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Dienstag, 18.06.2019

3 Termine gefunden

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10:25 Uhr Datum: 18.06.2019

Landtagspräsidentin Brakebusch hält Grußwort zur Fachtagung des Netzwerkes gegen Kinderarmut Sachsen-Anhalt "Baustelle Kinderarmut - IdeenREICH gegen KinderARMUT"

39104 Magdeburg, Alter Markt 6, Rathaus Magdeburg

13:00 Uhr Datum: 18.06.2019

Empfang der Landessieger Jugend forscht

39104 Magdeburg, Domplatz 6-9, Landtagsgebäude

18:00 Uhr Datum: 18.06.2019

Ökumenischer Jahresempfang der Kirchen in Sachsen-Anhalt 2019

Grußwort durch Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch
39104 Magdeburg, Domplatz, Remter und Kreuzgang des Domes zu Magdeburg

Plenarsitzung

Transkript

Prof. Dr. Claudia Dalbert (Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie):

Danke, Frau Präsidentin. - Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sie alle wissen, dass der Wald viele wichtige Funktionen hat: als Teil des Ökosystems, als Ort der Erholung für den Menschen, als Rohstofflieferant, als CO2-Speicher. Eine Bedrohung des Waldes sind die immer wieder auftretenden Waldbrände.

Doch vor Waldbränden können wir uns schützen. Sollte doch ein Feuer ausbrechen, so greifen koordiniert mehrere Maßnahmen, zu denen ich gern im Folgenden ausführe.

Bei uns in Sachsen-Anhalt ist entsprechend dem Landeswaldgesetz das Landeszentrum Wald für die Vorbeugung und Koordinierung beim Waldbrand zuständig. Die Verhütung von Waldbränden ist auf Dauer nur durch waldbauliche Maßnahmen möglich. Dazu zählen neben dem Waldumbau die Anlage von Waldbrandriegelsystemen und die Anlage von Wund- und Schutzstreifen.

Darüber hinaus ist in den waldbrandgefährdeten Gebieten eine ausreichende Erschließung, das heißt eine geeignete Befahrbarkeit - da geht es um den Wegebau - und damit die Möglichkeit eines schnelleren Eingreifens der für die Brandbekämpfung zuständigen Feuerwehren besonders wichtig.

Sachsen-Anhalt gehört mit einem Waldflächenanteil von 26 % nicht zu den waldreichen Flächenländern in Deutschland. Es ist vielmehr vergleichbar mit Sachsen oder Thüringen. Die Verteilung der Waldflächen in den einzelnen Landkreisen und kreisfreien Städten stellt sich zudem unterschiedlich dar. Insbesondere in den gefährdeten Waldbereichen im Tiefland des Landes Sachsen-Anhalt liegen 53 % der Gesamtwaldfläche des Landes, die zum großen Teil durch die Baumart Kiefer dominiert wird.

Sehr geehrte Abgeordnete! Wir haben flächenmäßig gesehen relativ wenige Waldbrände. Der Grund dafür ist die schnelle Früherkennung von Entstehungsbränden. Sowohl die Bürgerinnen und Bürger als auch unsere Behörden und Institutionen reagieren im Brandfall sehr schnell.

In den letzten Jahren wurde das automatische Waldbrandfrüherkennungssystem im Norden und im Osten des Landes aufgebaut. Es trägt dazu bei, bereits Waldbrände in der Entstehungsphase zu erkennen und zu lokalisieren. Durch das Landeszentrum Wald wird dieses System für alle Waldbesitzarten unterhalten.

Meine Damen und Herren! Nun zu den aktuellen Statistiken. Im Jahr 2015 traten in Sachsen-Anhalt 86 Waldbrände mit einer Waldbrandfläche von 27,14 ha auf. 79 % dieser Waldbrandfläche lagen in den vier Landkreisen Altmarkkreis Salzwedel, Stendal, Börde und Wittenberg. Alle vier Landkreise liegen im Bereich der allgemein sehr hohen Waldbrandgefährdung und Gefahr von Großbränden. Auch wenn wir im deutschlandweiten Vergleich nur in geringem Umfang von Waldbränden betroffen sind, ist klar, jeder Waldbrand ist geeignet, eine Katastrophe herbeizuführen.

Dass dies nicht so ist, beruht auf dem bestehenden System der Waldbrandvorbeugung, dem intensiven Zusammenwirken aller Dienststellen, Behörden und Grundeigentümer, also Wald- und Feldbesitzer, und in besonderem Maß der Feuerwehr. Deswegen gilt an dieser Stelle mein besonderer Dank unseren Feuerwehren.

(Beifall bei allen Fraktionen)

Sehr geehrte Abgeordnete! Um den Anforderungen einer im Land sehr differenzierten Waldbrandgefährdung nachzukommen, wurden die Wälder aller Eigentumsarten für die elf Landkreise und für unsere drei kreisfreien Städte jeweils einer Waldbrandgefahrenklasse zugeordnet.

Das Land Sachsen-Anhalt wurde dabei in die drei Waldbrandgefahrenklassen A, B und C eingeteilt, wobei A die höchste Waldbrandgefährdung und C die geringste darstellt. Diese Klassifizierung stützt sich auf langjährige Statistiken über die jährliche Waldbrandfläche und das Auftreten von Großbränden.

Unter Berücksichtigung der Waldbrandgefahrenklassen werden Waldbrandgefahrenstufen von 1 bis 5, also von einer sehr geringen bis zu einer sehr hohen Gefahr, nach amtlichen meteorologischen Daten sowie nach dem Zustand der Vegetation entsprechenden Vegetationsfaktoren ermittelt. Sie erfordern unterschiedlich intensive Waldbrandvorbeugungsmaßnahmen entsprechend der Waldbrandschutzverordnung.

Mit dem Inkrafttreten des Landeswaldgesetzes Sachsen-Anhalt am 3. März 2016 wurden die Zuständigkeiten im Bereich des Waldschutzes, einschließlich Waldbrandschutz, klar geregelt. Die Aufgaben des behördlichen Waldbrandschutzes nimmt das Landeszentrum Wald wahr. Das Landeszentrum Wald ist damit als untere Forstbehörde für die fachlichen und behördlichen Belange im Bereich des Waldbrandschutzes auf der Grundlage des Landeswaldgesetzes Sachsen-Anhalt für die gesamte Waldfläche Sachsen-Anhalts zuständig.

Insgesamt sind 118 Personen mit der Wahrnehmung der Aufgabe des vorbeugenden Waldbrandschutzes im Bereich des Landeszentrums Wald tätig. Die Kreiswaldbrandschutzbeauftragten beraten insbesondere die in den Landkreisen und kreisfreien Städten zuständigen Brand- und Katastrophenschutzbehörden. Zentral sind dabei die Waldbrandschutzkonferenzen. Die Revierleiterinnen und Revierleiter sind in ein Waldbranddienstsystem eingebunden, um schnell und effizient Maßnahmen zur Unterstützung der Waldbrandbekämpfung zu organisieren. Nach erfolgreicher Bekämpfung organisieren sie die Nachsorge der Waldbrandfläche mit den Waldbesitzern.

Waldbrände können ganz unterschiedliche Ursachen aufweisen. Für 76 % der Waldbrände im Jahr 2015 konnte das Land keine Ursache ermitteln. Insgesamt 11 % der Waldbrände lassen sich auf natürliche Ereignisse wie Blitzschlag zurückführen und 7 % auf Fahrlässigkeit menschlichen Handelns. Der Anteil von Brandstiftung betrug im Jahr 2015  6 %.

In den Jahren 2011 bis 2015 wurden im Bereich des vorbeugenden Waldbrandschutzes Investitionen in Höhe von 156 161 € getätigt. Es wurden damit Traktoren angeschafft und in die 15 Waldbrandüberwachungsstandorte und in die drei Waldbrandzentralen investiert.

Darüber hinaus unterhält das Landeszentrum Wald in den waldbrandgefährdeten Bereichen des Landes ein etwa 1 300 km umfassendes Wundstreifensystem, das jährlich wirksam unterhalten wird.

Meine Damen und Herren! Eine schnelle Bekämpfung von Waldbränden erfordert vor allem ein entsprechendes Wegesystem. Die Wegedichte im Landeswald kann mit 22 laufenden Metern Lkw-befahrbarer Wege je Hektar insgesamt als ausreichend angesehen werden. Für den Bereich des Nichtstaatswaldes liegen keine Aussagen vor. Es darf aber davon ausgegangen werden, dass örtlich noch das Erfordernis für die Neuerschließung, besonders im Privatwald, besteht.

Im Zeitraum von 2011 bis 2015 wurden im Bereich des Landeswaldes auf Lkw-befahrbaren Wegen 2 982 km Unterhaltungsmaßnahmen mit einem Kostenumfang von rund 3,6 Millionen € und einer Instandsetzungsmaßnahme auf einer Länge von 708 km und einem Kostenumfang von 7,2 Millionen € getätigt. Für den Bereich des Nichtstaatswaldes wurden 3 170 525 € für 191 km Lkw-befahrbarer Wege über Fördermittel ausgereicht.

Zur Bekämpfung von Waldbränden wird überwiegend Wasser eingesetzt. Für die Waldbrandbekämpfung stehen in Sachsen-Anhalt 1 369 Löschwasserentnahmestellen unterschiedlichster Bauart zur Verfügung. Nach fachlicher Einschätzung besteht Erneuerungsbedarf bei Löschwasserentnahmestellen im Wald. Eine Bedarfserfassung, gemeinsam mit den Landkreisen und kreisfreien Städten, wird zu diesem Erneuerungsbedarf erfolgen.

Zur Aufrechterhaltung eines funktionierenden Systems der Waldbrandbekämpfung sind auch entsprechende Waldbrandübungen notwendig, die das Zusammenwirken aller zuständigen Behörden und der Feuerwehr im Falle eines Großbrandes gewährleisten. Dabei werden Waldbrandbekämpfungsszenarien trainiert, die eine luftunterstützte Waldbrandbekämpfung und das Zusammenwirken mit anderen Bundesländern erforderlich machen.

Meine Damen und Herren! Ich denke, Sie sehen, dass das Zusammenspiel einer Vielzahl von Maßnahmen zu einer effektiven Waldbrandbekämpfung in Sachsen-Anhalt führt. Dabei übernimmt das Landeszentrum Wald die Koordinierungsfunktion, die es braucht, damit im Brandfall alle Maßnahmen greifen und alle Akteure optimal zusammenarbeiten können. - Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei allen Fraktionen)