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Mittwoch, 19.06.2019

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20:00 Uhr Datum: 19.06.2019

Sommerfest des Landtages von Sachsen-Anhalt

Eröffnung durch Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch
39104 Magdeburg, Domplatz 6-9, Landtagsgebäude, Innenhof

Plenarsitzung

Transkript

Tagesordnungspunkt 15

Beratung

Pensionierte Lehrer reaktivieren

Antrag Fraktion AfD - Drs. 7/1145



Einbringer für diesen Antrag ist der Abg. Herr Dr. Tillschneider, der nunmehr das Wort dazu erhält.


Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir verlangen mit dem vorliegenden Antrag, dass die Landesregierung alle Lehrer, die 2017 in Pension gehen oder während der zwei letzten Jahre pensioniert wurden, gezielt anschreibt und ihnen den Verbleib im Schuldienst oder die Rückkehr in den Schuldienst anbietet. Wir wundern uns, ehrlich gesagt, ein wenig, dass wir diesen Antrag überhaupt stellen müssen und das Ministerium nicht schon längst von allein auf diese Idee gekommen ist.

Sachsen-Anhalt leidet unter Lehrermangel. Die Unterrichtsversorgung ist unzureichend, der Unterrichtsausfall nicht mehr hinnehmbar. Die Landesregierung musste eingestehen, dass sie das selbst gesteckte Ziel einer Unterrichtsversorgung von 103 % bislang nicht erreicht hat. Die Situation soll sich in nächster Zeit sogar noch verschärfen, weil die Lehrerschaft in Sachsen-Anhalt einen hohen Altersdurchschnitt aufweist und in den kommenden Jahren viele Lehrer in Pension gehen. Was liegt da näher, als die Pensionierung eines Teils der Lehrer zu verzögern und pensionierte Lehrer wieder einzustellen? Diese Maßnahme brächte ausschließlich Vorteile.

Zunächst einmal wirkt sie sofort, kann also den akuten Mangel lindern. Die Universität Magdeburg hat jetzt in Eigeninitiative einen Lehramtsstudiengang in den Mangelfächern Mathematik und Physik aufgelegt. Das ist sehr zu loben, aber die dort ausgebildeten Lehrer stehen dem Schuldienst frühestens in fünf Jahren zur Verfügung.

Wir müssen den Lehrermangel langfristig bekämpfen, indem wir seine Ursachen beheben, indem wir den Lehrerberuf attraktiver machen und wieder mehr junge Leute dazu bringen, ein Lehramtsstudium aufzunehmen. Doch das alles hilft uns im Moment recht wenig. Wenn wir dagegen Lehrer, deren Pensionierung ansteht, nicht in Pension schicken und pensionierte Lehrer reaktivieren, gewinnen wir genau die Zeit, die wir brauchen, bis mittel- und langfristige Maßnahmen ihre Wirkung entfalten.

Die LINKEN wollen jeden, der zufälligerweise an der Schule gelandet ist und irgendeinen Studienabschluss hat, dauerhaft einstellen. So würden wir durch die Bekämpfung des Lehrermangels von heute nur den Lehrerüberhang von morgen produzieren. Das ist die Kurzsichtigkeit, die wir von den LINKEN kennen.

Die Reaktivierung der Pensionäre dagegen ist nicht nur eine sofort wirkende, sondern auch eine nachhaltige Maßnahme, weil sie uns die Möglichkeit erhält, in den kommenden Jahren konstant gut qualifizierte Junglehrer einzustellen. Wir sind nicht mehr gezwungen, angesichts des aktuellen Lehrermangels bei Neueinstellungen Abstriche bei der Qualifikation zu machen. Lehrer, die Jahrzehnte lang unterrichtet haben, verfügen über einen wertvollen Schatz an Erfahrungen, den Junglehrer erst aufbauen müssen. Gerade darauf, auf diese Erfahrung, die nicht in Seminaren vermittelt, sondern nur selbst erworben werden kann, kommt es beim Lehrerberuf wie bei jeder Arbeit mit Menschen an. Neben der individuellen Begabung ist die Erfahrung das, was jemanden zu einem guten Lehrer macht. Wer bereits Jahrzehnte lang unterrichtet hat, bringt diese Erfahrung schon mit. Er bringt also eine Qualifikation mit, die auch der begabteste Junglehrer nicht haben kann.

Außerdem - und dieser Aspekt ist fast noch wichtiger - sind unsere alten Lehrer zu einer Zeit ausgebildet worden, als der Niedergang des Bildungswesens noch nicht so weit fortgeschritten war.

(Beifall bei der AfD)

Das Hauptproblem unseres Bildungswesens ist, dass schon seit Jahrzehnten das Niveau der Abschlüsse sinkt. Ich habe das schon mehrmals ausgeführt. Das belegen zahlreiche Studien, und das weiß jeder, der im Bildungswesen arbeitet und die Welt mit offenen Augen sieht.

Diese Entwicklung verstärkt sich selbst, da diejenigen, die heute als Lehrer an die Schule kommen, vor fünf, sechs, sieben Jahren selbst Schüler waren, ihr Studium also im Schnitt mit erheblichen Defiziten begonnen haben dürften, wobei diese Defizite infolge der Kultur des Durchwinkens und der steten Anpassung der Maßstäbe nach unten auch im Studium nicht vollständig behoben worden sein dürften. Nach Einschätzung des Bayreuther Altgermanisten Gerhard Wolf entlassen die Hochschulen mittlerweile Lehrer, die mehr als die Hälfte der Fehler ihrer Schüler gar nicht mehr erkennen. Ein Teufelskreis.

Wenn etwas diese Abwärtsspirale der letzten Jahre gebremst hat, dann das Wirken der alten Lehrer. Sie bilden die Substanz unseres Bildungswesens, die wir so lange wie möglich erhalten sollten. Hinzu kommt außerdem, dass die alten Lehrer noch nicht durch die lebensfernen Vielfalts- und Entgrenzungsideologien geprägt wurden und sich ihren gesunden Menschenverstand bewahren konnten, während junge Lehrer leider allzu oft den an der Universität heutzutage herrschenden Ideologien zum Opfer gefallen sind.

Man könnte vielleicht einwenden, dass die alten Lehrer weniger leistungsfähig sind als Junglehrer. Aber dagegen muss ich betonen, dass die Leistungsfähigkeit beim Lehrerberuf weniger von den körperlichen Gegebenheiten, sondern in erster Linie von der Motivation abhängt.

Da niemand zur Rückkehr oder Fortsetzung des Schuldienstes verpflichtet werden soll, ist sichergestellt, dass nur diejenigen von der Möglichkeit Gebrauch machen, die auch unterrichten wollen. Der Lehrer, den die Schule quält und der auf seine Pensionierung hin lebt, wird den Brief des Ministeriums nicht beantworten, und der soll ihn auch nicht beantworten. Es gibt aber genug Lehrer, die für ihren Beruf leben, für die er eben nicht nur Beruf, sondern Berufung ist und die ihre Pensionierung regelrecht fürchten. Genau diese Lehrer sollten so lange wie möglich an der Schule gehalten werden.

Dass dem individuellen Wollen auch ein objektives Können entspricht, lässt sich dadurch sicherstellen, dass bei jeder Bewerbung eine Stellungnahme des Kollegiums eingeholt wird, in dem der pensionierte Lehrer zuletzt gearbeitet hat. Wer ein guter Lehrer ist, wer unterrichten will und unterrichten kann, der soll auch dann unterrichten, wenn er die 65 überschritten hat. Das Ganze ist eine Win-win-Situation für alle Seiten. In Hessen und Nordrhein-Westfalen wird dergleichen nicht ohne Grund schon mit gutem Erfolg praktiziert. Weshalb also nicht auch in Sachsen-Anhalt?

Dass Lehrer in Sachsen-Anhalt den Wunsch hegen, länger an der Schule zu arbeiten, zeigt der Fall von Jürgen Ruscher, dem ehemaligen Direktor des Herdergymnasiums in Merseburg, der 2016 von sich aus einen Antrag stellte, über das Pensionsalter hinaus arbeiten zu dürfen. Das ging damals sogar durch die Presse. Der Antrag wurde leider abgewiesen, zeigt aber - so denke ich -, dass die Möglichkeit, länger zu unterrichten, von den Lehrern nachgefragt wird, es also auch von dieser Seite konkreten Bedarf gibt.

Das Einzige, was das Ministerium gegen unseren Vorschlag einwenden könnte, wäre das Geld, und im Grund nicht einmal das. Die Reaktivierung der pensionierten Lehrer ließe sich zur Not auch so konzipieren, dass reaktivierte Altlehrer nur jene Stellen besetzen, die im Plan verzeichnet sind, für die sich aber im Moment keine qualifizierte Besetzung finden lässt. Sie würden mit befristeten Verträgen als eine Art Platzhalter fungieren, und auch damit ließe sich so manche Lücke vorläufig schließen.

Im Sinne einer angemessenen Unterrichtsversorgung wäre es freilich besser, wenn alle Altlehrer, die das Angebot wahrnehmen wollen und können, eine Stelle erhielten. Auch dann wird die Maßnahme das Problem nicht vollständig lösen, sondern allenfalls abmildern.

Bis 2022 sollen ca. 3 800 Lehrer in Rente gehen. Wenn am Ende nur 10 % das Angebot annehmen - und ungefähr so etwas ist zu erwarten -, dann reden wir über eine Entlastung durch 60 bis 70 Lehrer mehr pro Jahr. Das ist sicher nicht die Lösung, aber ein wertvoller, nicht zu verachtender Beitrag zur Entspannung der Situation.

Die Landesregierung rechtfertigt die zögerliche Einstellung von Lehrern für gewöhnlich damit, dass es zu wenige Lehrer gibt. Der Markt sei leer gefegt, heißt es immer. Das ist nicht von der Hand zu weisen. Wenn sich die Regierung aber der Reaktivierung pensionierter Lehrer verweigert, zeigt sie uns, dass sie den Lehrermangel nur als wohlfeile Rechtfertigung missbraucht, um an der Bildung zu sparen.

(Beifall bei der AfD)

Hier haben Sie die Möglichkeit, sinnvoll Geld in die Bildung unserer Kinder zu investieren. Tun Sie es also bitte!

Wenn die Einstellung von Lehrern durch etwas begrenzt werden darf, dann nur durch den Mangel an qualifizierten Bewerbern, nicht aber durch den Mangel an Geldmitteln. Wenn das Land, wie Kollege Lieschke in einer Kleinen Anfrage aufgedeckt hat, über 300 Millionen € pro Jahr für den Schwachsinn namens Gender-Mainstreaming ausgibt, muss auch Geld für die Reaktivierung von Altlehrern da sein, zumal sich die finanzielle Belastung in Grenzen hielte. Verbeamteten Lehrern zahlt das Land ohnehin eine nicht geringe Pension. Hier wird das Land infolge der Reaktivierung von Altlehrern nur durch die Differenz zwischen Ruhestandsbezügen und Aktivbezügen belastet. Auch finanziell spricht also einiges für diese Übergangslösung.

Wir gewinnen hoch qualifizierte Lehrer, die uns helfen, die nächsten Jahre zu überbrücken. Das Ganze verpflichtet uns nicht dauerhaft. Wir sind nicht gezwungen, bei der Neueinstellung von Lehrern bei der Qualifikation Abstriche zu machen, und obendrein kostet uns das Ganze weniger. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man dazu Nein sagen kann.

(Beifall bei der AfD)