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Samstag, 14.12.2019

Keine Termine vorhanden.

Plenarsitzung

Transkript

Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen (SPD):

Danke. - Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn sogar die Fraktion die LINKE sagt, dass das Thema Schulsozialarbeit und die Umsetzung in Sachsen-Anhalt eine Erfolgsstory ist und an der aktuellen Situation nichts auszusetzen hat, dann zeigt das, dass wir hier eine Initiative auf den Weg gebracht haben und diese so umgesetzt haben, dass sie tatsächlich erfolgreich war. Das ist im Bildungsbereich nicht immer selbstverständlich. Deshalb herzlichen Dank an all diejenigen, die dazu beigetragen haben, dass dieses Projekt - es ist tatsächlich immer noch ein Projekt - umgesetzt werden konnte.

(Zustimmung von Angela Gorr, CDU)

370 Schulen, 400 Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter, die allein im Schuljahr 2016/2017 mehr als 20 656 Schülerinnen und Schüler erreicht haben, zeigen schon, welche Dimension das Thema Schulsozialarbeit tatsächlich hat.

Dass das heute so eine Erfolgsstory ist, ist aus meiner Sicht nicht selbstverständlich. Ich kann mich noch sehr gut an die anfänglichen Diskussionen erinnern. Es wurde schon am Anfang die Frage gestellt, was die Schulsozialarbeiter eigentlich machen sollen, die nicht an der Schule angebunden sind, sondern von außen kommen und auf die die Schule keinerlei Möglichkeit der Einflussnahme hat. Brauchen wir das? Heute - das muss man feststellen - kenne ich keine Schule, die nicht sagt, dass sie froh ist, dass sie ihren Schulsozialarbeiter oder ihre Schulsozialarbeiterin hat. Und wir stellen fest, dass viele Aufgabe, die durch die Lehrerinnen und Lehrer heutzutage nicht mehr selbst wahrgenommen werden, auf die Schulsozialarbeiter verlagert werden.

Ich habe es gerade in der Antwort auf meine Kleine Anfrage zum Thema Mediation gelesen: Mediation war früher ein typisches Instrument, mit dem Lehrerinnen und Lehrer versucht haben, eine gute Kommunikation innerhalb der Klassen und innerhalb der Schulen zu erreichen. Ich habe mit Erstaunen gelesen, dass mittlerweile das Thema Schülermediation hauptsächlich bei den Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern gelandet ist. Das zeigt mir, dass es einen Bedarf dafür gibt, und zwar in Bereichen, in denen Lehrerinnen und Lehrer auch aufgrund des gestiegenen Drucks und der höheren Anforderungen nicht mehr allein in der Lage sind, Schule zu gestalten.

Ja, es ist auch Realität, dass viele Kinder heute mehr Unterstützung und Förderung brauchen, sei es beim Erlernen der Sprache, sei es beim ganz normalen Lernen oder auch bei ganz alltäglichen Belangen. Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter sind Tag für Tag vor Ort, und ihnen gelingt es eben auch manchmal, frühzeitig Auffälligkeiten und Fehlzeiten zu entdecken und das Gespräch mit den Eltern zu suchen und zu vermitteln.

Insoweit ist mittlerweile die Einschätzung nicht nur seitens der Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch seitens der Eltern so positiv, dass wir im letzten Jahr, als wir über die Sinnhaftigkeit von Fragebögen diskutiert haben - Sie erinnern sich -, festgestellt haben, dass viele Eltern die Fragebögen ausgefüllt haben, weil sie gesagt haben: Wir finden es toll, dass ihr an den Schulen seid. Wir unterstützen eure Arbeit und füllen deshalb auch die Fragebögen aus, auch wenn wir manchmal nicht wissen, was im Ergebnis dabei herauskommt.

(Zustimmung von Angela Gorr, CDU)

Insoweit haben wir eine positiv hohe Rücklaufquote; und wir wussten am Anfang auch nicht, ob das tatsächlich umsetzbar ist.

Herr Minister sagte, es sei das Handlungsfeld Jugendhilfe am Lernort Schule. Dem muss ich ausnahmsweise ein bisschen widersprechen. Ich glaube, dass das, was wir in den letzten Jahren erleben, was Schulsozialarbeit an den Schulen leistet, viel mehr ist als Jugendhilfe. Denn der Vorteil von Schulsozialarbeit ist, dass sie auch außerhalb dieses relativ festgeschriebenen Kataloges, in dessen Rahmen Jugendhilfe aktiv werden kann, gerade im präventiven Bereich niedrigschwellig Gespräche mit den Eltern führen und auf die Eltern einwirken kann. Wenn beispielsweise festgestellt wird, dass ein Kind nicht die Lernmaterialien mitbringt, die es braucht, und deshalb wenig motiviert ist, mitzumachen, weil es nicht das notwendige Rüstzeug hat, dann kann in einem Gespräch des Schulsozialarbeiters mit den Eltern geklärt werden, dass die Dinge sukzessive angeschafft werden und das Kind wie alle anderen mitmachen kann.

Das ist kein Fall der Jugendhilfe. In diesem Fall würde die Jugendhilfe nie aktiv werden; da es an der nötigen Eingriffsschwelle fehlt. Deshalb ist aus meiner Sicht Schulsozialarbeit etwas, das in die Schulen gehört.

Ich habe mit Freude gehört, dass es Signale für die Verstetigung gibt. Sicherlich müssen wir uns darüber unterhalten, inwieweit wir auch die Kommunen dabei mit in die Pflicht nehmen, was die Finanzierung betrifft. Ich bin auch froh darüber, dass es ein klares Signal für die Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter gibt, die jetzt an den Schulen vor Ort tätig sind.

Im September sind die Projekte wieder ausgeschrieben. Die entsprechenden Träger können sich wieder bewerben. Ich glaube, es ist ein ganz wichtiges Signal, dass diejenigen, die Verträge nur bis zum August 2019 haben, auch über diesen Zeitpunkt hinaus gebraucht werden und dass wir möchten, dass sie sich wieder auf die entsprechenden Projekte bewerben.


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Frau Professor, Ihre Redezeit ist schon lange überzogen.


Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen (SPD):

Entschuldigung. Deshalb bitte ich um die Überweisung des Antrages in den Ausschuss für Bildung und Kultur; dort können wir dann über die Details im Zusammenhang mit den anderen Anträgen diskutieren. - Danke.

(Zustimmung bei der SPD)


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Aber Frau Bull-Bischoff hat noch eine Frage.


Birke Bull-Bischoff (DIE LINKE):

Es sollte wirklich versöhnlich sein. Aber man sollte es mit der Versöhnlichkeit auch nicht übertreiben. Mich hat der Satz, wir hätten nichts auszusetzen, dann doch ein bisschen an der Ehre gekratzt. Sie haben schon registriert, dass es uns um eine Regelaufgabe und um eine flächendeckende Präsenz geht. Das ist aber nicht mein Punkt, sondern ich will Sie vielmehr fragen: Finden Sie nicht auch, dass der Kollege Bildungsminister sich zwar sehr charmant, aber dennoch unverkennbar immer wieder um eine konkrete Aussage herummogelt?


Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen (SPD):

Zunächst bezog sich die Aussage, dass Sie zufrieden sind, auf den derzeitigen Zustand. In der Tat ist noch ungeklärt, wie die Zukunft aussieht. Ich glaube, es gibt innerhalb der Koalitionsfraktionen einen Konsens darüber, dass wir das Thema Schulsozialarbeit als Aufgabe in den Schulen verstetigen wollen. Darüber, wie wir das umsetzen wollen, werden wir im Ausschuss diskutieren. - Danke.