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Mittwoch, 19.06.2019

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20:00 Uhr Datum: 19.06.2019

Sommerfest des Landtages von Sachsen-Anhalt

Eröffnung durch Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch
39104 Magdeburg, Domplatz 6-9, Landtagsgebäude, Innenhof

Plenarsitzung

Transkript

Tobias Krull (CDU):

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich möchte jetzt zu dem Antrag sprechen, der vorliegt,

(Beifall bei den GRÜNEN und bei der SPD)

also zum Thema Nichtraucherschutz bzw. Verbesserung der Prävention und Aufklärungsarbeit.

Vielleicht ist es ganz gut, dass ich als überzeugter, aber nicht vehementer Nichtraucher zu diesem Thema sprechen darf. Der eine oder andere von unseren Kolleginnen und Kollegen ist möglicherweise gerade auch einmal in einer Raucherpause.

Die Notwendigkeit, sich mit dem Thema zu beschäftigen, wurde hier schon mehrfach ausdrücklich anhand der Zahlen des Tabakatlas 2015 des Deutschen Krebsforschungszentrums an der Helmholtz-Gesellschaft erläutert. Sachsen-Anhalt hat Spitzenplätze - leider nicht die, die wir uns an dieser Stelle wünschen -, mit 36,4 % der jungen Männer - im Bundesdurchschnitt sind es 26 % - und mit 30,3 % bei den Damen der gleichen Altersgruppe, in einem Alter von 15 bis 24 Jahren, - im Bundesdurchschnitt sind es 19 %.

Leider ändert sich das auch in späteren Lebensjahren nicht. So stehen wir bei den Männern auf Platz 5 im Bundesdurchschnitt und bei den Frauen auf Platz 4 - auch das kein Ruhmesblatt für unsere Menschen, was das Rauchen angeht.

Die gesundheitlichen Folgewirkungen des Rauchens wurden hier ebenfalls schon ein wenig erläutert, auch wenn sie viele von uns vielleicht gedanklich manchmal zur Seite schieben, wenn sie entsprechende Produkte genießen. Deswegen nur eine kurze, sicherlich nicht erschöpfende Aufzählung der entsprechenden Folgewirkungen: verschiedene Formen des Krebses, natürlich Lungen-, Rachen- und Kehlkopfkrebs im Wesentlichen, allgemeine Herzerkrankungen, Magengeschwüre und Beeinträchtigung des allgemeinen Gesundheitszustands.

Es ist kaum zu glauben, aber - die medizinischen Erkenntnisse über die Schädlichkeit des Rauchens sind nun wirklich nicht neu - bereits im Jahr 1761 stellte der britische Arzt John Hill in einer Studie den Zusammenhang zwischen Schnupftabakkonsum und Nasenkrebs her und im Jahr 1795 entdeckte der deutsche Mediziner Samuel Thomas den Zusammenhang zwischen Lippenkarzinom und Pfeifenrauchen.

Besonders kritisch ist natürlich das Rauchen in der Schwangerschaft. Mütter, aber auch Väter, die in Anwesenheit der Schwangeren rauchen, riskieren viel. Stichworte sind Plazentakomplikationen und Frühgeburten bei den Schwangeren und verringerte Geburtsgröße und  gewicht mit den entsprechenden negativen medizinischen Folgen bis hin zu verringertem Lungenvolumen bei den Neugeborenen.

Offensichtlich reichen unsere bisherigen Anstrengungen im Präventionsbereich noch nicht aus, auch wenn wir positiv feststellen können, dass im Jahr 1992 noch 28,8 % der Bevölkerung geraucht haben und im Jahr 2013 nur noch - „nur noch“  - 24,5 %.

Das Gesundheitsziel des Landes der Senkung des Anteils von Rauchern an der Gesamtbevölkerung bleibt natürlich weiter bestehen. Sicher ist dazu ein ganzes Maßnahmenbündel notwendig. Schockfotos - das wurde schon erläutert - helfen nur bedingt.

Mit der Landesstelle für Suchtfragen haben wir einen kompetenten Partner an unserer Seite, der die Präventionsarbeit auf diesem Gebiet sicherlich gut weiterentwickeln kann.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es muss unser Ziel sein, dass Rauchen bei Kindern und Jugendlichen einfach uncool wird, und zwar nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Das funktioniert im Regelfall nicht. Wir müssen zeigen, welche negativen Auswirkungen auf das persönliche Leben, auf die Gesundheit und auch finanziell das Rauchen hat. Wenn man sich überlegt: eine Schachtel am Tag á 5 €,

(Zuruf von der LINKEN: 6!)

das sind im Monat 150 € und im Jahr 1 800 €. Das ist schon eine ganze Menge Geld, das man für andere Dinge ausgeben kann.

Besonders kritisch sehe ich aber auch die E Inhalationsprodukte, allgemein bekannt als E Zigarette. Man könnte den Eindruck gewinnen, die E Zigarette sei die gesunde Alternative zum Rauchen. Klar, beim normalen Rauchen sind es 5 300 Verbindungen, viele davon krebserregend und gesundheitsschädlich, bei E Zigaretten sind es nur 80. Meiner Auffassung nach ist die E Zigarette aber häufig nur der Einstieg in eine klassische Raucherkarriere und daher maximal dafür geeignet, bisherigen Rauchern eine weniger gesundheitsschädliche Art des Rauchens beizubringen.

An dieser Stelle möchte ich auch die Kleine Anfrage der Kollegin Dagmar Zoschke nicht verschweigen, die sich dieses Themas bereits angenommen hat. Ich habe schon vernommen, dass DIE LINKE unserem Antrag voraussichtlich zustimmen wird. Dem Änderungsantrag der Fraktion DIE LINKE werden wir nicht folgen, weil wir zurzeit keinen Mehrbedarf an Finanzen sehen. Wenn es einen Mehrbedarf geben sollte, dann haben wir bereits gute Erfahrungen mit den Krankenkassen gemacht oder mit anderen Trägern, die im Sinne einer Präventionsarbeit auch finanzielle Unterstützung leisten.

In diesem Sinne bitte ich um Zustimmung zu unserem Antrag und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der CDU - Siegfried Borgwardt, CDU: Sehr gut!)