Cookies helfen uns bei der Weiterentwicklung und Bereitstellung der Webseite. Durch die Bestätigung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden.

Mittwoch, 12.08.2020

Keine Termine vorhanden.

Plenarsitzung

Transkript

Tagesordnungspunkt 15

Beratung

Umweltscouts würdigen, unterstützen und landesweit einführen

Antrag Fraktion AfD - Drs. 7/6221

Alternativantrag Fraktionen CDU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Drs. 7/6298



Der Einbringer ist der Abg. Herr Gehlmann. Herr Gehlmann, Sie haben das Wort.


Andreas Gehlmann (AfD):

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Abgeordnete! Wir haben den Ihnen allen vorliegenden Antrag zur Einführung und Unterstützung der sogenannten Umweltscouts gestellt, weil diese Form des ehrenamtlichen Engagements von Bürgern aus dem Landkreis Mansfeld-Südharz entwickelt wurde, bisher sehr erfolgreich verlief, auf ein breites überregionales Interesse in den Medien gestoßen ist, nachdem es zwischen den Umweltscouts und der Landrätin zu einigen Dissonanzen kam, deren Ursache die ansteigende Menge an Müll war, den die Umweltscouts vor allem in dem Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz einsammelten und der Abfallwirtschaft übergaben.

Die teilweise erschreckenden Zahlen zum quantitativen Ausmaß illegaler Müllentsorgungen zeigen diverse Anfragen, die von AfD-Abgeordneten zu diesem unerquicklichen Thema gestellt wurden. Es gab dazu bereits einen Antrag in einer anderen Form, der damals unter anderem mit der Argumentation abgelehnt wurde, dass illegale Müllablagerungen und deren Beseitigungen als Problem beherrschbar wären.

Nun scheint aber offenbar ein Umdenken stattzufinden. Oder die Müllmengen steigen und empören eine noch breitere Masse an Bürgern. Auch die Ministerin hatte zwischenzeitlich auf einen Aufruf reagiert. Darauf haben wir in der Begründung verwiesen.

Die Mengen, die Beräumung und die Kosten für den durch den Landkreis registrierten illegal abgelagerten Müll belasten die Landkreise zunehmend. Die Anzahl der Ordnungswidrigkeiten und Strafverfahren ist im Gegensatz zu den registrierten Verursachern viel zu gering. Es wird sich auch nichts daran ändern, wenn man hier nicht durchgreift. Die eigentliche Frage, warum einige Bürger trotz vielfältiger Entsorgungsmöglichkeiten lieber unsere Landschaft vermüllen, stellt mittlerweile ein offenbar unlösbares Phänomen dar. Kurzfristige Verhaltensänderungen sind nicht in Sicht.

Genau hier setzen die Umweltscouts im Landkreis Mansfeld-Südharz an. Ich möchte dazu aus ihren Berichten einige Fakten vortragen. Allein im Jahr 2019 wurden 1,2 t illegaler Müll, 11 m3 Sperrmüll, zehn Pkw-Reifen und acht Müllsäcke gesammelt und zur Entsorgung in die Abfallwirtschaft gebracht. So fanden sich im Wald zum Beispiel Matratzen, Bettdecken, Teppichböden Autoreifen, Baumaterialien, Hausmüllbeutel, Flaschen, Snackverpackungen, Windeln und Ähnliches.

Das Ergebnis ist ermutigend; denn der Wald ist sauber geworden. Das bestätigen sowohl das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz als auch die Revierförster. Auch den Touristen entgeht es nicht, wenn der Wald entlang des Karstwanderweges an Attraktivität gewinnt.

Wer dem Karstwanderweg folgt, der hat alle Hinweisschilder für den Wald schon gesehen. Sie zeigen Gebote, Warnungen, Verbote, Fluchtwegekennzeichnungen und auch Rettungspunkte. So soll den Waldbesuchern, Spaziergängern, Radfahrern und Ausflüglern vermittelt werden: Unser Wald ist Heimat und Stätte der Erholung.

Seit dem Jahr 2016 ist ein weiteres Schild hinzugekommen mit der Aufschrift „Müll mich nicht voll! Wir haben hier gerade aufgeräumt.“ Umweltscouts, Landesforstbetrieb und Juniorranger haben diese Schilder an den entsprechenden Stellen im Biosphärenreservat aufgestellt. Ich denke, alle Anwesenden werden der Aussage zustimmen, dass man derartige Erfolge auch würdigen muss. So ist es in der Präambel unseres Antrages formuliert worden.

Um die Brisanz des Themas noch einmal zu verdeutlichen, folgen einige Fakten dazu, die deutlich machen, was mit dem Müll passiert, wenn er unentdeckt über Jahre dort lagert, wo er nicht hingehört.

Aspekt Nr. 1. Abgelagerter Müll verschwindet nicht einfach so; denn eine Plastiktüte braucht etwa 400 Jahre und eine Plastikflasche braucht bis zu 700 Jahre bis zur Zersetzung. Auch Getränkedosen brauchen bis zu 120 Jahre, bis sie in der Natur zersetzt worden sind.

Aspekt Nr. 2. Achtlos weggeworfener Müll wird für viele Tiere zur tödlichen Gefahr. Immer wieder ersticken einzelne Tiere in Flaschen und Gläsern, erdrosseln sich an Drähten oder Schnüren und verletzen sich entsprechend.

Aspekt Nr. 3. Illegale Müllablagerungen sind vielgestaltig. Die Entsorgung von Pflanzen und deren Teilen in der Landschaft fördert nachweislich die Verbreitung von Neophyten und Pflanzenkrankheiten.

Dasselbe gilt für Aspekt Nr. 4, der Entsorgung von Schlachtabfällen und Tierkadavern. Auch dies ist ein gefährlicher Leichtsinn im Hinblick auf die Verbreitung von Tierseuchen und Krankheiten.

Zuletzt komme ich zu Aspekt Nr. 5. Auch Öle, Farben und Lacke gelangen immer wieder in die freie Natur und stellen eine latente Gefahr für Boden und Wasser dar. - Ich denke, damit sind die Problemlage und auch der erforderliche Handlungsbedarf klar dargestellt worden.

Der vorliegende Antrag würdigt eine Idee und resultiert aus deren Umsetzung. Es ist eine Idee, die direkt von unseren Bürgern initiiert wurde und sich im Landkreis Mansfeld-Südharz bisher als sehr erfolgreich erwiesen hat. Die Umweltscouts können aufgrund ihres regionalen Engagements und der damit verbundenen direkten Kontakte zur Bevölkerung Breitenwirksamkeit herstellen. Dies sollte entsprechende Unterstützung finden und auch in anderen Landkreisen ausprobiert werden.

Auch die jährliche Würdigung des Ehrenamtes in der Staatskanzlei setzt hierbei Zeichen. Unser Dank gilt dem Ehrenamt. Der Antrag kommt von Bürgern und ist für Bürger gemacht worden.

Aus diesem Grunde bitte ich um Zustimmung. - Danke.

(Zustimmung)