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Mittwoch, 26.06.2019

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Plenarsitzung

Transkript

Andreas Schumann (CDU):

Vielen Dank. - Sehr geehrter Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Mit dem Antrag zum Schutz des schriftlichen Kulturgutes wird eine wichtige Grundlage gelegt für den Erhalt dieser für die Geschichte unseres Landes überaus wichtigen und unersetzlichen Quellengattung.

Schriftliche Nachrichten verfasst der Mensch seit Jahrtausenden.

(Minister Marco Tullner führt an der Regierungsbank ein Gespräch)

- Ich dachte, der Bildungsminister hört mir auch zu. - In den Archiven unseres Landes werden Dokumente gelagert und untersucht, die deutlich älter als 1 000 Jahre sind.

Spektakulär sind natürlich die Verluste ganzer Bibliotheken und Bibliotheksteile. Der prominenteste Fall ist sicherlich der Verlust der berühmten antiken Bibliothek von Alexandria in Ägypten. Dort sind Schriftrollen aus der Antike unwiederbringlich verloren gegangen, vermutlich im dritten Jahrhundert.

Aber auch in jüngeren Zeiten haben wir teilweise gravierende Verluste zu beklagen. Genannt seien hier die durch die beiden Weltkriege vernichteten Urkunden. Darüber hinaus gehen auch in Friedenszeiten Urkunden und anderes bedeutendes Schriftgut verloren, wie etwa bei dem Archiveinsturz in Köln im März 2009 oder bei dem im Antrag genannten Brand der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar im September 2004.

In Weimar sind 50 000 Bücher verloren gegangen. Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs war so zerstörerisch, dass geschätzt 200 ausgebildete Restauratoren 30 Jahre und mehr mit der Schadensbeseitigung beschäftigt sein werden.

Auch in Magdeburg hat es gravierende Verluste zu beklagen gegeben, so etwa durch den Dombrand 1207 sowie die kriegerischen Zerstörungen in den Jahren 1631 und 1945.

Auch aus anderen Städten Sachsen-Anhalts kann man Ähnliches berichten.

Um den Erhalt des Kulturgutes geht es uns. Den täglichen Kampf der Bibliothekare, Archivare und Restauratoren gegen den berühmten Zahn der Zeit wollen wir unterstützen. Säure, Schimmel, Tintenfraß und Feuchtigkeit sowie schlechte Lagerbedingungen sind unsere Gegner.

Die Digitalisierung in unseren Archiven muss weiterhin unterstützt werden, um die Schätze und Urkunden der breiten Bevölkerung auch digital zugänglich zu machen, sie für die Nachwelt digital zu sichern und Originale dadurch zu schonen.

Das Sonderprogramm der Bundesregierung zum Erhalt des schriftlichen Kulturgutes fördert 50 % der Kosten. Was uns in Sachsen-Anhalt fehlt, ist ein flankierendes Landesprogramm für Bibliotheken und Archive.

(Unruhe)

- Soll ich kurz unterbrechen?

(Swen Knöchel, DIE LINKE: Es gibt Nebengeräusche!)

Ein solches Programm gibt es bereits in fast allen Bundesländern außer in Bremen, im Saarland und in Sachsen-Anhalt.

Meine Damen und Herren, aus dieser Liga müssen wir heraus. Es ist als Kulturland unsere Pflicht, an dieser Stelle zu handeln, wenn wir nicht wollen, dass dieses Programm zum großen Teilen an unserem Bundesland vorbeiläuft. Es ist für Stiftungs- und kommunale Bibliotheken sowie Archive wirtschaftlich unmöglichen, die fehlenden 50 % der Sanierungskosten allein zu tragen. Die Einrichtungen brauchen unsere Unterstützung. Lassen Sie uns also gemeinsam dafür Sorge tragen, dass die notwendigen rechtlichen Grundlagen gelegt werden und die Sanierung mit mehreren Partnern gesichert werden kann.

Und lassen Sie uns mittelfristig nicht dabei stehen bleiben.

(Unruhe)

- Es ist sehr unruhig. Es ist nicht sehr angenehm, gegen diesen allgemeinen Redeschwall zu sprechen.


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Ich möchte bitten, auf den Regierungsbänken rechts und links etwas mehr Disziplin zu wahren. Ich denke, dass es sehr störend ist, wenn man angesichts dessen einen Vortrag hält.

(André Poggenburg, AfD: Vor allem links!)


Andreas Schumann (CDU):

Mittelfristig ist im Bereich der wissenschaftlichen Aufarbeitung unserer Quellen sowie deren Erschließung und regelmäßigen Präsentation für die Öffentlichkeit ebenfalls noch viel zu tun.

Ich bitte um Zustimmung zu unserem Antrag und um die punktweise Abstimmung des Änderungsantrages. - Vielen Dank.

(Zustimmung bei der CDU und bei der SPD)