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Montag, 18.11.2019

Keine Termine vorhanden.

Plenarsitzung

Transkript

Jürgen Barth (SPD):

Herr Vorsitzender! Meine sehr verehrten Damen und Herren!

(Guido Heuer, CDU: Herr Präsident!)

Herr Heuer, darf ich anfangen? - Bekommt er nicht einmal mit.

(Guido Heuer, CDU: Natürlich! Ganz ruhig!)

Die Zahl ist heute schon mehrfach genannt worden. eine Million Arten sind von Aussterben bedroht. Das geht aus dem Bericht des Weltbiodiversitätsrates hervor. Die Ergebnisse dieses Berichtes sind allseits bekannt. Ich möchte eigentlich nur zwei Punkte von den fünf Faktoren, die von den Wissenschaftlern als die maßgeblich verantwortlichen für die negative Entwicklung auf der Welt identifiziert wurden und die natürlich auch für Sachsen-Anhalt zutreffen, kurz einbringen.

Zum einen wäre die unzureichende Vielfalt der angebauten Kulturen in der Landwirtschaft zu nennen. Das Thema ist hier schon mehrfach angesprochen worden. Aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen - das muss man auch einmal ganz deutlich sagen - zwingt der Markt die Landwirtschaft zum Anbau von Kulturen, wie Raps und Mais in Größenordnungen, um ihr Überleben zu sichern.

(Zuruf von Dorothea Frederking, GRÜNE)

Wenn das so, dann ist nicht nur allein die Landwirtschaft dafür verantwortlich, sondern dann ist es ein gesamtgesellschaftliches Problem.

(Siegfried Borgwardt, CDU: So ist das! - Zustimmung von Dorothea Frederking, GRÜNE)

Darüber müssen wir einmal nachdenken. Wir beschweren uns darüber, dass der Urwald abgeholzt wird, um Soja zu produzieren. Das Soja wird dann nach Deutschland geliefert und wir füttern unsere Kühe damit.

(Zustimmung von Guido Heuer, CDU)

Das ist natürlich auch eine Frage, über die man einmal diskutieren kann. Ich kenne etliche Betriebe, die kein Soja einsetzen, sondern Raps füttern, den man selber anbauen kann. Diese Betriebe gehen auch nicht pleite.

(Zuruf von Ministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert)

Wie gesagt: Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Darum sollten wir uns kümmern, damit hier ein Umsteuern passiert und die Biodiversität im ländlichen Raum wieder besser wird, dass wieder mehr Kulturen angebaut werden usw.

(Zustimmung von Silke Schindler, SPD, und von Dorothea Frederking, GRÜNE)

Eiweißprodukte werden in Deutschland kaum noch angebaut. Anbauflächen für Luzerne beschränken sich auf nur noch wenige Hektar.

Nun zum zweiten Punkt, den ich noch ganz kurz ansprechen wollte. Anliegen muss es auch sein, die invasiven Arten in Deutschland, die wir ja auch haben, zurückzudrängen. Dafür gibt es gute Beispiele.

(Zustimmung von Guido Heuer, CDU)

Dafür gibt es wirklich gute Beispiele. Ich denke dabei an die Nilgans, die wir in das Jagdrecht aufgenommen haben. Nichtsdestotrotz gibt es ja noch mehr solcher Arten. Ich möchte nur den Mink erwähnen, der auch bekämpft werden darf, aber die Bejagung mit Fallen stellt sich schwierig dar. Das Amerikanische Eichhörnchen - das ist manchen vielleicht gar nicht so bewusst - verdrängt unser Eichhörnchen auch, aber was will man dagegen tun?

(Siegfried Borgwardt, CDU: Das ist das graue! Das musst du denen sagen; das verstehen sie sonst nicht!)

Dann zu dem beliebten Thema Waschbär. Ich denke, insoweit hat die Landesregierung einiges getan. Ich denke an Fallenaktion. Ich denke auch an die Aktion Fellwechsel. Ich meine, das ist ein Beitrag, der dazu beiträgt, dass sich die Jägerschaft mehr um den Waschbären „kümmert“. An dieser Stelle sind auch schon Erfolge erzielt worden.

Einen weiteren Punkt möchte und muss ich noch einmal ansprechen, nämlich die Ausbreitung von invasiven Arten gerade im pflanzlichen Bereich. Hierbei liegt es uns nach wie vor am Herzen, dass der Verein Konaro, der in der Vergangenheit immer sehr aktiv war und mit dazu beigetragen hat, diese Arten zu bekämpfen, nach wie vor unterstützt wird; das ist ja auch vorgesehen im Haushalt. Aber wir sollten dafür eine längerfristige Lösung finden, damit das Wissen auch zukünftig nicht verlorengeht.

Darüber hinaus möchte ich noch auf ein Beispiel eingehen, das wir heute in dem Zusammenhang noch gar nicht beleuchtet haben. Es gibt einen Vorschlag des Landschaftspflegeverbandes Mittleres Elstertal mit Sitz direkt im mitteldeutschen Revier. Der Verband hat einen Vorschlag zur Biodiversität unterbreitet, den wir auch im Hinblick auf den Strukturwandel im Braunkohlenrevier berücksichtigen sollten. Es handelt sich hierbei um das Thema von länderübergreifenden Biotopverbünden gerade im Dreieck Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen.

(Zustimmung von Rüdiger Erben, SPD)

Diese Idee sollten wir auch im Zuge des Strukturwandels aufgreifen. Denn es geht dabei nicht nur um Arbeitsplätze, Bildung und Infrastruktur, sondern es geht insgesamt auch um Biodiversität, um einen geordneten Rückzug der Braunkohle zu gestalten.

(Zustimmung von Rüdiger Erben, SPD, und bei den GRÜNEN)

Meine Damen und Herren! Abschließend kann ich nur noch einmal an alle appellieren, dass wir gemeinsam dafür arbeiten, dass wir Karl den Käfer weiterhin nicht nur aus dem Lied kennen, sondern ihn auch in 50 Jahren noch live in der Natur erleben können. - Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

(Zustimmung bei der SPD und bei den GRÜNEN)