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Mittwoch, 05.08.2020

Keine Termine vorhanden.

Plenarsitzung

Transkript

Andreas Schumann (CDU):

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich gehe jetzt einmal davon aus, dass jeder Mensch ein Gewissen hat. Infolge der Industrialisierung und Aufklärung steigt stetig das Bewusstsein, auch das Bewusstsein gegenüber unserer Umwelt. So entwickelt sich so etwas wie ein Umweltgewissen. Wir sind nur kurz zu Gast auf Erden und haben die Verpflichtung, unsere Welt für unsere Kinder und Enkel zu bewahren.

(Zustimmung)

Bewahrung der Schöpfung heißt es in den Kirchen.

Es gibt kaum mehr eine ernst zu nehmende Partei in den Industrieländern, in deren politischer Programmatik die Umweltpolitik nicht eine herausragende Rolle spielt.

(Zuruf - Zustimmung)

Zu meiner Erinnerung zählt aber auch, die Umweltbewegung in der DDR galt als oppositionell zum SED-Regime. Nicht wenige dieser Umweltschützer landeten in den Fängen der Stasi oder im Gefängnis - das ist auch meine Erinnerung aus der Jugend.

Sehr geehrte Damen und Herren! „Umweltscout“ - ich musste erst einmal Mister Google befragen. Sehr schnell stößt man dann auf eine Gruppe umweltbewegter Rentner in Mansfeld-Südharz, welche in Wäldern und der freien Natur Woche für Woche unglaubliche Mengen illegal abgelegten Mülls sammeln. Das ist wirklich eine tolle Initiative. Über diese Initiative gab es auch eine umfängliche MDR-Dokumentation, eine wirklich gute Sache.

Ich selbst ärgere mich oft über den Müll an den Straßenrändern, welcher einfach aus den fahrenden Fahrzeugen geworfen wird. Ein jeder kennt dieses Problem. Neben der Verunreinigung verursacht es für die Kommunen und Landkreise auch erhebliche Kosten.

Es gibt inzwischen viele Initiativen von Vereinen, Ortsgruppen usw. Ich möchte hier als Beispiel die jährliche Aktion „Magdeburg putzt sich!“ erwähnen. Auch kenne ich viele Kollegen aus der Kreisjägerschaft, welche regelmäßig illegal abgelegte Abfälle aus den Revieren entsorgen oder bei größeren Mengen die Reinigung über das Umweltamt organisieren.

Sehr geehrte Damen und Herren! Inzwischen gibt es bundesweit aktive Umweltscouts vor allem auch an Schulen und Kindergärten, welche man ausdrücklich unterstützen und würdigen sollte. Selbst Ausbildungen zum Umweltscout werden an Schulen angeboten.

In Bayern wurden in Bad Aibling, Nähe Rosenheim, zwei Schulen als Umweltschulen in Europa und die dortigen Schüler-Umweltscouts als Botschafter der Gerechtigkeit vom bayerischen Kultusminister ausgezeichnet. Hier kann sich das Land Sachsen-Anhalt gern noch Anregungen holen. Das ist der richtige Weg, und Bildung ist der Schlüssel.

Bitte nehmen Sie das richtige Ansinnen des Antrags auf, aber folgen Sie bei der Beschlussfassung unserem Alternativantrag. In der Begründung zum Alternativantrag werden weitere Fragen beantwortet. - Vielen Dank.

(Zustimmung)


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Einen Moment, Herr Schumann. Herr Loth hat sich jetzt mit einer Frage zu Wort gemeldet, wenn Sie noch zur Verfügung stehen.


Andreas Schumann (CDU):

Aber natürlich.


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Herr Loth, dann haben Sie jetzt das Wort.


Andreas Schumann (CDU):

Herr Loth, bitte.


Hannes Loth (AfD):

Sehr geehrter Herr Schumann, ich möchte Ihnen folgende Situation schildern und fragen, ob Sie das als fair bewerten. Die Aktionen „Magdeburg putzt“ oder „Mein Dorf macht sich schick zum 1. Mai“, das wird meistens von den Ortsbürgermeistern oder von den Bürgermeistern organisiert, und diese suchen sich Partner, die in dem Sinne den Müll auch abfahren und wegbringen. Das ist nicht das Problem, dieser eine Tag.

Das Problem sind, was Sie vorhin sagten, Menschen, die sich in ihrer Freizeit hinsetzen - oder in dem Fall laufen - und den Unrat, den andere liegen lassen, aufsammeln, freiwillig. Ich habe das auch einmal eine Zeit lang gemacht, als ich noch im Betrieb war und regelmäßig irgendwelchen Müll von der Seite vom Feld weggenommen habe, was dort herumlag, was die Leute eben liegen lassen.

Das ging eine Zeit lang gut, bis die Annahmestelle dann wirklich irgendwann gesagt hat: Herr Loth, jetzt sind Sie zum zehnten Mal in diesem Monat hier. Die Couch könnte ja auch Ihre sein. Das nehmen wir jetzt nicht mehr an. Bitte bezahlen Sie das. Seitdem war es immer die Aufforderung, ich sollte bezahlen. Ob das in Köthen oder in Bitterfeld war, bei der jeweiligen Gesellschaft, überall dasselbe Problem: Wenn man mit größeren Mengen ankam, die man aufgesammelt hat, für die man ja auch zuständig ist, wenn man das Feld bestellt oder der Pächter ist - dann ist man dafür zuständig  , dann muss man den Müll auch selbst entsorgen, an der Stelle.

Dann ist es eben die Frage, ist es fair, dass derjenige, der sich hinstellt, seine Freizeit dafür opfert, den Müll aufsammelt, dafür auch noch bezahlt.


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Herr Schumann, Sie haben jetzt das Wort.


Andreas Schumann (CDU):

Das ist ein Dilemma. Ich finde, wir sollten im Ausschuss besprechen, wie man vorgehen kann. Ich glaube, die Kreise und die Gemeinden müssen beweglicher werden; denn wenn sie ein Interesse daran haben, dass ihre Umgebung und ihre Natur wiederhergestellt werden durch Freiwillige, dann müssen sie dem auch entgegenkommen. Ich finde, man müsste versuchen, einen Weg zu finden. Lassen Sie uns im Ausschuss darüber debattieren.

Wir sind auf jeden Fall der Meinung, dass der gesammelte Müll von den Umweltscouts auch kostenfrei entgegengenommen werden müsste.