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Samstag, 19.10.2019

Keine Termine vorhanden.

Plenarsitzung

Transkript

Doreen Hildebrandt (DIE LINKE):

Danke, Herr Präsident. - Sehr geehrte Damen und Herren! Ich glaube, die Unterschiede der Positionen sind marginal.

Ein Biologe würde diese Rede folgendermaßen beginnen: Insekten und Blühpflanzen verbindet eine Koevolution über Jahrmillionen hinweg. Insbesondere die Bienen spielen dabei eine große Rolle. Die gemeinsame Entwicklung in der Erdgeschichte bedingt dabei die große Abhängigkeit voneinander. Ohne Bestäuber werden die Blütenpflanzen nicht befruchtet - ohne genügend Blütenpflanzen können die Bestäuber nicht leben.

Diese gegenseitige Abhängigkeit ist von hoher Bedeutung für den Schutz der Biodiversität, aber eben auch für die Nutzung von Pflanzen und besonders der Bienen in der Landwirtschaft. Der Mensch hat also durch seine intensive Nutzung der Natur eine hohe Verantwortung; denn der Verlust von Biodiversität schlägt unmittelbar auf die eigene Existenz zurück. Ich glaube, das haben alle hier im Raum begriffen.

Die Antwort der Landesregierung auf die Große Anfrage lässt daher kaum Grund zur Freude. Zwar steigt in den letzten Jahren die Zahl der Imkereien und der Bienenvölker - das haben wir heute schon mehrfach gehört -, aber dass Sachsen-Anhalt mit 0,67 Bienenvölkern pro Quadratkilometer das Bundesland mit den wenigsten Bienenvölkern ist, ist beunruhigend.

Alarmierend ist auch, dass derzeit mehr Bienenvölker in Städten als auf dem Land leben. An dieser Stelle ein Dankeschön an die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN für den Honig.

(Zustimmung bei der LINKEN)

Wenn Sie auf das Etikett schauen, dann stellen Sie fest, dass dieser Honig aus Magdeburg kommt.

(Sebastian Striegel, GRÜNE: Ja, regional produziert! - Stefan Gebhardt, DIE LINKE: Das schmeckt man doch bestimmt!)

- Genau so, in einer Stadt.

Was kann man also tun? - Ziel muss es zum einen sein, die Bienenvölker, die vorhanden sind, zu schützen. Zum anderen muss die Population insgesamt erhöht werden.

Dafür gibt es Lösungen, nämlich erstens das Nahrungsangebot zu sichern, damit die Bienen nicht verhungern. Ich war überrascht, als ich zum ersten Mal gelesen habe, dass Imker ihre Bienen füttern müssen, weil sie nicht genug Nahrung in ihrer Umwelt finden. Das liegt daran, dass in der modernen Agrarlandschaft Blühpflanzenarmut herrscht, Beikräuter auf Äckern als Erntegutverunreinigung oder Konkurrenz rigoros beseitigt werden, bienenfreundliche Ackerkulturen oder Randstreifen fehlen und es noch immer zu wenig mehrjährige Hecken- und Blühstreifen gibt.

Zweitens ist die Bienengesundheit zu fördern, insbesondere durch die Bekämpfung der Varroamilbe - das haben wir heute schon gehört - und durch den restriktiven Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft. Dazu habe ich noch eine Ergänzung, Herr Loth, nur als Randbemerkung: In Deutschland sind derzeit noch immer 31 Pflanzenschutzmittel zugelassen, die die Bienengesundheit massiv gefährden.

Drittens muss das Bewusstsein für die Bedeutung der Bienen bei allen Menschen geschaffen werden. Dazu gehören eine offensive Öffentlichkeitsarbeit sowie Marketingaktivitäten, bessere Vermarktung von regionalem Honig, aber auch Schulungs- und Beratungsangebote für Imkerinnen und Imker und die Neuimkergewinnung. Auch das haben wir schon gehört.

Innerhalb der Agrarpolitik muss Aspekten der Bienenhaltung bei der Gestaltung von Agrarumweltmaßnahmen besondere Beachtung geschenkt werden.

Diese drei Lösungsansätze umzusetzen schaffen die Imkerinnen und Imker nicht allein, auch wenn im Bereich der Forschung das Länderinstitut für Bienenkunden Hohen Neundorf e. V., das LIB, sehr gute Arbeit leistet. An dieser Stelle auch ein Dank dafür.

Wir sollten stärker auf unsere sehr gute Forschungsinfrastruktur zurückgreifen und die wissenschaftlichen Erkenntnisse einbeziehen. Dazu gehören neben dem LIB auch die MLU, das Umweltforschungszentrum und das iDiv in Leipzig.

Der Imkerverband Sachsen-Anhalt schlägt seit Jahren Alarm und fordert eine erfahrene Fachkraft, die den Imkerinnen und Imkern bei Problemen zur Seite steht, im Land unterwegs ist, ebenso wie in anderen Bundesländern ein staatlicher Bienenzuchtberater üblich ist. Dieser könnte nicht nur im Rahmen der Verbesserung der Bienengesundheit und der Verhinderung der Bienenvölkerverluste unterstützen, sondern auch den Wissenstransfer vorantreiben.

Der Bienenzuchtberater kann dann auch als Bindeglied zu den Landwirten fungieren und zur Sensibilisierung hinsichtlich der Bedeutung der Bienen beitragen. So wie es gute Gründe für die Zusammenarbeit zwischen Imkerei und Landwirtschaft gibt, gibt es auch schon gute Beispiele.

Wenn Sie im Sommer durch unsere schöne Börde fahren, sehen Sie vereinzelt Weizenfelder, die rot und blau von Mohn und Kornblumen umrandet sind. Vielleicht sind das die blühenden Landschaften, von der die CDU seit knapp 28 Jahren spricht.

(Eva Feußner, CDU: Wer die nicht sieht, hat ein Problem!)

Aber diese sind nicht die Regel. Es gibt auch Felder, auf denen jegliche Feldbegleitflora im Keim erstickt wurde, und das ist für die Bienen tödlich. Kluge Landwirte haben auch schon begriffen, dass mehrjährige Hecken- und Blühstreifen zur Regel in unserem Land werden müssen. Das hat ja nicht nur Effekte für den Insektenschutz, sondern bietet sich auch in Gewässernähe an, um den Schadstoffeintrag beim Düngen zu reduzieren.

Wenn Landwirt und Imker Hand in Hand arbeiten, könnten sie sogar den Pestizideinsatz so absprechen, dass die Bienen in dieser Zeit eingesperrt bleiben oder zu Zeiten Schädlingsbekämpfungsmittel ausgebracht werden, zu denen Bienen gerade nicht fliegen.

Das Land kann nicht nur die Imker in den Bereichen Bienennahrung, Bienengesundheit und Öffentlichkeitsarbeit unterstützen, sondern das Land muss dieses.

Ich wäre sehr gerne noch auf die Gesamtheit der Insekten eingegangen. Aber dazu reicht meine Redezeit nicht.

Nur noch einen Schlusssatz: Die Natur zeigt uns die Möglichkeiten von Koexistenz und Zusammenarbeit, gerade bei Bestäubern und Blütenpflanzen. Warum lernen wir denn nicht von ihnen? - Danke.

(Beifall bei der LINKEN - Zustimmung von Wolfgang Aldag, GRÜNE)