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Samstag, 04.04.2020

Keine Termine vorhanden.

Plenarsitzung

Transkript

Tagesordnungspunkt 25

Beratung

Kinder vor Übergriffen schützen - „Original Play“ und vergleichbare Methoden verbieten

Antrag Fraktion AfD - Drs. 7/5223

Alternativantrag Fraktion DIE LINKE - Drs. 7/5271

Alternativantrag Fraktionen CDU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Drs. 7/5279



Einbringer ist der Abg. Herr Jan Wenzel Schmidt. - Herr Jan Wenzel Schmidt, Sie haben das Wort.


Jan Wenzel Schmidt (AfD):

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Wenn wir als AfD-Politiker das öffentlich-rechtliche Fernsehen in diesem Landtag thematisieren, treten wir zumindest als Kritiker auf. Und das geschieht mit Recht; denn das, was uns die Zwangsgebühren-finanzierten Medien bisweilen vorsetzen, ist nicht selten mehr als fragwürdig. Heute wollen wir in dieser Hinsicht eine Ausnahme machen und das öffentlich-rechtliche Fernsehen ausnahmsweise einmal lobend erwähnen.

Im vergangenen Monat machte eine Reportage des ARD-Magazins „Kontraste“ die breite Öffentlichkeit auf einen ungeheuerlichen Skandal aufmerksam, der zuvor höchstens pädagogischen Fachleuten bekannt war. Es ist dieser Reportage zu verdanken, dass eine bundesweite Debatte angestoßen wurde, die wir heute mit unserem Antrag aufgreifen.

Wer die Reportage wie ich vor dem heimischen Bildschirm verfolgte, musste sich zwingen, nicht angewidert wegzuschauen. Verwackelte Aufnahmen zeigen, wie sich wildfremde Männer mit kleinen Kindern auf dem Boden wälzen. Die Erwachsenen drücken die Jungen und Mädchen an sich und lassen sie auf ihren Schößen hopsen. Ihre Hände gleiten am ganzen Körper entlang.

Bei diesen Ausschnitten handelt es sich nicht um Erzeugnisse illegaler Kinderpornografie, sondern um Szenen, die sich am helllichten Tage in deutschen Kindertagesstätten abspielen, und das mit der Erlaubnis der vornehmlich kirchlichen Kita-Träger.

Hintergrund des Ganzen ist das sogenannte Original Play. Bei Original Play - auf Deutsch heißt das soviel wie ursprüngliches Spiel - handelt es sich um eine sogenannte Spielmethode, die an manchen Kindertageseinrichtungen praktiziert wird. Die Idee: Die Kinder sollen eine Spielweise entwickeln, die sich am Verhalten wild lebender Tiere orientiert. Im Mittelpunkt stehen gemeinsames Kuscheln, Wälzen und Toben. Durch engen Körperkontakt mit teilweise wildfremden Erwachsenen sollen angeblich soziale Kompetenzen gefördert werden.

(Mario Lehmann, AfD: Krank!)

Erfinder des sogenannten Original Play ist der 76-jährige Fred Donaldson, ein US-amerikanischer Buchautor, der seit Längerem Workshops zu der von ihm entwickelten Spielmethode anbietet. Donaldson behauptet von sich selbst, Professor gewesen zu sein und schmückt sich im Internet mit einem PhD, dem amerikanischen Äquivalent zum deutschen Doktorgrad. Auf diese Weise suggeriert er in der Öffentlichkeit, ein Fachmann für kindliche Entwicklung zu sein.

Recherchen haben jedoch ergeben, dass Donaldson nicht etwa Pädagoge oder Kinderpsychologe ist, sondern ein Geografiestudium absolviert hat. Gegen ein Entgelt von 200 bis 250 € können sich erwachsene Männer und Frauen von Donaldson als sogenannte Lehrlinge zertifizieren lassen, die dann in Kindertagesstätten auf der ganzen Welt eingesetzt werden, um das sogenannte Original Play durchzuführen.

Jeder, der selbst Kinder im entsprechenden Alter hat, wird wissen, welch hohe Sicherheitsmaßstäbe heutzutage an Kindertagesstätten gelegt werden. Selbst ich als Vater könnte mein Kind nicht ohne Weiteres von der Kita abholen, wenn mich die Erzieherinnen nicht kennen würden. Wildfremde Erwachsene werden erst recht nicht eingelassen.

Beim Original Play gelten solche Regeln offenbar nicht. Donaldsons Lehrlinge müssen sich weder personell auswiesen noch ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Niemand weiß, ob es sich bei dem wildfremden Erwachsenen um einen vorbestraften Pädophilen oder doch nur um einen sozial engagierten Bürger von nebenan handelt.

Wer jetzt noch meint, dass die Sache doch gar nicht so schlimm sei, sollte sich einmal damit auseinandersetzen, was Eltern verstörter Kinder über das sogenannte Original Play berichten. Ein Vater erzählt beispielsweise, dass die Kita seines Kindes lediglich darauf hingewiesen hatte, dass ein Vortrag zum Thema Original Play stattfinden sollte. Dann seien plötzlich neun wildfremde Erwachsene aufgetaucht, ohne dass zuvor die Erlaubnis der Eltern eingeholt worden war.

Ein anderer berichtet, dass seine kleine Tochter an einen unbekannten Ort gebracht worden sei, wo sie gegen ihren Willen mit fremden Männern spielen musste. Bei dieser Gelegenheit soll der Leiter der Kindertagesstätte seine Nase in den Po des Mädchens und anderer Kinder gesteckt haben.

Besonders abstoßend ist der Bericht der Mutter eines dreijährigen Mädchens, das mehrfach durch einen der sogenannten Lehrlinge vergewaltigt worden sei. In manchen Fällen wurde später Strafanzeige wegen schweren sexuellen Missbrauchs erstattet.

Doch selbst wenn die geschilderten Fälle nicht der Wahrheit entsprechen sollten, wird das sogenannte Original Play dadurch keinen Deut besser. Die Vorstellung, dass mein fünfjähriger Sohn dazu genötigt wird, sich mit fremden Erwachsenen auf dem Boden zu wälzen, jagt mir als Vater einen Schauer über den Rücken.

(Zustimmung bei der AfD)

Ganz abgesehen davon ist bereits die Grundidee des Original Play in Zweifel zu ziehen. Donaldson zieht eine Analogie vom ursprünglichen Spiel wild lebender Tiere auf das menschliche Verhalten und leitet daraus ab, dass Kinder mit fremden Erwachsenen kuscheln müssten, um ihre sozialen Kompetenzen zu stärken. Dieser Gedanke ist bereits im Ansatz zu demontieren.

Erstens bedürfen Kinder keiner Anleitung darüber, wie man richtig spielt. Ebenso wie junge Tiere spielen, toben und kuscheln Kinder untereinander auf ganz natürliche Weise. Was Kinder nicht brauchen, ist ein 76-jähriger Geograf, der ihnen erklärt, wie man untereinander zu spielen hat.

Zweitens ist gerade der Vergleich mit der Tierwelt irreführend. Natürlich beteiligen sich auch erwachsene Tiere am Spiel ihrer Kinder. Allerdings läuft dieser Vorgang innerhalb geschlossener Gruppen ab. Ein ausgewachsener Löwe käme nicht auf die Idee, ein wildfremdes Löwenrudel zu besuchen, um mit den dortigen Jungtieren zu spielen. Ja, Kuscheln und liebevolles Raufen sind ganz natürlich. Aber bitte nur mit Gleichaltrigen oder innerhalb der Familie.

Mit unserem vorliegenden Antrag zielen wir darauf ab, dass die im Landtag vertretenen Fraktionen ein gemeinsames Zeichen setzten und sich öffentlich gegen Original Play und vergleichbare Methoden aussprechen. Wir fordern, dass die Landesregierung Kontakt mit den Trägern der Kindertageseinrichtungen in Sachsen-Anhalt aufnimmt und über die Gefahren des Original Play aufklärt. Sollte die Methode bereits an der einen oder anderen Kita geplant sein, ist ihre Anwendung umgehend einzustellen.

Wir brauchen zudem ein offizielles Verbot. Andere Länder, wie Berlin oder Brandenburg, haben geistesgegenwärtig reagiert und dafür gesorgt, das Original Play künftig nicht man angewendet wird. Sachsen-Anhalt hat in dieser Hinsicht starken Nachholebedarf. Hier sehe ich vor allem das Sozialministerium sowie eventuell das Bildungsministerium in der Pflicht.

Ich weiß, dass sich unsere Landesregierung gern hinter dem Argument versteckt, dass Verbote kein geeignetes Mittel seien, um Probleme zu lösen. Herr Minister Tullner hat beispielsweise auf diese Weise argumentiert, als es im Jahr 2017 um das von uns geforderte Verbot der Methode „Lesen durch Schreiben“ oder „Schreiben nach Gehör“ ging. In diesem Fall, Herr Minister, geht es aber nicht darum, dass unsere Schüler die deutsche Rechtschreibung beherrschen, sondern darum, unsere Kinder von sexuellen Übergriffen zu schützen.

Auch das Argument, dass Original Play in Sachsen-Anhalt kaum oder gar nicht verbreitet sei, ist vor diesem Hintergrund nicht zulässig. Wir dürfen nicht erst handeln, wenn es zu spät ist und die ersten Skandale in Städten wie Halle oder Magdeburg bekannt werden.

Doch damit nicht genug. Die Landesregierung ist angehalten, auch auf Bundesebene eine entsprechende Debatte anzustoßen, wie wir es in Punkt 2 unseres Antrages fordern. Es gilt, nicht nur unsere Kinder in Sachsen-Anhalt zu schützen, sondern alle Kinder in ganz Deutschland.

An dieser Stelle spreche ich einen Appell an alle im Landtag vertretenen Fraktionen aus: Lassen Sie die Parteipolitik dieses eine Mal links liegen. Springen Sie über Ihren Schatten und stimmen Sie unserem Antrag für das Wohl aller Kinder in unserem Land zu.

(Zustimmung bei der AfD)