, dass die Medaillen, und zwar egal auf welcher Ebene, nie planbar sind.

In diesem Sinne wünsche ich dem Sport in Sachsen-Anhalt weiter ein gutes Arbeiten und allen Sportlerinnen und Sportlern maximale Erfolge. Sport frei!

(Zustimmung bei der SPD und bei den GRÜNEN)