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Mittwoch, 19.06.2019

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20:00 Uhr Datum: 19.06.2019

Sommerfest des Landtages von Sachsen-Anhalt

Eröffnung durch Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch
39104 Magdeburg, Domplatz 6-9, Landtagsgebäude, Innenhof

Plenarsitzung

Transkript

Doreen Hildebrandt (DIE LINKE):

Danke schön, Frau Präsidentin. - Sehr geehrte Damen und Herren! Ich wollte es eigentlich kurz machen, aber meine Vorredner erlauben mir vielleicht noch ein paar Bemerkungen.

Um es ähnlich launig zu beginnen wie Herr Keindorf: Der Antrag mit dem schönen Titel „Berufsschulen als Motoren des dualen Systems weiter stärken“ spricht mir nämlich nicht nur aus dem Herzen, weil der Titel Verkehrspolitik mit Ausbildungsmarktpolitik verbindet, sondern weil Sie offensichtlich erkannt haben, dass Sie Korrekturen am bisherigen Kurs der Vernachlässigung der Berufsschulen durch Einsparungen, Zusammenlegungen und der zu geringen Ausbildungszahl von Berufschullehrern vornehmen müssen.

Ich möchte ein Beispiel nennen, weil Frau Kolb-Janssen gerade das Erfolgsprojekt BRAFO - das muss man wirklich zugeben   genannt hat. Wäre dieses Projekt nicht mit solch heißer Nadel gestrickt worden und wäre es ein bisschen durchdachter gewesen, dann hätte es nicht bei privaten Bildungsträgern durchgeführt werden müssen, sondern hätte von Anfang an in den Berufsschulen laufen können, auch das wäre bedenkenswert gewesen.

(Beifall bei der LINKEN)

Alles, was in dem Antrag der Koalition steht, ist tatsächlich notwendig, um die Ausbildung im dualen System zu stärken. Ich muss aber leider Herrn Keindorf und Herrn Tullner ein Stück weit wiedersprechen. Die Werbung für Studienberufe an Hochschulen hat wenig mit dem von beiden Rednern richtig beschriebenen Fachkräftemangel in der dualen Ausbildung zu tun. Das ist mehr eine Geschichte des demografischen Wandels, der Entwicklung der Geburtenzahlen nach der Wende.

Ich warne davor, die Systeme der dualen Ausbildung, der schulischen Ausbildung und der Hochschulausbildung gegeneinander auszuspielen.

(Beifall bei der LINKEN)

Wenn wie dahin kommen, dann studiert irgendwann niemand mehr Lehramt an berufsbildenden Schulen.

Ich freue mich besonders, dass auch das Azubiticket Erwähnung findet und verweise auf meine Rede zum öffentlichen Verkehr, die ich später halten werde. Um die Attraktivität der betrieblichen Ausbildung zu stärken, wie Sie es in Ihrer Begründung schreiben, reicht die Stärkung der Berufsschulen allein nicht aus. Deshalb legen wir unseren Änderungsantrag in der Drs. 7/1781 vor. Mit diesem Antrag wollen wir Ihren Antrag, dem wir vollumfänglich zustimmen können, um einen Punkt erweitern wollen.

Wenn die Wirtschaft heute Fachkräfte gewinnen will, dann muss sie zwangsläufig tiefer in die Tasche greifen. Manche Betriebe tun dies bereits, indem sie den Azubis neben der Ausbildungsvergütung Sonderleistungen zukommen lassen, beispielsweise zahlen sie die Fahrtkosten oder stellen ihnen einen Laptop zum Lernen zur Verfügung stellen.

Dennoch erweist sich gerade in den Handwerksberufen die Suche nach geeigneten Azubis als schwierig. Das ist eigentlich logisch. Wenn mein Sohn sich um eine Ausbildung zum Elektroniker mit der Fachrichtung Automatisierungstechnik bewerben würde, täte er dies bei den Elektromeisterbetrieben in Haldensleben, Magdeburg und Wolfsburg. Er würde sich natürlich auch bei Siemens und E.ON Avacon bewerben.

Angenommen er bekäme mehrere Zusagen, was aufgrund des Bewerbermangels nicht unwahrscheinlich ist, dann würde er bei Siemens eine Ausbildungsvergütung in Höhe von 936 € im ersten Lehrjahr erhalten und bei dem Handwerksbetrieb daneben eine Ausbildungsvergütung in Höhe von 500 €. Die Zahlen sind übrigens auf der Seite „Berufenet“ der Bundesagentur für Arbeit nachlesbar. Zwischen Handwerk und Industrie besteht also eine große Diskrepanz. Die Handwerksbetriebe zahlen einfach weniger. Das hat historische Gründe. Bei der Industrie steht auch etwas ganz anderes dahinter. Aber hierbei geht es um die Ausbildungsbedingungen.

Die Ausbildungsvergütung eines Elektronikers der Fachrichtung Automatisierungstechnik ist im Vergleich noch recht gut. Bei Friseurinnen und Friseuren, bei Anlagenmechanikerinnen und Anlagenmechanikern für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik liegen die tariflichen Vorgaben so niedrig, dass sich kaum noch ein junger Mensch für solch eine Ausbildung entscheidet. Die Folge ist ein gravierender Fachkräftemangel in diesen Berufen.

Eine einheitliche Mindestausbildungsvergütung, wobei die Betonung bei uns genau wie beim Mindestlohn auf dem Wort „mindest“ liegt, würde diese Situation entschärfen und das duale System insgesamt attraktiver machen. Deshalb bitte ich Sie um Zustimmung zu unserem Änderungsantrag.

Noch ein Wort zum Änderungsantrag der AfD. Frau Dr. Kolb-Janssen hätte es nicht besser sagen können: Der DQR ist festgeschrieben, weshalb wir Ihren Antrag ebenfalls ablehnen. - Danke.

(Beifall bei der LINKEN)