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Dienstag, 27.10.2020

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11:00 Uhr Datum: 27.10.2020

Grußwort der Landtagspräsidentin zur Ehrungsveranstaltung "Beste Schülerin in der Alten- und Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Generalistik des Bundeslandes Sachsen-Anhalt" sowie Überreichung der Urkunde

Pfeiffersche Stiftungen, Diakonie Mutterhaus, Pfeifferstraße 10, 39114 Magdeburg

Plenarsitzung

Transkript

Tagesordnungspunkt 15

Beratung

Konzentriert Euch! - Smartphones an Schulen landesweit verbieten!

Antrag Fraktion AfD - Drs. 7/5716



(Unruhe)

- Ich würde Sie trotzdem bitten, noch einmal etwas ruhiger zu sein. Ansonsten macht es einem das Leben hier vorn doch etwas schwer.

Der Einbringer hierzu wird der Abg. Herr Dr. Tillschneider sein. Ich wunderte mich schon, dass er schon an der Seite steht. Aber Sie haben natürlich recht. Auch ich konzentriere mich noch einmal. - Sie haben jetzt das Wort. Bitte.


Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Digitalisierung auf dem Fels der Bildungspolitik ist zu einer Art Heilsversprechen geworden. Die Umstellung des Unterrichts auf digital soll es bringen - die moderne Welt, Inspiration und Innovation, Standortvorteile und Qualifikationsschübe, Lernen ohne Mühe, die Erlösung von allen Übeln  , weshalb - siehe Digitalpakt - alle Kraft und alles Geld in die digitale Aufrüstung der Schulen fließt.

Geleitet von solche irrationalen Erlösungshoffnungen, neigen die Verantwortlichen zu einseitiger Wahrnehmung und blenden die vielfältigen Gefahren aus, die gerade für Heranwachsende im übermäßigen Kontakt mit Smartphone, Tablet und Ähnlichem liegen. Diese Gefahren sind anders als die förderlichen Effekte wissenschaftlich bewiesen und überwiegen bei nüchterner Betrachtung die Chancen bei Weitem.

Jeder weiß aus eigener Erfahrung, dass nichts so sehr die Konzentration stört wie ein Smartphone auf dem Tisch. Die mit Smartphones üblicherweise genutzten sozialen Medien, also WhatsApp, Facebook, Instagram und vergleichbare Dienste, schaffen eine Dauerpräsens von Gruppen, die einen als unermüdliche Quasselrunden in oberflächlichem Geschwätz gefangen halten und ständige Ablenkungsimpulse aussenden.

(Olaf Meister, GRÜNE: Das ist wie bei Ihnen!)

Die Möglichkeiten, im Internet zu surfen, Spiele zu spielen und sich abzulenken, sind unendlich und liegen ohne die geringste Hemmschwelle bereit.

Bei fertig gebildeten Hirnen von Erwachsenen mögen die nachteiligen Auswirkungen eines Smartphones verschmerzbar sein. Die Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche sind verheerend.

(Zustimmung bei der AfD)

Unzählige Studien haben mittlerweile nachgewiesen, dass Smartphones in Händen von Kindern und Jugendlichen süchtig machen, Depressionen auslösen, die Willenskraft schwächen, die Lebensunzufriedenheit erhöhen, zu sozialer Vereinsamung führen, Aufmerksamkeitsstörungen auslösen und Lernleistungen auf allen Gebieten nachweisbar verschlechtern.

Allein die Präsenz eines Smartphones, selbst ausgeschaltet, reduziert die Fähigkeit, zu denken und sich zu fokussieren. Es besetzt im Hirn Ressourcen, die das Arbeitsgedächtnis benötigen würde. Schon die Anwesenheit des Smartphones verhindert die Fähigkeit zu Rezeption und Produktion längerer Texte oder überhaupt zur Lösung komplexer Aufgaben, die Vertiefung und Ausdauer erfordern.

Die mit dem digitalen Dauerbetrieb verbundene permanente Abgelenktheit durch Nachrichten, Signale und Kommunikationsanreize führt zu Konzentrationsstörungen und steigert über inneren Stress die ADHS-Symptomatik, ganz abgesehen von der wachsenden Gefahr der Social-Media-Abhängigkeit. Man geht von einem Anteil von ca. 8 bis 10 % Digitaljunkies aus, die ihren Digitalkonsum nicht mehr zu steuern vermögen. Eltern kapitulieren zunehmend vor den mobilen Multifunktionsapparaten.

Eine der wesentlichen Studien zur Veränderung des Gehirns und des Lernens durch Smartphone-Missbrauch wurde übrigens im Magdeburger Labor des Leibniz-Insitutes für Neurobiologie von Frau Prof. Dr. Nicole Wetzel durchgeführt. Sie weist nach, dass die häufige Nutzung des Handys einerseits neuronale Vernetzungen im zentralen Nervensystem ungünstig verändert und andererseits Wege zum nachhaltigen Lernen verkümmern lässt.

Facebook, Youtube, Twitter und Instagram sind optimal darauf programmiert, möglichst viel Zeit und Aufmerksamkeit zu binden. Ihre Anziehungskraft und Manipulationsmacht sind in präziser Ausnutzung der Schwächen des menschlichen Gehirns extrem, insofern sie die Sehnsucht nach Anerkennung, Feedback und schneller Belohnung quasi dopaminforciert ausnutzen.

Was gelingender Unterricht grundlegend benötigt - Neugier, Interesse und Motivation  , das fließt in Richtung Smartphone ab. So wird ein für kognitive und sprachliche Leistungen notwendiger Zustand nicht erreicht und das Konzentrieren auf nur eine Aufgabe durch die digitalen Aufmerksamkeitsvampire verhindert. Dieser schöne Begriff stammt nicht von mir, sondern von Frank Rieger. Der hat es in der „FAZ“ beschrieben.

Selbst wenn in der Schulpause das Smartphone genutzt wird, löschen die von ihm ausgehenden starken Reize das im Unterricht Gelernte aus. Die Jugendlichen lesen keine 20, 30, 40 und mehr Seiten mehr am Stück. Sie lesen, wenn überhaupt, nur noch Fragmente, bis sich ihr Gerät wieder meldet. Bildung ist aber im Kern nichts anderes als die formende Kraft, die durch die Lektüre wertvoller Texte auf den Geist einwirkt. Das ist Bildung. Gebildet ist nur, wer solche Erfahrungen gemacht hat. Die Dauerablenkung durch Smartphones trifft den Bildungsprozess im Kern.

(Zustimmung bei der AfD)

Wenn es schon immer weniger Eltern gelingt, ihre Kinder davon fernzuhalten, ja, wenn immer mehr Eltern ihre Kinder sogar ruhigstellen, indem sie ihnen ein Smartphone überlassen, so sollte wenigstens die Schule ein Raum sein, an dem unsere Kinder von diesen Einflüssen frei sind. Die Schule darf, wenn sie sich als Bildungsanstalt versteht, hier nicht kapitulieren. Sie muss mit allen Mitteln dagegen ankämpfen.

Das hat nichts mit Realitätsverweigerung zu tun, im Gegenteil. Wenn es so etwas wie eine digitale Kompetenz überhaupt gibt, dann besteht sie vor allem darin, dass der sinnvolle Umgang mit solchen Geräten gelernt wird und nicht nur theoretisch gelernt, sondern eingeübt wird. Kinder und Jugendliche müssen lernen, nicht in Abhängigkeit zu geraten. Sie müssen lernen, das Smartphone auch mal für ein paar Stunden weglegen zu können. Ein landeweites Smartphone-Verbot an der Schule während der Schulzeiten, wie wir es fordern, wäre dafür eine wichtige Hilfestellung.

In Zeiten der permanenten digitalen Reitüberflutung besteht digitale Kompetenz vor allem und zunächst in der Fähigkeit zu digitaler Abstinenz. Es geht dabei nicht nur um kognitive Aspekte und darum, dass die ständigen digitalen Begleiter echte Bildung unmöglich machen. Es geht auch um Soziales. Wenn Jugendliche sich heutzutage treffen, beschränkt sich dies leider oft auf eine physische Kopräsenz, wobei jeder auf sein Smartphone starrt, dort mit virtuellen Gruppen agiert und mit der Gruppe, die er in der realen Welt bildet, bestenfalls Wortfetzen austauscht.

Es ist empirisch nachgewiesen, dass die intensive Nutzung sozialer Online-Netzwerke bei Jugendlichen die Anzahl realer Freundschaften reduziert und sich nachteilig auf die soziale Kompetenz auswirkt. Wer ständig online ist, mehr im Internet lebt als in der richtigen Welt und mehr Wert auf virtuellen als auf realen Austausch legt, bei dem lässt sich sogar hirnphysiologisch nachweisen, dass die für soziale Kontakte zuständigen Hirnareale verkümmern.

Von Politikern aller Parteien wird sehr zu Recht immer wieder darauf hingewiesen, dass sich im Netz ein aggressiver Ton ausbreitet. In der virtuellen Welt sinken die Hemmschwellen und die Gesetze des sozialen Miteinanders sind außer Kraft gesetzt. Menschen sagen sich über WhatsApp und Facebook Dinge, die sie sich im direkten Kontakt niemals sagen würden. Das ist allerdings kein Phänomen, das sich auf eine bestimmte politische Richtung beschränkt. Wir finden es bei allen Beteiligten und in allen politischen Lagern.

Anstatt nun Denunzianten zu animieren und eine Zensurinfrastruktur im Netz zu installieren, wäre es besser, den überbordenden Missbrauch des Internets gerade durch Jugendliche zurückzudrängen und deutlich zu machen: Wir haben ein Kommunikationsmittel, das einiges erleichtert; es kommt aber darauf an, dass wir dieses Kommunikationsmittel beherrschen, nicht, dass es uns beherrscht.

Fazit: Es ist eine schädliche Unart, in jeder freien Minute ständig auf sein Smartphone zu starren. Es ist im besten Sinne asozial und es wird gefährlich, wenn das Internet dem wirklichen Leben nicht mehr nur dient, sondern es verdrängt. Deshalb ist es die Aufgabe der Schule, diesbezüglich einen pädagogischen Gegendruck aufzubauen.

In den Pausen zwischen den Schulstunden sollen sich die Kinder und Jugendlichen bewegen und sich unterhalten, aber nicht an der digitalen Nuckelflasche hängen.

(Zustimmung bei der AfD)

Deshalb brauchen wir ein Smartphone-Verbot eben nicht nur im Unterricht - das sollte sich ganz von selbst verstehen  , sondern gerade auch während der Pausenzeiten.

Hinzu kommt noch, dass Smartphones mit ihren technischen Möglichkeiten unter Schülern missbraucht werden, um Mitschüler gegen ihren Willen zu fotografieren oder im Netz schlecht zu machen und unter Druck zu setzten. Das Phänomen ist als Cybermobbing bekannt. Das Mobbing im richtigen Leben wird durch den Einsatz digitaler Medien verstärkt.

Die digitalen Medien fungieren als Katalysator für soziales Fehlverhalten. Bei einer Studie, die die Techniker-Krankenkasse im Jahr 2011 mit 1 000 Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren durchführte, haben über 30 % angegeben, schon einmal Opfer von Cybermobbing geworden zu sein. Diese Zahlen dürften seitdem nicht gesunken sein.

Ein trauriger Höhepunkt dieses Trends ereignete sich Ende des letzten Jahres in Halle, als ein Schüler seine Mitschülerin im Sportunterricht in sexuell deutbaren Posen mithilfe seines Smartphones fotografieren wollte, was schließlich in einem gewalttätigen Streit zwischen Lehrer und Vater endete.

Fazit: Smartphones während der Schulzeit mindern den Lernerfolg, stören die Konzentration, schaden der sozialen Entwicklung und verstärken Fehlverhalten gegenüber Klassenkameraden. Positive Effekte sind nicht erkennbar. Damit sollte klar sein, Smartphones haben in der Schule nichts verloren. Ich bitte um Zustimmung zu unserem Antrag.

(Zustimmung bei der AfD)