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Donnerstag, 21.11.2019

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13:00 Uhr Datum: 21.11.2019

Ausschuss für Arbeit, Soziales und Integration

43. Sitzung zu Beginn der Mittagspause der Landtagssitzung
Landtag von Sachsen-Anhalt, Landtagsgebäude, Domplatz 6-9, 39104 Magdeburg

soz043e7.pdf (PDF, 472 KByte)


19:30 Uhr Datum: 21.11.2019

Parlamentarischer Abend der Deutschen Automatenwirtschaft e.V.

Grußwort durch Herrn Vizepräsident Wulf Gallert in Vertretung der Landtagspräsidentin
Theater in der Grünen Zitadelle, Breiter Weg 8a, 39104 Magdeburg

Plenarsitzung

Transkript

Carsten Borchert (CDU):

Vielen Dank, Herr Präsident. - Sehr geehrte Damen und Herren! Der globale Bericht des Weltbiodiversitätsrats soll also auch ein Weckruf für uns in Sachsen-Anhalt sein und ist es. Wir wissen, dass der Bundestag bereits vor 13 Tagen ebenfalls eine Debatte über eben diesen Bericht geführt hat.

Wir sind ein Sechzehntel der Bundesrepublik Deutschland, 5,7 % der Gesamtfläche der Bundesrepublik. Können wir auf 20 452 km² die gesamte Artenvielfalt retten?

(Sebastian Striegel, GRÜNE: Nein! Aber wir müssen unseren Teil tun!)

Dass wir alle diese rhetorische Frage mit einem klaren Nein beantworten, ist mir und Ihnen auch klar - danke schön  , aber wir können auch im Kleinen etwas für die Artenvielfalt tun.

(Sebastian Striegel, GRÜNE: Genau! - Zuruf von Eva von Angern, DIE LINKE)

- Lassen Sie mich doch ausreden. Dann sage ich Ihnen schon, was dort steht.

(Guido Heuer, CDU: Lass dich nicht ins Bockshorn jagen!)

In den letzten 540 Millionen Jahren gab es mindestens fünf große Wellen des Artensterbens, die fast immer durch Auswirkungen aus dem Weltall entstanden sind. Möglicherweise finden die Geologen in den Klimaarchiven noch weitere. An der sechsten Welle, die uns jetzt bevorsteht, sind wir alle beteiligt. Das lässt sich definitiv nicht leugnen.

Jede achte Art ist in den nächsten Jahren und Jahrzehnten vom Aussterben bedroht. Es ist in der Tat an der Zeit, diesem Artensterben gemeinsam und global entgegenzusteuern. Allerdings muss dieses Entgegensteuern auf die Ursachen ausgerichtet sein und nicht auf Ideologien.

(Zustimmung bei der CDU)

Schauen wir uns doch noch einmal die Ausgangslage an: Der Bedarf an Wasser, Nahrungsmitteln, Energie und Rohstoffen der Erdbevölkerung steigt stetig an. Der gesteigerte Bedarf wirkt sich auf das Ökosystem von Wasser, Land und Luft verschlechternd aus. Als Ursachen für den Verlust der Biodiversität nennt der Weltbiodiversitätsrat beispielsweise die Expansion der Landwirtschaft in den Tropen, Viehzucht in Lateinamerika und Ölplantagen in Südostasien, die vor Ort zum Verlust von waldreichen Gebieten führen, außerdem die städtischen Ballungsgebiete, welche zur Flächenversiegelung und Zerstörung der Kulturlandschaften führen.

Global werden 80 % der Abwässer ungeklärt wieder in die Gewässer zurückgeleitet. Das bedeutet, dass 400 Millionen t Schwermetalle, Lösungsmittel, giftige Substanzen und andere Abfälle aus Industrieanlagen weltweit jedes Jahr in Gewässer eingeleitet werden, dieses aber größtenteils nicht in den Industrieländern.

Bei der Findung von Lösungen dürfen wir den Fokus nicht allein auf die heimische Wirtschaft und Landwirtschaft legen, sondern wir brauchen eine globale und vernetzte Strategie.

Die Wissenschaftler, die den Bericht des Weltbiodiversitätsrats verfasst und vorgestellt haben, sagen ganz deutlich, es wäre kontraproduktiv, wenn wir die gesamte Kulturlandschaft unter Naturschutz stellten und nicht mehr nutzten, also keine aktive Landwirtschaft mehr betrieben, weil dann in anderen Teilen der Erde mehr Flächen gebraucht würden, um uns mit zu ernähren.

(Zustimmung von Guido Heuer, CDU - Ministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert: Aber es wäre auch nicht richtig für unsere Kulturlandschaft!)

Meine Damen und Herren! Lassen Sie mich bitte noch zu einem Punkt kommen, der ebenfalls mit der Artenvielfalt zu tun hat und sehr speziell nachdenklich macht. Jeder von uns bedauert das Insektensterben und dabei allen voran das Bienensterben. Allerdings wissen die wenigstens, dass wir uns dabei keine Sorgen um unsere geliebte Honigbiene machen müssen.

(Dorothea Frederking, GRÜNE: Doch!)

Die Honigbiene ist zwar extrem wichtig für die Landwirtschaft, spielt aber sonst in der Natur keine große Rolle. Insofern kann man zu Recht davon reden, dass die Honigbiene vielmehr ein Nutztier ist und eben auf diesen Nutzflächen Sinn ergibt. Sie bilden große Völker aus und können sich effektiv darüber austauschen, wo die besten Nahrungsquellen sind. Provokant ausgedrückt: Sie fallen in großen Scharen über die Nahrungsquellen her. In den natürlichen Biotopen, ob geschützt oder nicht und fernab der Landwirtschaft, treten sie so in einen direkten Konkurrenzkampf mit den wilden Bestäubern. Dort haben Honigbienen nichts zu suchen.

Viele Wildbienen sind auf den Pollen von bestimmten Pflanzengattungen oder gar einer einzigen Pflanzenart angewiesen, um ihre Nachkommen aufzuziehen. Honigbienen sind etwas weniger wählerisch. Dadurch fressen sie den Wildbienen aber den Nektar und Pollen weg. Schlicht und ergreifend verhungert die Wildbiene dadurch. Die Übertragung von Krankheitserregern durch die Honigbiene auf die Wildbiene ist eine weitere Ursache für die Schwächung der Population.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich möchte die Honigbiene nicht verdrängen, aber wir sollten ernsthaft überlegen, ob die Massen an Hobbyimkern, die durch das Bienensterben auf den Plan gerufen wurden, nicht vielleicht zusätzlich zum Bienensterben beitragen, anstatt dieses zu verhindern. Das ist aber nur ein kleiner Exkurs in das Thema des heimischen Artensterbens. Auf keinen Fall soll infrage gestellt werden, dass unsere Hobbyimker etwas für unsere Naturvielfalt tun.

Die Frage, die wir uns stellen, ist: Was können wir tun? - Die Antwort wird uns alle erschrecken, obwohl wir sie wissen: Eine Verringerung der Nutzung der Ökosysteme steht in direktem Zusammenhang mit der Verminderung des Konsums jedes Einzelnen.

(Andreas Schumann, CDU: Ja!)

Wir tragen mit unserem Konsumverhalten zu einer Verschlechterung oder Verbesserung der Lebensräume bei. Das wissen wir alle. Eine radikale Unterschutzstellung der verschiedenen Biotope bringt gar nichts. Es gibt sogar Biotope, bei denen die Unterschutzstellung dafür gesorgt hat, dass sich die Pflanzenarten gegenseitig verdrängen.

Auch der Klimawandel ist nicht allein am Artensterben schuld, wie es gern propagiert wird. Es braucht, wie schon oft genannt, eine globale Lösung. Dieses bedeutet aber auch weltweit einheitliche Standards und effektive Technologien. Es muss in der Zukunft möglich werden, dass die ganze Welt im Umweltbereich an einem Strang zieht. Nur dann können wir die Erde retten.

Zum Abschluss meiner Rede möchte ich aber auch noch etwas Erfreuliches sagen. Wir reden hier von Artensterben, aber jedes Jahr werden rund 18 000 zuvor unbekannte Arten von Pflanzen, Tieren und Mikroben neu entdeckt. Die Evolution stagniert nicht, sondern schreitet weiter voran.

(Lars-Jörn Zimmer, CDU: Hört, hört!)

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Zustimmung bei der CDU)


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Herr Borchert, einen kleinen Moment, bitte. Frau Frederking hat sich zu Wort gemeldet.


Carsten Borchert (CDU):

Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und da ich die Meinung der CDU sachlich dargestellt habe, möchte ich keine Nachfragen zulassen. - Danke.

(Zustimmung von Lars-Jörn Zimmer, CDU, und von Tobias Krull, CDU - Dorothea Frederking, GRÜNE: Schade, das wäre von Interesse gewesen!)


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Das ist in Ordnung. - Frau Frederking, dann eine kleine Intervention oder Sie verzichten. Frau Frederking, Sie verzichten? - Danke.