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Sonntag, 16.06.2019

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11:00 Uhr Datum: 16.06.2019

Landtagspräsidentin beim LandFrauenverband Sachsen-Anhalt

Grußwort als Schirmherrin zum Aktionstag „Hereinspaziert in lebendige Dörfer“ des LandFrauenverbandes Sachsen-Anhalt
Handelsgärtnerei van Ameron, Hinterdorfstraße 3, 39343 Ostingersleben

Plenarsitzung

Transkript

Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen (SPD):

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Chancen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, nach der Ausbildung übernommen zu werden und erfolgreich ins Berufsleben einsteigen zu können, waren noch nie so gut wie jetzt. Aber trotz dieser guten Startbedingungen sind sowohl Unternehmen als auch Auszubildende zumindest teilweise unzufrieden.

Eine Umfrage im letzten Jahr in den neuen Bundesländern hat ergeben, dass 80 % der Jugendlichen mittlerweile eine Lehrstelle in ihrem Wunschberuf bekommen. Trotzdem bricht ungefähr ein Drittel die Ausbildung ab, in einzelnen Berufen sind es weitaus mehr. Unternehmerinnen und Unternehmer beklagen, dass sie zu wenige und nicht die geeigneten Bewerber für ihre Lehrstellen finden.

Deshalb ist es aus meiner Sicht eine der zentralen Fragen im Bildungsbereich, mit der wir uns auseinandersetzen müssen, wie wir es schaffen, dass alle Jugendlichen, die eine Ausbildung beginnen, auch einen Abschluss erreichen. Damit hat sich der Landtag bereits mehrfach in Fachgesprächen auseinandergesetzt. Wir haben auch schon herausgefunden, welche Gründe hierfür vorliegen.

Es war nicht nur eine Ursachenanalyse, sondern auf der Grundlage dieser Feststellung sind auch eine Reihe von Maßnahmen ergriffen worden, beispielsweise das Projekt BRAFO im Bereich der Berufsorientierung. Das ist ein sehr erfolgreiches Projekt, mit dem man neue Ausbildungsberufe an die Schülerinnen und Schüler ab der siebenten Klasse heranträgt, um ihnen zunächst einmal eine Vorstellung davon zu vermitteln, was beispielsweise der Unterschied zwischen einem Mechaniker und einem Mechatroniker ist.

Wir haben für diejenigen, die Defizite haben, auch spezifische berufsvorbereitende Maßnahmen, beispielsweise eine assistierte Ausbildung, mit denen gute Erfahrungen gemacht worden sind. Insgesamt gibt es also ein umfassendes Maßnahmenbündel. Man kann nicht behaupten, dass wir zu wenig Maßnahmen hätten, sondern tatsächlich - das habe ich auch bei Herrn Keindorf herausgehört - ist es manchmal schwer, noch den Überblick zu behalten, welche Maßnahme für welchen Jugendlichen die geeignete ist. Deshalb wünschen wir uns ein bisschen mehr Einheitlichkeit, eine Vereinfachung und vielleicht auch noch einen besseren Wegweiser für die Jugendlichen durch diesen Dschungel an Fördermöglichkeiten.

Ein neues Projekt soll genau das leisten, und zwar das Projekt Rümsa. Das ist ein regionales Übergangsmanagement. Hierbei sollen auf kommunaler Ebene, also ausgehend von den jeweiligen regionalen Bedingungen, Bündnisse geschlossen werden zwischen Schulen, Unternehmen und auch denen, die im Bereich anderer Ausbildungsmöglichkeiten unterwegs sind, sodass man tatsächlich diejenigen, die auf diesem Markt aktiv sind, auch zusammenbringt.

Wenn man sich genau die Faktoren anschaut, die dafür ausschlaggebend sind, ob jemand seine Ausbildung erfolgreich zu Ende führt, dann stellt man fest, dass es zum einen die Qualität des Schulabschlusses ist. Das heißt, wer nur einen Hauptschulabschluss hat, bricht häufiger ab. An dieser Stelle sind wir wieder beim Thema Bildung.

Ein weiterer Grund für Ausbildungsabbrüche ist die geringe Ausbildungsvergütung. In diesem Bereich erreicht Sachsen-Anhalt im Moment immer noch keinen Spitzenplatz. Insoweit habe ich eine gewisse Sympathie für den Antrag der Fraktion DIE LINKE, was eine Mindestausbildungsvergütung betrifft.

Ich glaube aber, wir sollten dennoch zunächst vor Ort versuchen, mit den Unternehmerinnen und Unternehmern darüber zu reden, dass eben an der einen oder anderen Stelle auch die Höhe der Ausbildungsvergütung dafür entscheidend ist, ob sie ihre Lehrstellen tatsächlich auch besetzt bekommen und die Fachkräfte gewinnen können, die sie für die erfolgreiche Entwicklung ihres Unternehmens brauchen.

Ein letzter Punkt betrifft die finanziellen Belastungen infolge langer Wege und hoher Fahrtkosten. Hierzu haben wir ein Azubiticket in der Koalitionsvereinbarung vereinbart. Ich habe mit Freude gehört, dass das auch der Bildungsminister unterstützt. Ich bin mir sicher, dass wir dafür auch die entsprechenden rechtlichen Regularien finden werden, um die Ausbildungsverordnung bzw. die Richtlinien so zu ändern, dass wir den jungen Leuten entgegenkommen können, dass nicht letzten Endes die Ausbildungsvergütung gerade einmal ausreicht, um die Fahrtkosten aufzubringen.

Zu dem Änderungsantrag der AfD-Fraktion, was die Gleichwertigkeit der Qualifikation des Meistertitels betrifft, muss man keine großen Diskussionsrunden anstrengen. Es gibt den deutschen Qualifikationsrahmen. Darin ist bereits festgestellt, dass der Meistertitel den Grad 6 hat und damit dem Bachelor gleichgestellt ist.

Was das Anliegen betrifft, das Erlangen eines Meistertitels zu fördern, möchte ich darauf verweisen, dass das Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung vor wenigen Wochen eine entsprechende Initiative gestartet hat und die Meisterprämie mit einem Budget in Höhe von 2,6 Millionen € auf den Weg gebracht hat. Ich glaube, das dient tatsächlich auch dem Anliegen, sodass es dieses Antrages nicht bedarf und wir ihn ablehnen werden. - Vielen Dank.

(Beifall bei der SPD)