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Donnerstag, 02.04.2020

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Plenarsitzung

Transkript

Andreas Mrosek (AfD):

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Abgeordnete! Hohes Haus! Täve Schur, mit bürgerlichem Namen Gustav-Adolf Schur, wurde nicht in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen. Das war mit Sicherheit eine politische Entscheidung und keine sportliche Entscheidung.

(Beifall bei der AfD)

Seine sportlichen Erfolge und Leistungen sind unstrittig. 1958, in meinem Geburtsjahr, wurde Täve Schur erstmalig Weltmeister. Weitere, viele nationale und internationale Erfolge krönten seine sportliche Laufbahn. Täve Schur wurde ein Vorzeigesportler der DDR; aber von ihnen gab es auch viele. Ich selbst war über viele Jahre hinweg Leistungssportler; ich selbst weiß, welche Entbehrungen ein Leistungssportler auf sich nehmen muss, welche Kraft, welchen Fleiß, welche Ausdauer, welchen Willen er investiert, um auf den obersten Treppchen der Welt zu stehen.

Auch ich stand viermal als Welt- und viermal als Europameister ganz oben. Sie werden es nicht glauben, es ist so. Als ich ganz oben stand, hörte ich auch mit Stolz unsere deutsche Nationalhymne, und da lief mir etwas über die Haut. Man steht dort oben, still, und die Hymne wird gespielt. Aus diesem Grund weiß ich, was Täve Schur geleistet hat.

(Eva von Angern, DIE LINKE: Das ist jetzt nicht wahr, oder?!)

Der Herr Innenminister Stahlknecht hat wunderbar geschildert, wie es Sportlern in der DDR erging, die im Leistungssport nach vorn kommen wollten und mussten.

Die DDR hat sehr viel Wert auf internationale Anerkennung gelegt. Sport war ein Mittel zum Zweck, um das zu erreichen. Ich möchte deswegen gar nicht auf Täves politische Vergangenheit eingehen, weiß aber aus dem Sportkuratorium, dass er sich noch heute für den Breitensport einsetzt, und das in einem stolzen Alter. Das verdient aus meiner Sicht auch heute noch Lob und Anerkennung.

(Beifall bei der AfD)

Ich persönlich bin der Meinung, man sollte Politik und Sport voneinander trennen, obwohl das, Herr Minister

(Holger Stahlknecht, CDU: Ich bin noch da!)

- da ist er -, nicht immer einfach ist. Es darf meiner Ansicht nach keine Gratwanderung zwischen Sportlerherzen und ideologischen Einstellungen geben; denn ideologische Einstellungen obliegen der Meinungsfreiheit. Diesbezüglich kann jeder das machen, was er möchte, vorausgesetzt, es ist gesetzeskonform.

(Sebastian Striegel, GRÜNE: Aber doch nicht folgenlos!)

Ob sich die Jury davon hat beeinflussen lassen, das kann ich nicht sagen; das weiß ich nicht. Auf alle Fälle hat die Nominierung des DDR-Radsportidols Täve Schur sowohl Zustimmung als auch Kritik hervorgerufen, vor allem nach seinen Aussagen in einem Zeitungsinterview, die als Verklärung des DDR-Unrechts und als Verharmlosung des erwiesenen DDR-Dopings von Minderjährigen ausgelegt wurden. So wurden sie ausgelegt.

Ich selbst war jahrelang als Ringkämpfer an der Kinder- und Jugendsportschule in Halle. Ich kann ruhigen Gewissens behaupten, dass wir dort als Jugendliche nicht mit chemischen Substanzen versorgt worden sind. Es mag andere Beispiele geben. Aber ich kann es dort nicht bestätigen.

Ich persönlich - die Frage ist in der Fraktion der AfD strittig, ob ja oder nein - stimme dem Antrag der Fraktion DIE LINKE zu. Aber bei mir stimmt das Sportlerherz zu. Die sportliche Leistung wird anerkannt. Ich trenne Politik und Sport ganz klar voneinander. Meine Kollegen werden für sich selbst entscheiden, wie sie sich in der Abstimmung verhalten. - Danke.

(Zustimmung bei der AfD - Siegfried Borgwardt, CDU, meldet sich zu Wort)


Vizepräsident Wulf Gallert:

Das habe ich nicht übersehen. Herr Borgwardt hat eine Frage. Bitte.


Siegfried Borgwardt (CDU):

Ich wollte mich einfach vergewissern, ob ich es richtig verstanden habe. Sie argumentieren so, weil Sie das bei Ihnen nicht festgestellt haben. Welche Relevanz hat das mit Blick auf das Doping, das hundertausendfach vorgekommen ist? Was ist das für ein Argument?


Andreas Mrosek (AfD):

Das Argument ist, dass ich von mir spreche, wie ich den Sport erlebt habe, Herr Borgwardt.


Siegfried Borgwardt (CDU):

Sie verallgemeinern das. Aber mit welchem Ziel denn? - Ich kann Ihnen Turner nennen, von denen ich es selbst weiß. Das ist kein Argument.


Andreas Mrosek (AfD):

Doping ist das Geheimnis eines Sportlers selbst. Niemand wird sich hinstellen und wird sagen, ich habe etwas genommen, ich habe nichts genommen.

(Zuruf von Jens Kolze, CDU)

Ich war in der DDR als Jugendlicher in der Kinder- und Jugendsportschule. Ich kann nicht bestätigen, dass wir etwas bekommen haben. Ich habe auch gesagt, es mag sein, dass es andere Fälle gegeben hat. Aber ich als Jugendlicher habe es nicht erlebt, und dazu stehe ich.


Siegfried Borgwardt (CDU):

Gut. Sie haben nicht verstanden, was ich gemeint habe.