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Mittwoch, 26.06.2019

Keine Termine vorhanden.

Plenarsitzung

Transkript

Andreas Schumann (CDU):

Vielen Dank. - Liebe Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren!

„Im Jahr 2017 wird die Bundesrepublik Deutschland ein bedeutendes Jubiläum feiern. Vor 500 Jahren schlug Martin Luther der Überlieferung nach seine Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg. Dies bildete den Auftakt zur Reformation, einem der zentralen Ereignisse der deutschen Geschichte.

Seine religiösen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Auswirkungen erlangen weltgeschichtliche Bedeutung. Die Reformation förderte die Entwicklung eines Menschenbildes, das auf einem neuen christlichen Freiheitsbegriff beruhte. Dabei rückten die Ausbildung der Eigenverantwortlichkeit und die Gewissensentscheidung des Einzelnen in den Mittelpunkt. Die Aufklärung und die Menschenrechte wurden - wie auch die Demokratie heutiger Prägung - durch die Reformation entscheidend beeinflusst.“

Meine Damen und Herren! Das war ein Zitat, und zwar aus der Positionsbeschreibung „Die Bundesregierung und das Reformationsjubiläum 2017“.

Sehr geehrte Damen und Herren! Unzweifelhaft ist die Reformation eine der großen historischen Leistungen Europas. Dem Reformationsjubiläum 2017 kommt folglich eine herausragende Bedeutung nicht nur für große Teile unseres Kontinents, sondern auch darüber hinaus zu. Es gibt keinen Kontinent, auf dem die Reformation nicht maßgebliche Spuren hinterlassen hätte.

Weltweit bekennen sich rund 800 Millionen Menschen zu protestantischen Kirchen. Somit besteht eine für die jetzige Zeit einmalige Gelegenheit, Sachsen-Anhalt als Ursprungsland der Reformation sowie andere Regionen Mitteldeutschlands in eine international sehr positive Wahrnehmung abseits der üblichen tagesaktuellen Nachrichten zu bringen.

Es ist das erklärte und langjährige Anliegen dieser und auch vorangegangener Landesregierungen, das genannte Jubiläum im Jahr 2017 als Höhepunkt der Reformationsdekade in angemessener Weise zu würdigen.

Bereits ab dem 31. Oktober 2016 wird die Landesverwaltung auf Briefköpfen, Pressemitteilungen und in der E Mail-Signatur für das Reformationsjubiläum werben. Auf Briefköpfen und Pressemitteilungen findet sich zudem ein Logo mit Lutherkopf und dem Schriftzug „Luther 2017 - 500 Jahre Reformation“.

Der Anschlag der Thesen Luthers an die Schlosskirche zu Wittenberg am 31. Oktober 1517 war eine Reaktion Luthers auf den Ablasskommissar des Erzbischofs von Mainz, auf Johann Tetzel. Eine von dessen berühmten Truhen befindet sich im benachbarten Dom. Die meisten von Ihnen haben sie sicherlich schon gesehen.

Bedeutende Luther-Gedenkstätten und Orte mit direktem Bezug zum Wirken des großen Reformators befinden sich in unserem Bundesland. Nicht zuletzt befindet sich dieses Hohe Haus in einer Stadt, die am 10. Mai 1631 für ihren protestantischen Glauben durchs Feuer ging.

Wie viele Kulturveranstaltungen hat auch die 500-Jahr-Feier der Reformation das Problem, dass sich im Vergleich zur Gesamtbevölkerung nur ein verhältnismäßig kleiner Teil derselben für die Reformation, ihre Geschichte, ihre Entwicklung und ihre Auswirkungen auf den Gebieten der Theologie, der Philosophie und der Gesellschaft im Allgemeinen und im Besonderen interessiert. Damit haben die genannten Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum aber kein Alleinstellungsmerkmal unter den kulturellen Höhepunkten der kommenden Jahre.

Die Bedeutung ist ebenso eine historisch-politische wie eine kulturelle. Unser Leben wäre heute ein ganz anderes ohne Reformation. Ich kann als Musiker nur sagen: Stellen Sie sich einmal die Kompositionen von Johann Sebastian Bach vor ohne Reformation. Einen Bach hätte es ohne die Reformation so nicht gegeben.

Dies gilt für alle Bürger, egal welchen Glaubens sie sind, welcher Konfession sie angehören oder ob sie wie die Mehrheit in unserem Bundesland keiner Religionsgemeinschaft angehören.

Die Loslösung verschiedener deutscher und europäischer Territorien von Rom, die Wegbereitung für die Aufklärung und damit die Freiheit des Individuums sowie die Förderung des Bildungswesens für breite Bevölkerungsschichten mögen hier als wenige Beispiele genügen, obwohl man unschwer weitere nennen könnte.

Insofern möchte ich der Aussage der LINKEN zustimmen, dass die Reformation keinesfalls nur kirchenpolitisch von Bedeutung war, sondern - ich zitiere - sie war Ausgangspunkt gesellschaftlicher Auswirkungen, die bis heute nachwirken. Genauso ist es. Deshalb ist das Jubiläum nicht nur für Protestanten oder Christen in unserem Land von Bedeutung, sondern für alle Bürgerinnen und Bürger unseres Landes.

Genau aus diesem Grund wird die Landesregierung das Reformationsjubiläum auch nachhaltig unterstützen. Bis heute fanden bereits verschiedene Veranstaltungen in Form von Ausstellungen, Konzerten und Diskussionsrunden - wir haben all das schon gehört - statt.

Der Kirchentag auf dem Weg wird in acht Städten Mitteldeutschlands stattfinden. Zum Beispiel wird in Leipzig das Thema „Musik. Disput. Leben“ im Mittelpunkt stehen. Das geht von der Bach-Motette mit dem Thomanerchor bis hin zu Konzerten im öffentlichen Raum mit der Sächsischen Posaunenmission. Über mehrere Tage werden in der Innenstadt an vielen Orten Diskussionsveranstaltungen aller Couleur stattfinden.

In Halle wird zum Beispiel Luthers Verhältnis zu den Juden bis ins Mansfelder Land hinein beleuchtet. Die Franckeschen Stiftungen werden das Handwerk zur Zeit Luthers vorstellen. Es findet ein großer Gospel-Workshop mit Abschlusskonzert statt.

In Magdeburg wird die Ausstellung „Gegen Kaiser und Papst - Magdeburg und die Reformation“ im Kulturhistorischen Museum gezeigt werden. Dort werden Politiker, Religionsvertreter sowie Friedensgruppen aus ganz Deutschland Diskussionsrunden über die aktuelle Friedenspolitik durchführen. Am 26. Mai 2017 wird ein großes Schiffstreffen mit Lichtklanginszenierungen auf und an der Elbe stattfinden.

Viele weitere Veranstaltungen werden in Eisleben, Erfurt, Jena, Weimar, Dessau-Roßlau stattfinden. Dies können Sie dem Internet in sehr übersichtlicher Form entnehmen.

Natürlich ist so manchem unverständlich, warum so große Summen für eben dieses Ereignis ausgegeben werden. Es wurden und werden echte Identifikationsstätten unseres Bundeslandes erhalten und saniert, wie die Schlosskirche Wittenberg - wir hatten das gerade -, die Stadtkirche Wittenberg, die beiden Museen in Eisleben, die Andreaskirche in Eisleben leider nur zum Teil.

Verschweigen kann man jedoch nicht: Durch Bauverzögerungen und archäologische Grabungen haben sich die Kosten erhöht. Aber das kennen wir auch von Verkehrsvorhaben in ähnlicher Art und Weise.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! In Vorbereitung auf diese Rede habe ich längere Gespräche mit der EKM zu diesem Thema geführt. Ich darf Sie, insbesondere die Antragsteller der Debatte, einladen: Nehmen Sie an dem öffentlichen Diskurs in den nächsten Monaten teil! Besuchen Sie den Kirchentag mit seinen vielfältigen Veranstaltungen! Das Ereignis wird europaweit, ja transatlantisch wahrgenommen. Ergreifen wir die Chance!

Von überall her werden Menschen nach Wittenberg, Eisleben und auf die Wartburg und zu anderen Orten der Reformation pilgern. Damit wird im Übrigen auch der Tourismus im Land, eine Branche, von der wir uns weiteres Wachstum und Arbeitsplätze versprechen, signifikant gefördert werden.

All den Zweiflern und Pessimisten möchte ich zurufen: Gebt eure Zurückhaltung auf und lasst euch von der Ausstrahlung dieses Ereignisses gefangen nehmen; denn so schnell kommt die Gelegenheit für Sachsen-Anhalt nicht wieder. Das Reformationsjubiläum kann deshalb den Auftakt liefern für eine Rück- und Neubesinnung auf das, was christlicher Glaube - hier speziell der protestantische - bewirken kann und bewirken sollte.

Unter den gegebenen Rahmenbedingungen wurde und wird viel geleistet. Ich bin mir ganz sicher, dass wir im Jahr 2017 ein gutes, lehrreiches, touristisch anspruchsvolles und für Sachsen-Anhalt tolles Jubiläum feiern könnten. - Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Zustimmung bei der CDU, bei der SPD und von der Regierungsbank)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Vielen Dank, Herr Schumann. - Wir sind somit am Ende der Aussprache über das zweite Thema unserer heutigen Aktuellen Debatte angelangt.