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Dienstag, 18.06.2019

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10:25 Uhr Datum: 18.06.2019

Landtagspräsidentin Brakebusch hält Grußwort zur Fachtagung des Netzwerkes gegen Kinderarmut Sachsen-Anhalt "Baustelle Kinderarmut - IdeenREICH gegen KinderARMUT"

39104 Magdeburg, Alter Markt 6, Rathaus Magdeburg

13:00 Uhr Datum: 18.06.2019

Empfang der Landessieger Jugend forscht

39104 Magdeburg, Domplatz 6-9, Landtagsgebäude

18:00 Uhr Datum: 18.06.2019

Ökumenischer Jahresempfang der Kirchen in Sachsen-Anhalt 2019

Grußwort durch Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch
39104 Magdeburg, Domplatz, Remter und Kreuzgang des Domes zu Magdeburg

Plenarsitzung

Transkript

Tagesordnungspunkt 5

Beratung

„Lesen durch Schreiben“ und vergleichbare Methoden abschaffen - Pädagogische Langzeitexperimente beenden

Antrag Fraktion AfD - Drs. 7/1740



Einbringer für diese Fraktion ist Herr Dr. Tillschneider. Herr Dr. Tillschneider, Sie haben das Wort.


Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Als wir mit dem Ausschuss für Bildung und Kultur im Mai dieses Jahres nach Valencia gereist sind, hatten wir neben vielen anderen Terminen auch einen Termin an einer Schule, an der Deutsch unterrichtet wird. Ausgewählte Schüler stellten sich vor, lasen deutsche Gedichte und plauderten ein wenig mit uns.

Ich habe geschwiegen, gelächelt und Beifall geklatscht, wie es sich bei solchen Anlässen gehört. Was uns die Schüler dort an Deutschkenntnissen vorgeführt haben, war aber dermaßen deprimierend, dass ich große Lust gehabt hätte, ein Krisengespräch anzufangen.

Die Schüler hatten schon zwei, drei Jahre Deutschunterricht genossen und waren doch kaum in der Lage, auch nur einen korrekten Satz zu bilden oder halbwegs flüssig zu sprechen. Dabei wurden uns diese Schüler noch als die Besten ihres Jahrgangs vorgestellt. Dann will ich nicht wissen, wie es bei den anderen aussah.

Die Lehrerin kam dann im Gespräch auf die Methoden ihres Deutschunterrichts und verkündete ganz stolz: Das, was wir an Grammatik machen, ist ein Witz. Wir machen kaum Grammatik. Wir unterrichten nach den neuen Methoden und lassen die Kinder sprechen.

Damit sind wir mitten im Thema. Der Glaube, man könne an der Schule eine Fremdsprache lernen, ohne sich mit grammatischen Regeln zu befassen, ist genauso falsch und schädlich wie der Glaube, man könne die deutsche Rechtschreibung lernen, ohne sich von Beginn an mit orthografischen Regeln zu befassen.

(Beifall bei der AfD)

Nach der von Jürgen Reichen entwickelten Methode „Lesen durch Schreiben“ sollen die Kinder Schreiben lernen, indem man ihnen unser Alphabet als eine Art phonetische Lautschrift vermittelt, was es aber nicht ist.

Eine Bildertafel erklärt die Lautwerte der Buchstaben. Dem A ist das Bild eines Affen zugeordnet, dem B das Bild einer Banane usw. Mithilfe dieser Bild-/Buchstabentabelle schreiben die Kinder die Worte rein nach Gehör. Deshalb wird die Methode langläufig auch „Schreiben nach Gehör“ genannt. Falsche Schreibweisen sollen während der ersten Jahre bewusst nicht korrigiert werden.

Das Ergebnis: Falsche Gewohnheiten verfestigen sich und müssen später mühsam wieder korrigiert werden. Die Kinder sind lange verunsichert und schreiben bis in die späten Klassen hinein immer wieder falsch und inkonsequent.

Die Frage, die wir uns nun stellen müssen, ist: Wie konnte solch ein Unsinn überhaupt als Methode anerkannt werden und dann auch an Schulen in Sachsen-Anhalt zur Anwendung kommen?

(Beifall bei der AfD)

Der gesunde Menschenverstand hätte einem doch sagen können, dass diese Methode nicht funktioniert. Mag sein, dass man das anders sieht, wenn man sich im Laufe seines Pädagogikstudiums weit genug vom gesunden Menschenverstand entfernt hat. Aber dann ist es eben Aufgabe der Politik, einer Handvoll durchgeknallter Pädagogen Einhalt zu gebieten.

(Beifall bei der AfD)

Dass auch die Politik lange nichts gegen diesen Irrsinn unternommen hat, sondern ihn noch gefördert hat, erklärt sich, wie ich meine, durch ein spezifisch ideologisches Moment.

(Birke Bull-Bischoff, DIE LINKE: Schwachsinn! Quatsch!)

In der Methode „Lesen durch Schreiben“ verdichten sich nämlich Kerndogmen des Alt-68er-Zeitgeistes.

(Zuruf von Birke Bull-Bischoff, DIE LINKE)

Gemessen an den Maßstäben der immer noch, aber hoffentlich nicht mehr lange, tonangebenden Teile des Establishments handelt es sich nämlich um ein attraktives Konstrukt. Die Methode „Lesen durch Schreiben“ atmet, wie jede linke Ideologie, den Geist der Rousseau‘schen Kulturkritik.

Der Mensch ist von Natur aus gut und wird durch die Gesellschaft verdorben. Die Konventionen der Gesellschaft und somit auch die Rechtschreibregeln erscheinen als Ketten, die es zu sprengen gilt. Die natürliche Neugier des Kindes, seine Spontanität und seine Individualität sollen sich so besser entfalten können.

Der Lehrer führt und formt die Schüler nicht mehr, er begleitet sie nur noch. Sie lernen selbsttätig nach eigener Interessenlage. Dort spielt auch das Ideal eines mühelosen Lernens herein. Durch die reine Tätigkeit „frei handeln“ soll gelernt werden. Sprache soll ohne Grammatik gelernt werden, Rechtschreibung ohne orthografische Regeln. Alles ganz von allein.

Eben dadurch aber verhindert diesen Methode genau das, was ihr vorgebliches Ziel ist, nämlich Bildung. Bildung ist die Aneignung von etwas, was mir zunächst fremd, unverständlich und unzugänglich gegenübersteht.

Die Regeln, nach denen wir schreiben sind solche Gegenstände. Es sind Konventionen. Sie müssen erkannt und verinnerlicht werden. Dazu muss Widerstand überwunden werden. Das kostet Mühe. Bildung ist nichts anderes als das Resultat dieser Mühe. Mit der Geistesbildung ist es wie mit der Körperbildung: Wenn die Muskeln nicht belastet werden, dann wachsen sie nicht, sondern verkümmern.

Wer also versucht, den Bildungsvorgang mühelos zu gestalten, der greift den Kern der Bildung an. Der macht damit Bildung unmöglich. Der ist wie einer, der meint, das Hanteltraining zu reformieren, indem er die Stahlgewichte durch Styroporgewichte ersetzt.

(Beifall bei der AfD)

An die Stelle echter Bildung tritt dann eine unproduktive Selbstbefriedigung, ein hohler Individualismus. Beim Erlernen der Rechtschreibung von Selbstentfaltung zu sprechen, ist doch absurd. Man muss die Rechtschreibung erlernen, um sich dann irgendwann vielleicht einmal entfalten zu können. Richtig schreiben zu können, ist aber nicht Ausdruck, sondern eine Voraussetzung von Selbstentfaltung.

Jemand, der sich aus sich selbst heraus bilden will, ohne sich mit Schweiß Bildungsgut angeeignet zu haben, gleicht dem Graf Münchhausen, der sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf herausgezogen haben will. Er belügt sich selbst.

Das reine Ich ist nichts, es verwirklicht sich, bildet sich erst, indem es sich auf Regeln, die es übergreifen, festlegt und so Anschluss an die Tradition gewinnt. Die Methode geht also von einem falschen Bildungsbegriff aus. Weiterhin liegt ihr eine trügerische Projektion des Erwachsenenbewusstseins in die Kindheit zugrunde.

Einfacher gesagt: Wenn Dr. Reichen ein Kind wäre und noch nicht rechtschreiben könnte, würde er die deutsche Rechtschreibung vielleicht nach seiner Methode am besten erlernen. Kinder aber verfügen in aller Regel noch nicht über den systematisch geschulten Erkenntnishunger promovierter Mitdreißiger. Sie sind leider oft faul und uninteressiert und müssen deshalb erzogen und in die richtige Spur gesetzt werden. Sie bedürfen der Führung und Kontrolle.

(Zuruf von Hendrik Lange, DIE LINKE)

Die Anhänger der Methode von Dr. Reichen, wie auch anderer Ansätze der sogenannten Reformpädagogik, träumen den Traum einer wiedergewonnenen Naivität, den Traum einer Rückkehr ins Paradies, den Traum eines mühelosen Lernens und geben sich damit hochgradig irrationalen Erlösungshoffnungen hin.

(Beifall bei der AfD)

An die Adresse dieser Lehrer und Politiker sage ich: Bitte schön, tut das, wenn es euch Freude macht, aber lasst dabei unsere Kinder aus dem Spiel!

(Beifall bei der AfD)

Es ist abscheulich, dass Erwachsene ihre utopischen Fantasien auf dem Rücken unserer Kinder ausleben. Das wiederum hat die Methode „Lesen durch Schreiben“ mit den Frühsexualisierungsexperimenten in Kita und Grundschule gemeinsam: Die Kinder werden zum Versuchsmaterial. Aus dieser Methode spricht der Geist des Menschenexperiments und, was damit zusammenhängt, auch ein unangemessenes aus den Naturwissenschaften entlehntes Fortschrittsdenken.

Das Gerede von neuen pädagogischen Methoden ist im Grunde ein Widerspruch in sich. Es gibt nämlich in den Geisteswissenschaften oder Humaniora, wie es früher hieß, auf Englisch Humanities, also den Wissenschaften vom Menschen, keinen Fortschritt. Diese Wissenschaften sind recht verstanden nichts anderes als der immerwährende Versuch, die eigene Zeit im Rückgang auf die Tradition zu verstehen. Die Methoden sind hier in Europa seit mindestens 2 000 Jahren die gleichen: Lesen und Verstehen und das Verstandene dann in Sprache und Text ausdrücken.

In den Geisteswissenschaften gibt es keinen Fortschritt. Was es aber gibt, das ist die Blütezeit und die Dekadenz. Der Aufstieg und das Herabsinken von einstigem kulturellen Hochstand auf ein Idiotenniveau. Eben das erleben wir zurzeit in unserem Schulsystem.

(Beifall bei der AfD)

Eine Ursache für den Niedergang des Bildungsniveaus nicht nur in Sachsen-Anhalt und Deutschland, sondern in der gesamten westlichen Welt, sind die methodischen Innovationen der sogenannten Reformpädagogik, die oft schon von dem Zweiten Weltkrieg erdacht wurden, dann aber erst im Zuge der vermaledeiten 68er-Bewegung breite Anwendung gefunden haben.

Sie führen zu katastrophalen Ergebnissen, verblöden die Kinder und verschwenden ihre Zeit. Deshalb ist die AfD-Fraktion fest entschlossen, zum Schutz unserer Kinder gegen diesen Irrsinn an unseren Schulen konsequent vorzugehen.

(Beifall bei der AfD)

Als einen ersten Schritt in der von uns angestrebten pädagogischen Wende um 180 Grad fordern wir, die Methode „Lesen durch Schreiben“ per Erlass zu verbieten. Weshalb dieser Weg?

(Hendrik Lange, DIE LINKE: Genau!)

Nach § 27 des Schulgesetzes des Landes Sachsen-Anhalt entscheidet die Schulkonferenz als demokratisches Vertretungsorgan der Schule unter anderem über pädagogische Konzepte und Grundsätze. Weil niemand zentral erfasst, was die Schulkonferenzen beschließen, weiß die Landesregierung überhaupt nicht, an welchen Schulen die Methode „Lesen durch Schreiben“ angewandt wird. Man sieht, die Kenia-Koalition macht ihrem Namen alle Ehre und macht aus Sachsen-Anhalt eine Bananenrepublik.

(Beifall bei der AfD)

Unterricht und Lehre beruhen auf Autorität, Erfahrung und Wissen. Sie sind kein Gegenstand demokratischer Verhandlung. Die etablierten Parteien führen die Demokratie dort ein, wo sie nicht hingehört und bauen sie dort ab, wo sie hingehört.

Wichtige politische Entscheidungen werden gegen den Willen des Volkes getroffen, während Systeme wie die Schule und die Universität durch die Demokratisierung von Prozessen, die nicht demokratisch angelegt sind, Schaden nehmen.

(Birke Bull-Bischoff, DIE LINKE, lacht)

Wenn Sie etwas Gutes für die Demokratie tun wollen, dann senken Sie die Hürden für Volksentscheide und Volksbegehren, aber verschonen Sie bitte Schule und Universität von einem pseudodemokratischen Repräsentationspopanz, der wertvolle Energie bindet und das Geistesleben in ein bürokratisches Korsett zwängt.

(Beifall bei der AfD)

Wir wollen die Demokratie dort stärken, wo sie hingehört. Systeme aber, die ihrem Wesen nach nicht demokratisch aufgebaut sind, dürfen nicht demokratisiert werden. Dass Schulen und Universitäten demokratisch zu organisieren seien, ist eine kranke 68er-Idee, die auf den Müllhaufen der Geschichte gehört, und das so schnell wie möglich.

Die pädagogischen Methoden, nach denen unterrichtet wird, sind einfach durch das Bildungsministerium vorzugeben, wobei sich das Ministerium an der bewährten Tradition zu orientieren hat. Wenn das Bildungsministerium solche Entscheidungen der einzelnen Schule überlässt, dann stiehlt es sich aus einer pädagogischen Verantwortung.

- Das zum einen.

Außerdem hat das Bildungsministerium eine gewisse Einheitlichkeit des Bildungswesens in Sachsen-Anhalt zu gewährleisten und müsste allein schon deshalb vorgeben, welche Methoden landesweit anzuwenden sind und welche nicht und auch welche Bücher landesweit zu benutzen sind.

Wenn wir fordern, die Methode „Lesen durch Schreiben“ zu verbieten, dann verfolgen wir damit drei Hauptziele. Erstens wollen wir mehr Einheitlichkeit im Bildungswesen. Die Zersplitterung des Schulunterrichts selbst in einem Bundesland muss ein Ende nehmen. Zweitens wollen wir die Macht der Schulkonferenz beschneiden. Demokratie muss dort gestärkt werden, wo sie hingehört, auf der Ebene der politischen Entscheidung, nicht aber im Schulwesen. Drittens wollen wir einmal an einem ganz konkreten Beispiel zeigen, worin die bildungspolitische Wende, auf die wir hinarbeiten, besteht.

(Hendrik Lange, DIE LINKE: Genau!)

Keine Experimente.

(Hendrik Lange, DIE LINKE: Autoritär!)

Unterricht nach bewährten Methoden. Klare Regeln für unsere Kinder von klein auf, weil sie nur so zu tüchtigen Bürgern heranwachsen. Das betrifft sowohl die Rechtschreibung als auch das Verhalten. Schluss mit dem pädagogischen Laissez-faire, Schluss mit der Beliebigkeit, Schluss mit der permissiven Pädagogik, für Stränge, Klarheit und Wahrheit Klarheit.

(Beifall bei der AfD - Lachen bei der LINKEN - Birke Bull-Bischoff, DIE LINKE: Ja! - Swen Knöchel, DIE LINKE: Diensteintritt für so etwas! - Heiterkeit bei der LINKEN - Zuruf von André Poggenburg, AfD)