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Freitag, 18.10.2019

3 Termine gefunden

ICS Export
10:00 Uhr Datum: 18.10.2019

Ausschuss für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Medien

31. Sitzung
Landtag von Sachsen-Anhalt, Landtagsgebäude, Domplatz 6-9, 39104 Magdeburg

eur031e7.pdf (PDF, 475 KByte)


10:00 Uhr Datum: 18.10.2019

Ausschuss für Bildung und Kultur

39. Sitzung
Landtag von Sachsen-Anhalt, Landtagsgebäude, Domplatz 6-9, 39104 Magdeburg

bil039e7.pdf (PDF, 480 KByte)


10:00 Uhr Datum: 18.10.2019

15. Parlamentarischer Untersuchungsausschuss

31. Sitzung
Magdeburg, Domplatz 6-9, Landtagsgebäude

u15031e7.pdf (PDF, 453 KByte)


Plenarsitzung

Transkript

Tagesordnungspunkt 6

Erste Beratung

Anglerinnen und Angler im Land unterstützen - Anerkennung der Pflegearbeiten und finanzielle Unterstützung für neu zu erwerbenden Initialbesatz

Antrag Fraktion DIE LINKE - Drs. 7/4936

Alternativantrag Fraktion AfD - Drs. 7/4976



Einbringer wird der Abg. Herr Höppner sein. Er steht schon bereit. - Sie haben jetzt das Wort. Bitte.


Andreas Höppner (DIE LINKE):

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn über das Angeln geredet wird, dann denken regelmäßig viele daran, dass da ein paar Anglerinnen und Angler an irgendeinem Gewässer herumsitzen und versuchen, einen dicken Fisch an Land zu ziehen, oder auch nur die Ruhe am Wasser genießen wollen. Ich glaube, die wenigsten wissen, dass zum Angeln weitaus mehr gehört und die Anglerinnen und Angler auch weitaus mehr leisten.

Im Landesanglerverband Sachsen-Anhalt e. V. sind mehr als 100 Vereine mit mehr als 43 000 Mitgliedern organisiert. Ca. 4 300 Kinder und Jugendliche sind ebenfalls darin organisiert. Gerade die Jugendarbeit hat zum Ziel, den Nachwuchs frühzeitig an die Rechte und Pflichten in der Fischerei, besonders im Hinblick auf den Tier-, Natur- und Umweltschutz, heranzuführen. Die Beschäftigung in und mit der Natur ist gerade für die Jugendlichen im Verein eine wichtige Tätigkeit.

(Zustimmung bei der LINKEN)

Der Verein hat eine große Verantwortung gegenüber seinen Mitgliedern sowie den Gewässern und somit für die gesamte Natur. Auch innerhalb des Landesverbandes nimmt der Angelsportverein wichtige gemeinschaftliche Aufgaben wahr. Mit Stolz kann er auf eine erfolgreiche Vereinsarbeit im Bestreben um die Pflege und Erhaltung der Natur zurückblicken. Dafür braucht man eine ganze Menge Idealismus, vor allem aber eine hohe Einsatzbereitschaft im Ehrenamt.

Wie ich schon betonte, angeln die Anglerinnen und Angler nicht nur, sondern hegen und pflegen die Gewässer mit viel Energie und schaffen so die Voraussetzung dafür, dass die Mitglieder und auch alle Bürgerinnen und Bürger einen Nutzen von der Natur haben bzw. diese entsprechend genießen können und sie uns auf lange Zeit erhalten bleibt.

Die Angelvereine leisten wertvolle Beiträge dazu, Gewässer zu schützen, und aufgrund ihrer abgelegten Fischereiprüfung und mit dem dabei erworbenen Wissen erfüllen die Anglerinnen und Angler am Wasser außerdem eine wichtige Aufsichtsfunktion.

Der Besatz mit Fischen ist wichtig, um die Artenvielfalt zu erhalten. Es werden gezielt Fischarten eingesetzt; zum Beispiel auch, um invasive Arten in Schach zu halten. Außerdem holen Anglerinnen und Angler Müll und Unrat aus den Gewässern - das geschieht übrigens in Größenordnungen  , der sonst wahrscheinlich schon meterhoch am Ufer oder Seerand liegen würde.

Der Landesanglerverband ist für viele Gewässer nur Pächter und nicht Eigentümer. Trotzdem ist er gesetzlich verpflichtet, die vorhandenen Fischbestände zu pflegen und entsprechend dem historisch belegten Artenspektrum zu entwickeln. Anglervereine leisten somit Erhebliches für den Naturschutz und sie betreiben dafür einen hohen persönlichen Aufwand. Nicht zuletzt ist das Angeln aber auch ein praktischer Weg, großen Teilen der Bevölkerung ein vertieftes Verständnis und Erleben von Prinzipien der Nachhaltigkeit im Umgang mit der Natur und natürlichen Ressourcen zu ermöglichen.

Auch und gerade in den vergangenen Monaten haben unsere Anglerinnen und Angler wieder Großes geleistet. Sie haben sich um die Natur und unsere Kinder gekümmert, haben sich für gefährdete Fische eingesetzt und sich auch anderweitig stark engagiert.

Ein sehr wichtiger Schwerpunkt ist die Bewirtschaftung der Gewässer, insbesondere die Erhaltung und Förderung der Gewässer als natürlicher und intakter Lebensraum verschiedenster Tier- und Pflanzenarten.

Nach eigenen Angaben stellt der Landesanglerverband Sachsen-Anhalt e. V. hierzu jährlich 500 000 € zur Verfügung. Diese werden größtenteils für den Fischbesatz sowie für Gewässerpflegemaßnahmen verwendet. Hauptsächlich geht es darum, die ökologische Artenvielfalt in den Gewässern zu fördern und zu erhalten. Dies zeigt sich zum Beispiel bei der erfolgreichen Wiederansiedlung von einstmals heimischen Fischarten wie zum Beispiel dem Lachs.

Wesentliche Besatzmaßnahmen richten sich übrigens auf den Erhalt anglerisch völlig uninteressanter Kleinfischarten. Damit wird letztlich verdeutlicht, dass keine Beschaffung von Fischen für das reine Angelvergnügen erfolgt, sondern ein Ersatz von Fischbeständen.

An dieser Stelle möchte ich den vielen ehrenamtlichen Angerinnen und Anglern danken; denn ohne deren Einsatz, ohne deren Besatz- und Pflegemaßnahmen würde es zum Beispiel den Europäischen Aal in unseren Gewässern überhaupt nicht mehr geben und viele andere Fischarten wären ebenso für immer aus unseren Gewässern verschwunden.

(Beifall bei der LINKEN)

Aber, meine Damen und Herren, die Anglerinnen und Angler waren in diesen Jahren an vielen Stellen besonders gefordert und im Einsatz. Durch Trockenheit und Hitze ist es in ganz Sachsen-Anhalt vermehrt zu massivem Fischsterben gekommen; zum Beispiel in der Unteren Milde, im Stadtsee Stendal, im Saalealtarm Nienburg, im Garzer See und in vielen anderen Gewässern konnten wir das erleben.

In den Medien konnte man solche und ähnliche Vorkommnisse fast täglich lesen. Viele Tausend Fische sind aufgrund von niedrigen Wasserständen und Sauerstoffmangel verendet. Ein Großteil davon musste abgefischt werden.

Auch Feuerwehr und THW versuchten, mit zusätzlichen Wassereinleitungen in Standgewässer den Sauerstoffgehalt zu erhöhen. Die Vereine haben sich zum Teil auch neue Technik anschaffen müssen, um zum Beispiel Wasser zum Sauerstoffeintrag über den Gewässern verrieseln zu können.

Aber auch Umweltverschmutzung führte nicht nur in diesem Jahr zu vermehrtem Fischsterben, so zum Beispiel in der Bode. Tausende von Fischen sind dort verendet, nachdem durch eine oder mehrere Einleiter massiv Schadstoffe in das Wasser gelangt sind. Die Anglerinnen und Angler fragen zu Recht, ob es sich überhaupt noch lohnt, jedes Jahr neue Fische in die Bode zu setzen, die nach kurzer Zeit wieder mit dem Bauch nach oben schwimmen. Der wirtschaftliche Schaden ist für sie nicht mehr tragbar, und natürlich ist der damit einhergehende naturale Schaden eigentlich unbezahlbar.

Darüber hinaus kam es in ganz Sachsen-Anhalt auch zum Trockenfallen vieler Kleingewässer, für die ein erneuter Besatz von der Erfüllung weiterer Bedingungen abhängt.

In allen Landkreisen wurden somit hauptsächlich durch die Trockenheit Fischbestände reduziert. Nicht selten sind Gewässer so geschädigt, dass die natürliche Reproduktion gestützt werden muss, um das historische Artenspektrum zu erhalten.

Hohe Kosten entstehen aber beispielsweise auch durch massive Entschlammungs- und Entsorgungsmaßnahmen bzw. Wasserregulierungsmaßnahmen. Apropos Wasserregulierung: Ich denke, wir sind uns darin einig, welche große Bedeutung die Ressource Wasser für uns alle insgesamt hat.

Gerade jetzt können wir an den Entwicklungen in den letzten zwei Jahren deutlich ablesen, was es bedeutet, wenn Niederschläge massiv zurückgehen, und welch schwerwiegende Konsequenzen für Mensch und Natur zwei aufeinanderfolgende Jahre Trockenheit haben. Der gesamte Wasserhaushalt gerät aus dem Gleichgewicht. Mittlerweile kann man davon ausgehen, dass die aufgezählten Probleme landesweit bestehen und wahrscheinlich leider auch künftig bestehen werden. Es gilt, die Wasserversorgung sicherzustellen und Gewässerkörper im Oberflächen- und Grundwasser zu erhalten bzw. zu regulieren.

Meine Damen und Herren! Den großflächigen Ersatz von Fischbeständen und erhöhte Pflegemaßnahmen können die Anglerinnen und Angler unmöglich aus der eigenen Tasche finanzieren. Die Erhaltung der Biodiversität und der Naturschutz bzw. die Naturerhaltung in und an unseren Gewässern stellen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe dar. Deshalb brauchen die Anglerinnen und Angler Hilfe und Unterstützung. Wir sind in Sachsen-Anhalt in der glücklichen Lage, viele Gewässer inmitten der Natur mit wunderschönen Seen und Flüssen zu haben. Ich denke, es ist unsere Pflicht, das uns Anvertraute und zur Verfügung Stehende zu schätzen und das Geschaffene zu bewahren. In diesem Sinne: Petri Heil! - Ich danke Ihnen.

(Beifall bei der LINKEN)