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Freitag, 20.09.2019

Keine Termine vorhanden.

Plenarsitzung

Transkript

Andreas Schumann (CDU):

Vielen Dank, Herr Präsident. - Sehr geehrte Damen und Herren! Ich habe eigentlich ein Redekonzept vorbereitet, das kann ich aber eigentlich in die Tonne kloppen. Nach dem, was hier gerade abgegangen ist, muss ich andere Worte loswerden.

Herr Tillschneider, es gehört sich für uns Politiker nicht, in die Autonomie eines Theaters in Bezug auf den Spielplan einzugreifen. Das ist nicht in Ordnung.

(Beifall bei der CDU)

Man muss nicht begeistert von dem sein, was die TOO Halle inszeniert. Das muss man nicht. Ich bin es vielleicht auch nicht. Aber das gehört sich in dem Fall nicht.

Ich wollte aber viel tiefer gehen. Wir bekennen uns ganz klar und eindeutig zur Förderung der Theater und Orchester in unserer Kulturlandschaft.

Wir sind wirklich sehr froh     Ich spreche auch im Namen meiner Kollegen. Ich kenne wirklich alle Orchesterkollegen in Halle. Ich habe in beiden Orchestern - damals waren es noch zwei Orchester, zwischenzeitlich haben sie fusioniert - gespielt. Ich kenne die Kollegen wirklich gut und sie sind heute heilfroh, dass die Kultur einen höheren Stellenwert gefunden haben, indem sie nämlich an die Staatskanzlei angedockt worden ist. Wir sind auch froh, Herr Robra, dass Sie Verantwortung für unsere Kultur übernehmen.

Wir haben damit eine bessere Wahrnehmung, mehr Gewicht und in der Außendarstellung sind wir mit einer höheren Akzeptanz gesegnet.

Ich möchte betonen, dass wir auch in Zukunft die Theater- und Orchesterlandschaft fördern und unterstützen werden. Wir werden unserer Verantwortung gerecht. Wir werden dem Bildungsauftrag der Theater und Orchester die notwendige ideelle und materielle Begleitung geben.

Ich muss Ihnen aber sagen, dass der Antrag der Fraktion DIE LINKE klar abzulehnen ist. Bis jetzt liegen für uns keinerlei detaillierte Informationen aus der TOO Halle vor. Es handelt sich vielmehr um Zahlen, die wir aus der Zeitung haben. Es sind ein paar Zahlen durchgesickert. Man müsste erst einmal konkret wissen, wo es klemmt.

Wenn es, wie es in der „MZ“ zu lesen war, zu einem strukturellen Defizit der TOO Halle gekommen sein sollte, dann sehen wir zuerst die Stadt Halle in der Pflicht, dieses auszugleichen.

Ich erinnere mich sehr gut: Im Jahr 2015 hatte das Theater Magdeburg, dem ich angehörte bzw. das mich beurlaubt hat, durch verschiedene Gründe ein strukturelles Defizit von mehr als 500 000 €. Nach einer kurzen Debatte im Stadtrat der Landeshauptstadt hat die Stadt Magdeburg dieses Defizit ausgeglichen.

Andere Städte müssen es auch tun, das muss man ganz klar sagen. Man muss auch gucken, wer der Aufsichtsratsvorsitzende der TOO Halle ist. Man kann dann ein wenig tiefer gucken.

Der vorliegende Antrag der Fraktion DIE LINKE zielt vollkommen in die falsche Richtung. Ein Öffnen der Theaterverträge zur jetzigen Zeit zugunsten eines Standortes ist nicht anzuraten; denn dann hätten alle Theater das Recht auf Nachverhandlungen.

Wir bekennen uns ganz klar zu unserem Alternativantrag, in dem es unter anderem heißt: Der Landtag sichert zu, auch über das Jahr 2018 hinaus den Theatern und Orchestern mithilfe von Zuwendungsverträgen für mindestens weitere fünf Jahre Planungs- und Finanzierungssicherheit zu bieten.

Darüber hinaus steht in unserem Antrag: Wir bitten die Landesregierung deshalb, zeitnah Verhandlungen zu neuen Theaterverträgen aufzunehmen. Das wurde hier bereits zugesichert.

Wir werden auch der speziellen oder besonderen Situation der Stadt Halle und der TOO Halle Rechnung tragen müssen. Wir werden vielleicht neue Wege gehen müssen, damit die TOO Halle auch in Zukunft eine Zukunft hat.

Ich rede jetzt über meine Kollegen; denn sie betrifft es letztlich. Wir müssen für die Leute einstehen, die dort beschäftigt sind. Ich bin optimistisch, dass wir der TOO Halle in einem größeren Umfang, als es bisher geplant ist, in guten Gesprächen eine Zukunft geben können.

Das ist für mich verantwortungsvolle und gestalterische zukunftsweisende Kulturpolitik. Dies geht aber nur in Gesprächen. Es geht auch darum, dass wir die anderen Kulturstandorte dieses Landes, für die wir alle verantwortlich sind, in den Gesprächen mitnehmen.

Deshalb bitte ich Sie um Zustimmung zu unserem Alternativantrag. - Vielen Dank


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Herr Schumann, Herr Dr. Tillschneider hat sich zu Wort gemeldet.


Andreas Schumann (CDU):

Gern.


Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Ich habe eine kurze Anmerkung. Ihr Lob der Kunstfreiheit ist eine billige Geschichte, weil

(Zurufe von der SPD und von den GRÜNEN)

das Establishment am Theater in diesem Land genau das macht, was das Establishment in der Politik will.

(Zuruf von Swen Knöchel, DIE LINKE)

Die Theatermacher gerieren sich als die Propagandisten von Merkels Einwanderungspolitik, sodass es überhaupt keinen Konflikt gibt.

Aber stellen wir uns einmal vor, ein Theatermacher würde ein migrationskritisches Stück auf die Bühne bringen,

(Swen Knöchel, DIE LINKE: Man kann nicht immer nur „Die Walküre“ spielen!)

zum Beispiel unter dem Titel: Kein Zaunpfahl ist illegal. Also ein Stück, das vor der Zuwanderung warnt. Ich bin mir sicher, dass Sie ihre vornehme Zurückhaltung aufgäben, und dann wäre es mit der Kunstfreiheit auch nicht mehr weit her. Also tun Sie nicht so.


Andreas Schumann (CDU):

Das muss ich nicht beantworten.


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Herr Schumann, Sie müssen nicht antworten.