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Mittwoch, 13.11.2019

3 Termine gefunden

ICS Export
09:30 Uhr Datum: 13.11.2019

Ausschuss für Arbeit, Soziales und Integration

42. Sitzung
Magdeburg, Domplatz 6-9, Landtagsgebäude

soz042e7.pdf (PDF, 482 KByte)


10:00 Uhr Datum: 13.11.2019

Ausschuss für Umwelt und Energie

38. Sitzung
Landtag von Sachsen-Anhalt, Landtagsgebäude, Domplatz 6-9, 39104 Magdeburg

umw038e7.pdf (PDF, 501 KByte)


17:00 Uhr Datum: 13.11.2019

Festveranstaltung anlässlich der "Gründung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. vor 100 Jahren"

Grußwort durch die Landtagspräsidentin und Schirmherrin Gabriele Brakebusch

39104 Magdeburg, Hegelstraße 42, Festsaal des Palais am Fürstenwall

Plenarsitzung

Transkript

Tagesordnungspunkt 26

Erste Beratung

Medienentwicklungsplanung an Schulen praxistauglich gestalten

Antrag Fraktion DIE LINKE - Drs. 7/4923



Einbringer ist der Abg. Herr Lippmann. Herr Lippmann, Sie haben das Wort.


Thomas Lippmann (DIE LINKE):

Vielen Dank, Herr Präsident. - Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Digitalpakt kommt, das jedenfalls hat Bildungsminister Tullner verkünden lassen. Wann aber die letzte unserer 870 Schulen im Land erreicht werden wird, ob damit überhaupt ein vergleichbarer Standard hinsichtlich der verfügbaren Hard- und Software geschaffen wird, wie die Lehrkräfte in die Lage versetzt werden, mit diesen neuen digitalen Möglichkeiten ihren Unterricht zu bereichern und zu verbessern und ob letztlich der Bildungserfolg der Schülerinnen und Schüler damit gesteigert werden kann, das alles ist noch völlig offen.

Aber in Sachsen-Anhalt startet, soweit man gehört hat, am kommenden Dienstag die Umsetzung des Digitalpakts. Minister Tullner hat dazu vollmundig verkündet: „Nun sind wir am Ziel!“ Dank der Bundesmittel steht tatsächlich bis zum Jahr 2024 eine ordentliche Menge Geld zur Verfügung, um den Weg zu einer flächendeckenden Bildungsinfrastruktur im Land zu öffnen - mehr aber auch noch nicht.

Das Statement des Ministers dürfte deshalb in den Ohren derer, die sich seit Jahren mit dem Thema auseinandersetzen, doch etwas höhnisch klingen. Denn natürlich sind wir alles andere als am Ziel. Wir stehen ja noch nicht einmal so richtig in den Startlöchern.

Wenn irgendjemand denkt, jetzt kann es vor Ort so richtig losgehen und wir können uns entspannt zurücklehnen, dann irrt er gewaltig. Es reicht nicht, eine Richtlinie zu schreiben, aus der hervorgeht, wie das Geld verteilt werden soll, und dann zu glauben, dass die Schulträger und die Schulen damit schon irgendetwas Vernünftiges anfangen werden.

Wenn man also einfach alles so laufen lässt, dann ist am Ende zwar viel Geld verbaut, aber spürbare Effekte werden vielerorts nicht festzustellen sein. Im Gegenteil: Es wird wieder jede Menge Frust auf den verschiedenen Seiten geben, weil die Erwartungen auf der einen Seite zu hoch waren und nicht erfüllt werden konnten.

Der Aufbau einer leistungsfähigen digitalen Bildungsinfrastruktur in allen Schulen muss fachlich und organisatorisch begleitet und finanziell zusätzlich unterstützt werden, damit er nicht auf halbem Wege steckenbleibt.

(Beifall bei der LINKEN)

Das aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist zu befürchten, wenn Schulen bei der Erarbeitung und Umsetzung ihrer Medienentwicklungsplanung - ein sperriges Wort - technisch und pädagogisch überfordert werden oder wenn Schulträger die erheblichen finanziellen Mittel nicht aufbringen können.

Denn es ist absehbar, dass die Mittel des Bundes nicht ausreichen werden, um den angestrebten und auch geforderten Ausbaustand in allen Schulen erreichen zu können. Angesichts der sich wieder verschlechternden Finanzsituation in den Kommunen ist nicht davon auszugehen, dass sie mehr als die ohnehin geforderten 10 % Eigenbeteiligung stemmen können.

Wir fordern also mit unserem Antrag Parlament und Landesregierung auf, die Chance des Digitalpakts zu nutzen, um in allen Regionen und in allen Schulformen und für alle Schulträger gleiche Umsetzungsbedingungen zu schaffen, unabhängig davon, welcher Ausbaustand bisher erreicht wurde und wie es um die finanzielle Leistungskraft der Schulträger bestellt ist.

Es ist die Chance, mit der Grundfinanzierung durch den Bund und dem Einsatz von zusätzlichen Landesmitteln die bisherigen höchst unterschiedlichen Entwicklungsstände auszugleichen. Voraussetzung dafür, dass es wirklich losgehen kann, ist jedoch der Anschluss an das Glasfasernetz, über den bisher die wenigsten Schulen verfügen.

Insofern erzeugt die Meldung über den Start des Digitalpakts zum 1. Oktober wieder einmal in der Öffentlichkeit einen falschen Eindruck. Die große Mehrzahl der Schulen wird noch Jahre darauf warten müssen, bis sich bei ihnen etwas ändert, und sie wissen derzeit nicht einmal, wann sie eventuell damit starten.

Nach den bisherigen Planungen sollen bis zum Jahr 2021 alle Schulen angeschlossen sein. In Bezug auf den zeitlichen Horizont sind also mehr als zwei Jahre kein besonders ehrgeiziges Ziel. Aber selbst diesem Zeitplan trauen wir derzeit nicht.

Doch selbst wenn der Anschluss gelegt ist, geht es noch immer nicht los. Denn eine weitere zwingende Voraussetzung ist, dass die Schule eine Medienentwicklungsplanung auf den Tisch legt, in der konkrete pädagogische Herausforderungen benannt und entsprechende Ziele formuliert werden. Im besten Fall wurden über entsprechende Unterrichtsversuche pädagogisch-didaktische Ideen entwickelt, die zu einem am Schulkonzept orientierten Medienkonzept zusammengeführt wurden. Dieses Konzept soll sowohl Ausstattungs- als auch Qualifizierungsbedarfe beinhalten. Alles unter dem Aspekt der nachhaltigen Umsetzung an den jeweiligen Schulstandorten.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, so etwas können nur Schulen, die sich bereits vor Jahren auf den Weg gemacht haben und die über Lehrkräfte im Kollegium mit entsprechenden Kompetenzen und Erfahrungen verfügen. Das sind aber nur relativ wenige Schulen. Es ist eine komplette Illusion, zu glauben, dass der weitaus größte Teil unserer Schulen dazu ohne entsprechende Unterstützung in der Lage wäre.

Die allermeisten Schulen in Sachsen-Anhalt verfügen über keinerlei oder nur wenig Erfahrung im Hinblick auf digitales Unterrichten. Schlichtweg deshalb, weil ihnen bisher die technischen Ressourcen dafür nicht zur Verfügung gestanden haben. In vielen Schulgebäuden reicht nicht einmal die Elektroinstallation aus, um entsprechende Netzwerke und Computertechnik überhaupt betreiben zu können.

Das ist im Übrigen einer der Gründe, weshalb mit deutlich höheren Investitionskosten zu rechnen ist, die die Kommunen vor Probleme stellen werden. Diesen Umsetzungsproblemen des Digitalpakts widmet sich unser Antrag. Die meisten Schulen brauchen fachkundige Unterstützung bei der Erarbeitung und Umsetzung ihrer Medienentwicklungsplanung. Diese soll jedoch nicht durch externe Beratungsunternehmen, sondern durch schulnahe praxisgestützte Fachexpertise geleistet werden.

(Beifall bei der LINKEN)

Über diese verfügen wir auch in Sachsen-Anhalt, unter anderem in einem multiprofessionellen Fachnetzwerk, das auf umfängliches Erfahrungswissen mit Schulen zurückgreifen kann. Diese unabhängige Expertise ist erforderlich, um Schulen und Schulträger praxisnah und anbieterunabhängig zu beraten und so IT-Strukturen zu ermöglichen, die effizient handhabbar und an die jeweiligen Voraussetzungen angepasst sind.

In den Schulen soll nicht irgendeine und möglicherweise überdimensionierte und überteuerte IT-Ausstattung geschaffen werden, sondern die richtige, die die Schulen auch gebrauchen können.

(Beifall bei der LINKEN)

Das Maß dafür sind nicht die technischen Möglichkeiten, sondern die pädagogischen Kriterien und Ziele der jeweiligen Schule. Es geht um Praxistauglichkeit, die nur aus Erfahrungswissen heraus entstehen kann. Diese Beratung auf einen Leitfaden zu reduzieren, der als Handreichung zum Herunterladen für die Schulen und deren Träger zur Verfügung gestellt wird, reicht dafür bei Weitem nicht aus; denn die Möglichkeiten einer IT-Infrastruktur und -Ausstattung sind enorm und selbst für IT-Fachleute kaum zu überschauen.

Dass die Richtlinie des Bildungsministeriums auch die Förderung projektvorbereitender und begleitender Beratungsleistungen externer Dienstleister zulässt, könnte sich insofern als ein Fehlanreiz herausstellen. Was gebraucht wird, ist eine kompetente und personell ausreichend ausgestattete unabhängige Fachberatungsstelle, die das Erfahrungswissen der Schulen bündelt und weitergibt.

(Beifall bei der LINKEN)

Wir werben also mit unserem Antrag dafür, dass die Umsetzung des Digitalpakts zu einem Erfolg für die Schulen gemacht wird und nicht nur gute Geschäfte für die Installations-, Computer- und Beratungsunternehmen verspricht. Wir werben dafür, dass alles für eine zügige Umsetzung getan wird, die nicht an den finanziellen Möglichkeiten der Schulträger scheitert. - Vielen Dank.

(Beifall bei der LINKEN)