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Samstag, 04.04.2020

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Plenarsitzung

Transkript

Frage 9
Schutzstatus des Kormorans


Sie wird gestellt von Herrn Abg. Andreas Gehlmann von der AfD-Fraktion. - Sie haben das Wort. Bitte schön.


Andreas Gehlmann (AfD):

Der Brutbestand des Kormorans sank über die Jahre 2015/2016 auf 604 Brutpaare. Das ist inzwischen nur noch die Hälfte des bisherigen maximalen Brutbestandes und liegt etwa auf dem Niveau von 2000/2001.

Ich frage die Landesregierung:

1.    Welche neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse liegen der Landesregierung vor, dass trotz eines sinkenden Kormoranbestandes im Land Sachsen-Anhalt das Land auf der Agrarministerkonferenz das Bundesumweltministerium zu einer Einschätzung des Schutzstatus für die Art aufgefordert wurde?

2.    Welche Schlussfolgerungen zieht die Landesregierung aus den Empfehlungen der Beringungszentrale Hiddensee zum Umgang mit dem Kormoran?


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Vielen Dank. - Frau Ministerin, ich kann es Ihnen nicht ersparen; Sie dürfen wieder antworten, diesmal in Vertretung für das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie. Sie haben das Wort.


Petra Grimm-Benne (Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration):

Herzlichen Dank. - Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Ich beantworte die Fragen des Herrn Abg. Gehlmann namens der Landesregierung.

Zu Frage 1: Bei Erlass der Vogelschutzrichtlinie im Jahr 1979 wurde der Kormoran im Anhang 1 gelistet. Arten, die in diesem Anhang aufgeführt werden, unterliegen einem besonderen Schutz, der die Mitgliedstaaten dazu veranlassen soll, nicht nur schädliche Handlungen gegen diese Art zu verbieten, sondern aktiv zum Erhalt beizutragen.

Bereits einige Jahre nach dem Erlass der Richtlinie konnte ein guter Erhaltungszustand der Kormoranpopulation konstatiert werden. Aufgrund dessen wurde der Kormoran im Jahr 1997 aus Anhang 1 der Vogelschutzrichtlinie entfernt. Eine Übertragung in den Anhang 2, welcher die Arten bestimmt, die bejagt werden dürfen, erfolgte jedoch nicht. Somit ist der Kormoran als europäische Vogelart weiterhin besonders geschützt, obwohl die Rote Liste der gefährdeten Tierarten Deutschlands den Kormoran bereits seit 1996 als ungefährdet einstuft.

Auch die Agrarministerinnen und Agrarminister der Länder gehen zwischenzeitlich von einer grundlegenden Erholung der Kormoranbestände aus und haben deshalb auf der Agrarministerkonferenz am 31. März 2017 in Hannover beschlossen, das Bundeslandwirtschaftsministerium zu bitten, mit dem Bundesumweltministerium eine Einschätzung zum Erhaltungszustand der jeweiligen Populationen der Tierarten Kormoran, Wolf und Biber in Deutschland bis zur Herbstagrarministerkonferenz schriftlich vorzulegen.

In Deutschland besteht die Situation, dass der Kormoranbestand seit 1980 von weniger als 1 000 Brutpaaren auf inzwischen 20 000 bis 25 000 Brutpaare angewachsen ist. Für ganz Europa muss nach den vorliegenden Daten davon ausgegangen werden, dass sich die Zahl der Brutpaare von rund 320 000 im Jahr 2006 auf 371 000 im Jahr 2012 erhöht hat.

Angesichts dessen, dass Kormorane europaweite Wanderungen durchführen, ist bei Betrachtung der Bestandszahlen auf die Situation in Deutschland insgesamt und nicht auf lokal oder regional vorhandene Brutpaare abzustellen.

Der in den vergangenen Jahren zu beobachtende Rückgang der Brutpaare des Kormorans in Sachsen-Anhalt liegt im Bereich natürlicher Schwankungen, für die eine Reihe von Umweltfaktoren bestimmend sind, wozu ganz besonders die Nahrungsverfügbarkeit, also der Fischbestand in den Gewässern in der Nähe von Brutkolonien, zählt. Zudem hängt der Brutbestand im Wesentlichen mit der Neugründung bzw. der Aufgabe von Brutkolonien zusammen.

Zu beobachten ist, dass während der jährlichen Nord-Süd-Wanderungen der Kormoranbestand an den Binnengewässern im Land um ein Vielfaches höher ist. Dies führt dazu, dass die Fischpopulationen in der Winterzeit von den durchziehenden Kormoranen außergewöhnlich stark in Mitleidenschaft gezogen werden und sich vielfach nicht mehr erholen können. Vor diesem Hintergrund ist der jüngste Beschluss der Agrarministerkonferenz ein konsequenter und nachvollziehbarer Schritt für den weiteren, und zwar länderübergreifenden, Umgang mit dem Kormoran.

Zu Frage 2: Aktuelle Empfehlungen der Beringungszentrale Hiddensee zum Umgang mit dem Kormoran sind der Landesregierung nicht bekannt. Insoweit können sie auch nicht Gegenstand von Schlussfolgerungen sein. - Herzlichen Dank.